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Krombacherin erstattet Anzeige
Jäger erlegt Ricke und zwei Kitze

Die Schüsse auf die Tiere waren so laut, dass einige Nachbarn es mit der Angst zu tun bekommen haben.
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  • Die Schüsse auf die Tiere waren so laut, dass einige Nachbarn es mit der Angst zu tun bekommen haben.
  • Foto: Pixabay (Symbolfoto)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

nja Krombach. Knall auf Fall wurde am Freitag so mancher Krombacher aus dem Schlaf gerissen. Kurz nach halb sieben in der Früh war es, als auch Sandra Gismondi der Schreck in die Glieder fuhr: Drei Schüsse waren da in unmittelbarer Nähe zu ihrem Zuhause an der Erfurter Straße abgefeuert worden. „Da stand ich gerade in der Küche und hatte das Gefühl, in Deckung gehen zu müssen“, erzählt die Krombacherin, die dann aber genau das Gegenteil tat: „Ich bin hinausgelaufen und habe panisch geschrien: ,Hör auf zu schießen!’“ Das Werk war da aber schon vollbracht: Vom Hochsitz auf einer Wiese oberhalb der Wohnstraße hatte ein Jäger ein Reh samt zwei Kitzen zur Strecke gebracht.

nja Krombach. Knall auf Fall wurde am Freitag so mancher Krombacher aus dem Schlaf gerissen. Kurz nach halb sieben in der Früh war es, als auch Sandra Gismondi der Schreck in die Glieder fuhr: Drei Schüsse waren da in unmittelbarer Nähe zu ihrem Zuhause an der Erfurter Straße abgefeuert worden. „Da stand ich gerade in der Küche und hatte das Gefühl, in Deckung gehen zu müssen“, erzählt die Krombacherin, die dann aber genau das Gegenteil tat: „Ich bin hinausgelaufen und habe panisch geschrien: ,Hör auf zu schießen!’“ Das Werk war da aber schon vollbracht: Vom Hochsitz auf einer Wiese oberhalb der Wohnstraße hatte ein Jäger ein Reh samt zwei Kitzen zur Strecke gebracht.

Krombacherin erstattet Anzeige

„Meine Schwiegermutter lebt seit 50 Jahren hier und hat noch nie einen so lauten Schuss gehört. Eine Nachbarin mit Säugling hat sich in ihrer Wohnung im hintersten Winkel versteckt“, erzählt Gismondi, die mit ansah, wie der Jäger die drei toten Tiere zum Auto zog. Für die Vegetarierin ein schrecklicher Anblick. Regelmäßig haben sie und auch Nachbarn Rehkitze auf dem Grünland gesehen – und sich immer gefreut. Die Krombacherin erstattete Anzeige bei der Polizei. Mit Fähnchen hat sie die Stellen markiert, an denen sie Blut und Gewebe der Tiere entdeckt hat: Dort, so die Vermutung, wurden Muttertier und Kitze erwischt. Ein Schusswinkel verlief demnach schräg Richtung Wohnhäuser.

Jäger hat rechtens gehandelt

Dr. Sebastian Klein ist der zuständige Jagdpächter und überzeugt, dass der Jäger rechtens gehandelt hat. „Die markierten Stellen sind jene, wo die Stücke zum Liegen gekommen sind.“ Nachdem die Tiere gezielt in Herz/Lunge getroffen seien, träten sie reflexartig die Flucht an, womöglich bergab. Von 20 bis 50 Metern spricht er. Somit sei der Fundort nicht jener, an dem das Geschoss das Tier getroffen habe. Das Jagdrecht schreibe vor, dass die Munition in gewachsenem Boden landen muss. „Ist dies gewährleistet, darf auch nahe der Wohnbebauung geschossen werden.“

Ricke und Kitz müssen gemeinsam erlegt werden

Laut Polizei liegt kein Straftatbestand vor, auch Kitze dürfen seit dem 1. September geschossen werden. Der Schusswinkel vom Hochsitz aus schräg nach unten gewährleiste den vorgeschriebenen Kugelfang. „Der Jäger hat alles richtig gemacht“, sagt auch Henning Setzer von der Jagdbehörde des Kreises Siegen-Wittgenstein. Kitz und Ricke müssten gemeinsam erlegt werden, sonst liege ein Straftatbestand vor. „Und dass er drei Schüsse abgefeuert hat, zeigt doch, dass der Jäger sein Handwerk versteht.“
„Auch wenn alles rechtens verlaufen sein sollte“, betont Sandra Gismondi, „möchte ich ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man mehr Rücksicht aufeinander nehmen sollte. Muss das sein? Um diese Uhrzeit, so nahe am Zuhause vieler Menschen zu schießen? Für mich jedenfalls war das eine Katastrophe. Ich habe zwei Nächte nicht geschlafen. Im Frühjahr haben wir dem Landwirt angeboten, vor dem Mähen die Wiese abzulaufen, um die Tiere gegebenenfalls zu retten. Und im Herbst werden sie dann vor unseren Augen abgeschossen. Das passt für mich nicht zusammen!“
Setzer sieht hier gravierende Unterschiede: „Natürlich bewahren wir die Tiere vor der Verstümmelung durch Mähwerke und einem entsetzlichen Tod. Jetzt aber dürfen auch Kitze gejagt werden. Nach einem gezielten Schuss werden sie zu einem sauberen Lebensmittel.“

Jagen auch früh morgens erlaubt

Klein selbst hat dort oben auch schon Wild erlegt – allerdings oft Schallschutzdämpfer verwendet. „Den Hochsitz habe ich vor fünf Jahren dort postiert“, sagt Klein im SZ-Gespräch. Dass die drei Schüsse vom Freitag auch in den „sozialen“ Medien so hohe Wellen geschlagen haben, zeige, wie unauffällig die Jagd generell sei. Schalldämpfer seien erst seit ein paar Jahren erlaubt. Vorher hätte deren Verwendung gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen. Nicht alle Jagdwaffen seien zudem nachrüstbar. „Es wird aber immer mehr.“ Gibt es keine Regelung, dass vor 7 Uhr nicht nahe Schlafzimmern laut geschossen werden darf? Dr. Klein schüttelt den Kopf.
Er bricht eine Lanze für die Jagd, mit der er in seinem Beritt für einen stagnierenden Wildbestand sorge. Ein Ziel sei ja auch, einen gesunden Mischwald zu ermöglichen. Dass man im ländlichen Raum des Siegerlands ab und an auch mal Schüsse vernehme, das werde aber auch so bleiben. Klein: „Aber natürlich versuchen wir, die Jagd so schonend wie möglich für alle zu gestalten.“

Die Schüsse auf die Tiere waren so laut, dass einige Nachbarn es mit der Angst zu tun bekommen haben.
Sandra Gismondi sorgte sich, weil in der Morgendämmerung drei Schüsse nahe der Erfurter Straße fielen. Sie markierte auf der Wiese, wo Reh und Kitze starben.
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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