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Kreuztaler Hausarzt-Unmut
Kiß nimmt innovative Ideen mit Kusshand

„Gemeinsam für eine flächendeckende hausärztliche Versorgung in Kreuztal“ ist auf den Autos zu lesen, die den Familydocs von der Stadt zur Verfügung gestellt werden. Hausärzte aus Kreuztal und Dahlbruch monieren u. a., so werde der Eindruck „einer alleinigen Leistungsfähigkeit der Gemeinschaftspraxis erweckt“.
  • „Gemeinsam für eine flächendeckende hausärztliche Versorgung in Kreuztal“ ist auf den Autos zu lesen, die den Familydocs von der Stadt zur Verfügung gestellt werden. Hausärzte aus Kreuztal und Dahlbruch monieren u. a., so werde der Eindruck „einer alleinigen Leistungsfähigkeit der Gemeinschaftspraxis erweckt“.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Anja Bieler-Barth (Redakteurin)

sz/nja Kreuztal.  „Mit großer Verwunderung“ hat Kreuztals Bürgermeister Walter Kiß die kritischen Worte der neuen hausärztlichen Kooperationsgemeinschaft Kreuztal – oberes Ferndorftal – Dahlbruch“ zur Kenntnis genommen. Wie ausführlich berichtet, fühlen sich die darin vereinten Mediziner aus Kreuztal und Hilchenbach von der Kindelsbergkommune ungerecht behandelt. Stein des Anstoßes: Die kommunale Unterstützung der Gemeinschaftspraxis „Familydocs“. Kiß bezieht nun selbst schriftlich Stellung in einem Brief an die Ärzte, er wolle so „ein wenig mehr an Tatsachen und Fakten in die Angelegenheit“ einbringen, ist zu lesen.

sz/nja Kreuztal.  „Mit großer Verwunderung“ hat Kreuztals Bürgermeister Walter Kiß die kritischen Worte der neuen hausärztlichen Kooperationsgemeinschaft Kreuztal – oberes Ferndorftal – Dahlbruch“ zur Kenntnis genommen. Wie ausführlich berichtet, fühlen sich die darin vereinten Mediziner aus Kreuztal und Hilchenbach von der Kindelsbergkommune ungerecht behandelt. Stein des Anstoßes: Die kommunale Unterstützung der Gemeinschaftspraxis „Familydocs“. Kiß bezieht nun selbst schriftlich Stellung in einem Brief an die Ärzte, er wolle so „ein wenig mehr an Tatsachen und Fakten in die Angelegenheit“ einbringen, ist zu lesen.

Ärztemangel und Altersstruktur ein Problem

Ärztemangel und die Altersstruktur bereiteten Sorgen, ruft er in Erinnerung: „Gerade nach Praxisschließungen finden die betroffenen Patienten oftmals keinen neuen Hausarzt, da ihre Behandlung mit der Begründung abgelehnt wird, die Praxis verfüge nicht über entsprechend zusätzliche Kapazitäten.“ Verwaltung und Politik versuchten „entsprechend gegenzusteuern, obwohl die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung eigentlich Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und der beteiligten Ärzteschaft ist.“ Auch andernorts bestünden vergleichbare Probleme, Hausarztpraxen „im klassischen Stil zu einer nahtlosen Übernahme zu führen“. Diese Praxen spiegelten offensichtlich die „modernen Lebens- und Arbeitsmodelle“ junger Ärzte nicht wider. Es bestehe interkommunale Einigkeit darin, dass die KV bei ihren Bemühungen „im Interesse der Bevölkerung unterstützt werden muss“.

"Innovation und Nachhaltigkeit"

Dabei seien Konzepte von besonderem Interesse, „die aufgrund ihrer Innovation und Nachhaltigkeit“ die Ansprüche junger Mediziner berücksichtigen. Dies gelte vor allem dann, wenn eine solche Einschätzung als Grundlage für Subventionsentscheidungen von der KV ausdrücklich bestätigt werde: „Insbesondere der Altersdurchschnitt und das offensichtlich vergebliche Beharren an dem Wunsch der herkömmlichen Praxisübergabe sind nicht geeignet, entsprechendes Vertrauen aufzubauen.“ Innovative Ideen seien jederzeit willkommen gewesen und seien es noch immer, so Kiß ergänzend im SZ-Gespräch. Im Haupt- und Finanzausschuss, der die Unterstützung der „Familydocs“ unisono eingestielt hatte, habe es Nachfragen der Politiker gegeben, wie denn verfahren werde, sollten weitere Anträge aus der Ärzteschaft gestellt werden: Innovative Konzepte, so Kiß sinngemäß, würden weiterhin wohlwollend geprüft.

