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Exkursion auf den Kindelsberg
Jäger bei der Wiederbewaldung mit Schlüsselrolle

Die Arbeitsgemeinschaft „Wiederbewaldung und Jagd“ schaut sich eine von abgestorbenen Fichten geräumte Fläche hoch oben auf dem Kindelsberg an.
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  • Die Arbeitsgemeinschaft „Wiederbewaldung und Jagd“ schaut sich eine von abgestorbenen Fichten geräumte Fläche hoch oben auf dem Kindelsberg an.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

goeb Kreuztal. Auf die Jäger wird es entscheidend ankommen, jetzt, wo gigantische Flächen entstanden sind, auf denen einst der „Brotbaum“ des Siegerlandes, die Fichte, wuchs. Gerade oben auf den Kämmen standen die ältesten Exemplare – und die hat sich der Borkenkäfer zuerst vorgeknöpft. Wie auf dem Kindelsberg, wo sich am Freitag bei bester Fernsicht Förster, Vertreter der Waldgenossenschaften Ferndorf, Littfeld, Kreuztal und des Stiftswaldes Keppel versammelten, darunter auch viele, die selbst jagen.
Aufforstung wird nationale...

goeb Kreuztal. Auf die Jäger wird es entscheidend ankommen, jetzt, wo gigantische Flächen entstanden sind, auf denen einst der „Brotbaum“ des Siegerlandes, die Fichte, wuchs. Gerade oben auf den Kämmen standen die ältesten Exemplare – und die hat sich der Borkenkäfer zuerst vorgeknöpft. Wie auf dem Kindelsberg, wo sich am Freitag bei bester Fernsicht Förster, Vertreter der Waldgenossenschaften Ferndorf, Littfeld, Kreuztal und des Stiftswaldes Keppel versammelten, darunter auch viele, die selbst jagen.

Aufforstung wird nationale Aufgabe

Arbeitsgemeinschaft "Wiederbewaldung und Jagd" neu gegründet

Eingeladen hatte die neugegründete Arbeitsgemeinschaft „Wiederbewaldung und Jagd“, bestehend aus der Unteren Jagdbehörde des Kreises Siegen-Wittgenstein, des Waldbauernverbandes, der Kreisjägerschaft und des Regionalforstamtes Siegen-Wittgenstein.
Was der zuständige Revierleiter Martin Sorg eingangs sagte, musste nachdenklich stimmen. Wie der Wald der Zukunft aussehe, das könne niemand mit Bestimmtheit sagen. „Das ist schon ein bisschen der Blick in die Glaskugel“, räumt Sorg, in dritter Generation Förster, gegenüber den mehreren Dutzend Teilnehmern ein. Der Klimawandel bestimme das, Tendenz: heißer und trockener. „Aber wenn der Golfstrom seine Richtung ändert, könnte es alles ganz anders kommen.“

Der Borkenkäfer bleibt bis zum bitteren Ende

20.000 Hektar Wald im Kreis Siegen-Wittgenstein geschädigt

Die drei Dürresommer 2018, 2019 und 2020 jedenfalls haben 20.000 Hektar Waldfläche im Kreis geschädigt. Letztes Jahr, so Sorg, sei man noch optimistisch gewesen, die Kurve zu kriegen. Doch Ende Mai dieses Jahres sei die Borkenkäfer-Lage wieder eskaliert. „Alles, was man gelernt hat über den Käfer, muss neu betrachtet werden“, fügt er hinzu. Der Käfer befalle nun bereits Baumarten wie Kiefer, Douglasie oder auch die Lärche. „Früher wäre es undenkbar gewesen, dass alle Entwicklungsstadien des Käfers gleichzeitig da sind“, berichtet Sorg kopfschüttelnd. Und der Käfer befalle immer jüngere Bestände. Doch die Exkursion mit vorgeschalteter Konferenz war keine Trauerveranstaltung. Im Gegenteil: Man müsse jetzt das Beste aus der Situation machen, heißt es. Und das Stichwort heißt hier: (sukzessionsgesteuerte) Wiederbewaldung. Aufgeforstet im klassischen Sinne wird nicht mehr. „Die Natur gibt viel dazu, wir ergänzen das.“

Viel Naturverjüngung kommt von allein

So ließ Fachbereichsleiter Jan Zimmermanns eine Drohne steigen, deren Fotos einen guten Überblick erlauben über die Fläche und ihre Bestockung. Viel Naturverjüngung kommt von allein; die wird ergänzt, je nach Standort, mit Douglasien, Küstentanne, Kiefer, Europäischer Lärche, Hainbuche, Traubeneiche und „Versuchsarten“ wie Baumhasel oder Esskastanie – Baumarten also, denen man zutraut, mit heiß-trockenen Sommern besser zurechtzukommen. Mit 3000 bis 5000 Euro pro Hektar, zuzüglich drei Pflegegängen à 500 Euro, müssten Waldbesitzer rechnen, meint Zimmermanns. Aber: Es gibt Fördergelder für das Zielobjekt naturnaher Wirtschaftswald. Auch jagdlich ist Förderung in Aussicht gestellt, denn der Erfolg hängt ganz wesentlich vom Rehwild ab, das in diesen Einständen Abermillionen von Baumknospen verbeißen wird.

Waldbauern und Jäger müssen viel enger zusammenarbeiten

Dr. Sebastian Klein (Jagdschule Heestal) und die Förster sprechen von aufgelockerten Strukturen mit verbreiterten Rückeschneisen und Sichtachsen fürs Schussfeld. Auch die Drückjagd soll zu ihrem Recht kommen. Eine viel größere Zahl von Ansitzmöglichkeiten soll es geben, „wo Jäger flexibel auf Witterung und Windrichtung reagieren können“, verdeutlicht Klein. Die Jagd soll auch nicht zu Ende sein, wenn etwa eine Familie mit Picknickkorb auftaucht. „Rehwild ist Kurzstreckenflüchter, und es mag Strukturbrüche. Dann ändert man seinen Standort und jagt dort weiter.“ Klein appellierte, die Schützen mit Bedacht zu wählen. „Leute mit Disziplin.“

Die Forstämter sehen die Wiederbewaldung als Gemeinschaftsleistung aller.

Diesem Gedanken folgt auch Forstamtsleiter Manfred Gertz. Sein Credo: „Wendet euch an die örtlichen Jäger und wählt als Pächter nicht den Höchstbietenden, der bei schönstem Wetter in Münster losfährt, hier im Nebel ankommt und dann nichts schießt. Das hat jede Waldgenossenschaft selbst in der Hand. Geht vor allem mit denen in die Fläche und sagt ihnen, was ihr von ihnen erwartet.“
Für Gertz ist klar: Die Zusammenarbeit von Waldbesitzern und Jagdpächtern muss auf ganz neue Füße gestellt werden. Es müsse deutlich mehr aufeinander zugegangen werden. Diese Herkulesaufgabe könne man nur gemeinsam stemmen.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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