Insektenfreundliches Kreuztal
Kindelsbergkommune blüht auf

Nicht nur mit dieser prächtigen Blumenwiese in Dreslers Park möchte die Stadt Kreuztal insektenfreundlicher werden. Das im Herbst beschlossene Konzept zur Verbesserung der Blühkultur trägt bereits erste Früchte.  Fotos: Jan Schäfer
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  • Nicht nur mit dieser prächtigen Blumenwiese in Dreslers Park möchte die Stadt Kreuztal insektenfreundlicher werden. Das im Herbst beschlossene Konzept zur Verbesserung der Blühkultur trägt bereits erste Früchte. Fotos: Jan Schäfer
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sz/js Kreuztal. Familienfreundlichkeit und Sportsgeist hat sie sich auf die Fahnen geschrieben, jetzt möchte sich die Kindelsbergkommune auch als insektenfreundliche Stadt erweisen. Der alarmierende Rückgang der Insekten veranlasste die Verwaltung dazu, ein entsprechendes Konzept zu entwickeln, das im Herbst 2018 politisch auf den Weg gebracht wurde. Ziel ist die Umwandlung bestehender städtischer Grünflächen in nachhaltiges Grün. Zur jüngsten Sitzung des Infrastruktur-, Umwelt- und Wirtschaftsförderungsausschusses legte die Verwaltung einen Bericht über die aktuellen Stand vor.

Die Umsetzung ungenutzter städtischer Grünflächen begann witterungsbedingt im Mai mit der Rodung des Verkehrsteilers auf der Marburger Straße Höhe Kaufland. Der Boden wurde gelockert und mit mehrjährigen Staudenmischpflanzen neu bepflanzt. Diese Blühpflanzen bieten für Insekten vom Frühjahr bis in den Herbst hinein ein umfangreiches Nahrungsangebot. Für die Überwinterung der Insekten erfolgt der Rückschnitt erst im kommenden Jahr vor dem Neuaustrieb.

Zwei Grundstücke in der Kirchwiese, eine Wiese am Kredenbacher „Elefantenklo“, eine Brachfläche auf dem ehemaligen Spielplatz zwischen Gold- und Blauregenweg in Ferndorf und eine Wiese am Littfelder Ahornweg wurden mit einer Mulchraupe mit Umkehrbodenfräse für die Aussaat vorbereitet. Die Flächen wurden vom Bewuchs befreit, anschließend wurde eine regionale Blumensaatmischung ausgestreut. Von Mai bis Oktober blühen dort heimische Gräser und Wildpflanzenblüten, die den Insekten viel Nahrung und einen wertvollen Lebensraum bieten.

„Die anhaltende Trockenheit nach der Aussaat im Frühjahr hat jedoch die Blühphase bedauerlicherweise um einige Wochen nach hinten im Jahr verschoben“, berichtet die Verwaltung. Zusätzlich zu den im Konzept aufgeführten ausgesuchten Flächen wurde ein Streifen auf dem Hanggelände entlang der Marburger Straße zwischen Rewe und Hauptkreuzung für einen Blühstreifen vorbereitet und die Blumensaatmischung ausgestreut.

Auch in Littfeld wurde auf Initiative des Heimatvereins Littfeld-Burgholdinghausen zusätzlich ein weiterer Blühstreifen auf einem städtischen Grundstück entlang der Bushaltestelle Bruchseifen angelegt.

Das im Konzept empfohlene ökologische Pflegemanagement werde umgesetzt, heißt es weiter. „Dort wo es möglich ist, teilen die Mitarbeiter des Baubetriebshofes den Straßenrand in einen Intensiv- und einen Extensivbereich ein.“ Im Intensivbereich wird aus Verkehrssicherungsgründen ein Mähstreifen von einem Meter Breite mehrfach im Jahr freigeschnitten. Der Extensivbereich wird nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht, in Böschungen in wechselnden Abschnitten.

Die Stabsstelle Liegenschaften und Tourismus hat die Pächter öffentlicher, d. h. städtischer landwirtschaftlich genutzter Flächen angeschrieben und sie auf ihre wichtige und nicht zu unterschätzende Rolle im Insektenschutz hingewiesen. Ziel ist, die Pächter für eine Zusammenarbeit mit der Stadt Kreuztal (Umweltberatung und Grundstücksmanagement) zur Förderung einer Wiederherstellung der Insektenvielfalt zu gewinnen. „Die Resonanz ist positiv, und es wird in der nahen Zukunft zu einer Gesprächsrunde eingeladen.“

Im Rahmen des Bauern- und Naturmarktes wurde von der städtischen Umweltberatung das Thema „vielfältiger Garten“ aufgegriffen. Es gab zahlreiche Informationen, wie aus öden, monotonen, vermeintlich pflegeleichten grauen Steinwüsten naturnahe und vielfältige Naturparadiese für Insekten geschaffen werden können. Interessierte Bürger konnten sich abgepackte Blütensamentütchen kostenlos mitnehmen und so einen kleinen Beitrag für Wohlfühloasen für Insekten in ihren Gärten leisten. Es wurden 200 Blütensamentüten an die Besucher ausgegeben. Von der AWo hergestellte, unterschiedliche Insektenhotels wurden vorgestellt und konnten erworben werden.

80 Prozent der bedrohten Wildbienen und viele andere Insekten sind Erdnister. Sie benötigen offene Bodenflächen mit spärlichem Bewuchs und punktuellen Steinstrukturen. Die Steinhaufen bieten auch Hummelvölkern ideale Schlupfwinkel. In Absprache mit den Stadtwerken wird am Hochbehälter in Kredenbach partiell die Bodenoberfläche gefräst und werden einzelne Stellen mit Steinen ausgelegt. Die restlichen Grünflächen werden nur einmal im Jahr gemäht. Am Hochbehälter in Eichen wird eine Schotterwiese für sonnenliebende Insekten und Kriechtiere angelegt. Baumstümpfe, die auf die Schotterfläche gelegt werden, bieten Unterschlupf und Nistmöglichkeiten für Insekten.

Arne Siebel (CDU) bezweifelte, dass die Insektenwiese an Hochbehältern sinnvoll sei. „Die Entlüftung der Anlagen ist schließlich mit einem erheblichen Aufwand verbunden.“ Bürgermeister Walter Kiß schwor die Ausschussmitglieder auf einen Schulterschluss ein. Es führe nämlich durchaus zu Beschwerden, wenn Grünflächen nicht stets gemäht würden. „Wir sollten alle gemeinsam das Konzept nach außen vertreten“, so Kiß. Die bislang im Rathaus eingegangenen Beschwerden seien ästhetischer Natur. „Bitte stehen Sie bei Kritik dazu, dass wir dies gemeinsam beschlossen haben.“

Nicht nur mit dieser prächtigen Blumenwiese in Dreslers Park möchte die Stadt Kreuztal insektenfreundlicher werden. Das im Herbst beschlossene Konzept zur Verbesserung der Blühkultur trägt bereits erste Früchte.  Fotos: Jan Schäfer
Wenn es in Kreuztal etwas länger wächst, ist das durchaus gewünscht – so wie hier an der B-508-Böschung in der Stadtmitte.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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