Kredenbacher Filiale seit Februar genehmigt

Zurück zu seinem offiziellen Schreiben: Mit der Entscheidung, ob in Kredenbach eine weitere Filiale der „Familydocs“ eröffnen werde, habe die Stadt nichts zu tun, stellt der Bürgermeister klar. Die KV hat die Genehmigung im Februar bereits erteilt.  Die Förderung der „Familydocs“ stellt laut Kiß auch keine Wettbewerbsverzerrung dar: Ein zu schützender Wettbewerb könne nur „unter gleichgelagerten Bedingungen stattfinden. Einen solchen Wettbewerb vermag ich bei dem größtenteils vergeblichen Festhalten an dem Wunsch, die herkömmlich geführte Praxis an einen sich nicht abzeichnenden Nachfolger zu übergeben, nicht zu erkennen.“ Es sei „jedem freigestellt, sich mit zielführenden Konzepten an dem gemeinsamen Bestreben, die hausärztliche Versorgung in Kreuztal auf das notwendige Maß zurückzuführen, zu beteiligen“.

Gesprächsangebot

Er freue sich, so Kiß an die Ärzte, „wenn auch Sie das Angebot zu weiteren Gesprächen über denkbare innovative Konzepte annehmen“. Soweit erforderlich, könne dann über eine entsprechende städtische Unterstützung gesprochen werden.  In ihrem Schreiben an die Stadt moniert die neue hausärztliche Kooperationsgemeinschaft zudem die „rechtlich problematische Übernahme der kompletten Behandlungsunterlagen der Buschhüttener Praxis, ohne den Versuch, den Praxisstandort aufrecht zu erhalten“. Rechtlich problematisch? Die SZ fragte nach.  Die Akten, so erklärte die Ärztekammer Westfalen-Lippe das generelle Prozedere, „sind Eigentum des Arztes“. Im Falle von Praxisübergaben und -abgaben dürfe der „neue“ Mediziner aber erst Einsicht nehmen, wenn der Patient dies auch erlaube.

"Patienakten-Übergabe war rechtens"

„Die Übergabe der Patientenakten wurde mit der KV und der Ärztekammer Westfalen-Lippe abgestimmt“, sagt Dr. Dr. Charles Adarkwah, mit Dr. Klaus Mertens  Inhaber  der „Familydocs“. Der Buschhüttener Hausarzt sei längere Zeit krank gewesen. Als sich im Frühjahr abzeichnete, dass dieser  nicht mehr in die Praxis zurückkehren werde, hätten die Arzthelferinnen schon vor Ort auf Wunsch die Akten an die Patienten ausgehändigt. Dr. Dan Simonetti und er hätten die Praxisabgabe und damit auch die Übernahme der Patientenkartei vertraglich geregelt. „Unsere eigene Familydoc-Kartei ist digital. Die Buschhüttener gibt es nur in Papierform – und wir bewahren beide getrennt voneinander auf.“ Stichwort freie Arztwahl: Wolle ein Patient nun nicht in der „Familydocs“-Praxis behandelt werden, könne er sich seine Unterlagen selbstverständlich abholen. Dieses gesamte Verfahren „erschien uns auch für die Patienten die beste und pragmatischste Lösung“, so Adarkwah. 
Eine Filiale im bevölkerungsreichen Stadtteil Buschhütten schließt er übrigens nicht kategorisch aus: Dafür bedürfe es aber eines Gesamtkonzepts, wobei das Stichwort „Barrierefreiheit“ ein gewichtiges sei.

CDU dankt Hausärzten für  Schritt an die Öffentlichkeit

Derweil hat sich die Kreuztaler Union an die hausärztliche Kooperationsgemeinschaft gewandt, die den Medizinern für ihren Schritt an die Öffentlichkeit dankt. Die Union erkennt in den Familydocs ein funktionierendes Netzwerk, ist aber der Meinung, dass die „Einzel- oder Gemeinschaftspraxen ebenso gut funktionieren und einen gesicherten Platz in der medizinischen Versorgung behalten sollen“. Die Entscheidung für die Familydocs-Förderung sei in der Tat einstimmig gewesen. Kritische Fragen und Anmerkungen der CDU „wurden immer mit den Worten ,alles abgestimmt, alles untereinander besprochen, nein, es sind keine Probleme mit den anderen Ärzten zu erwarten’ abgetan“. So habe die CDU durchaus angemerkt, dass die städtische Förderung „als gefährlich und eventuell auch marktverzerrend“ ansehe.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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