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Stahlaktionstag: IG Metall und Betriebsräte fordern Hilfe
Kampf gegen "Hauptsache billig"

Bei den Deutschen Edelstahlwerken in Geisweid verdienen 1154 Menschen ihr Geld, einer von ihnen ist Alexander Jekel (Foto). Bis 2024 sollen in den vier Werken des Konzerns von rund 4000 Arbeitsplätzen 300 bis 400 abgebaut werden.
  • Bei den Deutschen Edelstahlwerken in Geisweid verdienen 1154 Menschen ihr Geld, einer von ihnen ist Alexander Jekel (Foto). Bis 2024 sollen in den vier Werken des Konzerns von rund 4000 Arbeitsplätzen 300 bis 400 abgebaut werden.
  • Foto: rt
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

mir Eichen. Corona und kein Ende: Über die Krise der Reedereien wegen nicht fahrender Kreuzfahrtschiffe werden ganze TV-Sendungen ausgestrahlt, „aber über unsere Stahlindustrie verliert niemand ein Wort“, meckert Andree Jorgella am Donnerstag beim „Stahlaktionstag“ im ehrwürdigen Eichener Hamer. Und der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Siegen schiebt gleich eine Forderung nach: „Wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens für grünen Stahl, da wollen wir Vorreiter werden und es lange bleiben.“ Drei Jahre ist es her, da tagten die Siegerländer Stahlproduzenten schon einmal in diesem Saal. Mit einem Gespenst im Hintergrund: Tata. Inzwischen ist die Fusion der Thyssenkrupp Steel Europe AG mit dem indischen Konzern Geschichte.

mir Eichen. Corona und kein Ende: Über die Krise der Reedereien wegen nicht fahrender Kreuzfahrtschiffe werden ganze TV-Sendungen ausgestrahlt, „aber über unsere Stahlindustrie verliert niemand ein Wort“, meckert Andree Jorgella am Donnerstag beim „Stahlaktionstag“ im ehrwürdigen Eichener Hamer. Und der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Siegen schiebt gleich eine Forderung nach: „Wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens für grünen Stahl, da wollen wir Vorreiter werden und es lange bleiben.“ Drei Jahre ist es her, da tagten die Siegerländer Stahlproduzenten schon einmal in diesem Saal. Mit einem Gespenst im Hintergrund: Tata. Inzwischen ist die Fusion der Thyssenkrupp Steel Europe AG mit dem indischen Konzern Geschichte.

Geld muss her

Helmut Renk, TKSE-Betriebsratsvorsitzender, schlägt Alarm. China habe in der Corona-Pandemie unbeirrt weiterproduziert. Für sein Unternehmen gebe es zwar ein Strategiepapier 2030, man tue sich aber schwer damit. Renk: „Auf Dauer werden wir das nicht durchhalten, die Politik muss mit Geld helfen.“

Standort in Eichen sichern

Noch immer sei Kurzarbeit nötig, obwohl nicht mehr so intensiv wie vor ein paar Monaten. E-Autos würden nachgefragt, andere Fahrzeuge nicht so. Renk: „Wir sind autolastig.“ Sein Unternehmen profitiere momentan von leichten Zuwächsen in anderen Bereichen. Renk: „Die Belegschaft hat genug geblutet für die Fehler des Managements. Wir müssen den Standort mit seinen 1100 Beschäftigten weiter sichern. Es wäre eine Katastrophe, wenn hier nichts mehr gehen sollte.“
Schwere Zeiten sind bei den Deutschen Edelstahlwerken längst angebrochen. Seit Jahren versucht das Unternehmen, Wettbewerbsnachteile auszugleichen. Betriebsratsvorsitzender Michael Treske drückt es so aus: „Wir kämpfen auf einem Markt, wo es egal ist, wie ökologisch korrekt das Produkt hergestellt worden ist. Hauptsache billig, nur das ist wichtig.“

Abbau von Personal bis 2024

Ein massiver Personalabbau bis 2024 sei angekündigt mit 300 bis 400 wegfallenden Stellen in den vier Werken des Konzerns. Am Standort Geisweid verdienen aktuell 1154 Menschen ihren Lebensunterhalt, dazu kommen 400 Beschäftigte in Firmen auf dem Gelände, die unmittelbar dem Stahl zugeordnet sind. Treske: „Wir warten auf Hilfen aus Brüssel und Berlin.“
Für welchen Zweck wird die Staatsknete gebraucht? Die Klimaziele einhalten, den Kohleausstieg schaffen, aber mit Strom allein soll und kann der Siegerländer nicht produziert werden. Wasserstoff statt Kohle, das wird in der Zukunft unabdingbar sein. Und Strom aus erneuerbaren Energien. Jorgella: „Wir wollen weltweit den saubersten Stahl herstellen.“

Hilfe für Stahlunternehmen

Wasserstoff ja, aber die deutschen Unternehmen sind noch nicht so weit wie die Japaner. Sagt Jorgella. „Thyssenkrupp hat sich Gedanken gemacht, Salzgitter fängt an. Für die Kohle muss Ersatz her, sonst wird der Lebensnerv unserer Industrie hart getroffen.“ Die deutschen Stahlunternehmen bräuchten eine vernünftige Wasserstoffproduktion. Aktuell sehe er kein Unternehmen, das diese Aufgabe allein meistern könne. Fest an der Seite der Stadtproduzenten steht die SMS group GmbH mit 1900 Beschäftigten allein in Dahlbruch. „SMS steht wie eine Eins hinter der Stahlindustrie“, bekundet Betriebsratsvorsitzender Tobias Tigges seine Solidarität. Landrat Andreas Müller erinnerte an die erhebliche Bedeutung der Arbeitsplätze in der Stahlindustrie, mindestens drei weitere Jobs hingen an jedem Arbeitsplatz. Die Produktion müsse deutlich umweltverträglicher werden, Siegen-Wittgenstein sei da schon weiter als andere auf der Welt. Müller: „EU und Bund müssen die Weichen stellen, dem freien Spiel der Kräfte darf man das nicht überlassen.“

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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