Kontakt zu den Jugendlichen suchen

nja Kreuztal. Von einer Videoüberwachung jener zumeist überdachten Bereiche im Kreuztaler Schulzentrum, die regelmäßig, sozusagen im Wochenendtakt, von jugendlichen Vandalen heimgesucht werden, erhofft sich der Kreuztaler Schulausschuss eine Verbesserung der Lage. Wie am Donnerstag bereits kurz berichtet, sprach sich das politische Gremium für eine entsprechende „Aufrüstung“ mit wohl mindestens fünf Kameras aus. Dass eine Überwachung in dieser Form nicht allein das Problem aus der Welt schaffen werde, war aber ebenfalls Tenor. Und so soll nun nach weiteren gegensteuernden Maßnahmen gesucht werden. Heike Siebel (SPD) brachte es auf den Punkt: „Menschliche Präsenz ist mindestens genauso wichtig!“

Vorausgegangen war dieser Empfehlung an den Haupt- und Finanzausschuss eine vielschichtige Debatte auf der Suche nach Alternativen zur „filmischen“ Überwachung. Anke Hoppe-Hoffmann (Grüne) wollte erst alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sehen: „Wenn man mit den Leuten sprechen will, widerspricht es sich, zuerst Kameras aufzuhängen.“ Doch seien die Zustände nicht hinnehmbar.

Herbert Hoß und Christian Scheerer, Leiter des Gymnasiums und der Gesamtschule, erstatteten Bericht über die Ausmaße der Verunreinigungen und Beschädigungen. „Bis Februar 2008 war es noch erträglich. Seit einem Jahr aber läuft es völlig aus dem Ruder“, sagte Hoß. Fast an jedem Wochenende, von Freitag auf Samstag sowie von Samstag auf Sonntag, träfen sich Jugendliche unter der Überdachung, hinterließen u. a. Scherben und Fäkalien und demolierten. „Wenn Polizei und Ordnungsamt Streife fahren, werden die Jugendlichen nie in flagranti erwischt. Und sie haben erfahren: Es passiert nichts“, wies Scheerer auf ein weiteres Problem hin. „Videoüberwachung ist sicherlich nicht der Stein der Weisen, aber wir sehen derzeit keine andere Möglichkeit.“

Dieter Loske, Leiter des Schulverwaltungsamts, betonte: Das städtische Ordnungsamt habe das Schulzentrum an den Wochenenden bereits zum Einsatzschwerpunkt erklärt. Würden Platzverweise ausgesprochen, zögen die Jugendlichen einfach an die nächste Stelle weiter oder kehrten gar nach einer Viertelstunde wieder zurück: „Die gleichen Personen an gleicher Stelle mit gleichem Verhalten.“ Videoüberwachung sei sicherlich ein Ausdruck von Hilflosigkeit, andererseits lägen aus anderen Städten durchaus positive Erfahrungen vor.

Arnfred Wittsieker (FDP) sorgte sich, auch die Videoanlage könne Ziel des Vandalismus werden, und Ursula Pohl (CDU) befürchtete, die Überwachung werde das Problem lediglich an andere Stelle verlagern. Sie regte an, Mitarbeiter der städtischen Jugendpflege könnten die Kollegen vom Ordnungsamt vielleicht auf deren Streife begleiten. Dabei fiel auch das Stichwort „Streetworker-Konzept“. Bernd Meichelböck (SPD) merkte an, die Mitarbeiter der Jugendpflege seien keine ausgebildeten Streetworker. Auch erinnerte er an die konzeptionelle Ausrichtung der städtischen Jugendarbeit: „Warum sind unsere Häuser am Wochenende zu?“Heike Siebel beantragte schließlich, dass sich nun auch die übrigen Fachausschüsse mit dem Problem befassen sollen, um geeignete Maßnahmen zu finden, wie dem Vandalismus (nicht nur) im Schulzentrum auch unabhängig von der Videoüberwachung, also mit zwischenmenschlichem Einsatz, begegnet werden kann.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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