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Buschhüttener Züchter wird der Prozess gemacht
Kranke Hundewelpen teuer verkauft

Die Hundezuchtanlage in Buschhütten wurde am 14. Dezember 2016 von Polizei und Staatsanwaltschaft durchsucht.
  • Die Hundezuchtanlage in Buschhütten wurde am 14. Dezember 2016 von Polizei und Staatsanwaltschaft durchsucht.
  • Foto: kalle (Archiv)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sz Buschhütten/Hagen. Ein Buschhüttener Hundezüchter, der Ende 2016 in die Schlagzeilen geraten war, muss sich jetzt gemeinsam mit Familienmitgliedern und weiteren Angeklagten vor einer großen Jugendstrafkammer des Landgerichts Hagen wegen gewerbsmäßigen Betrugs beim Verkauf von Hundewelpen verantworten.
Kranke Hunde verkauftDie Angeklagten sollen zwischen 2010 und 2015 in 70 Fällen aus dem Ausland, insbesondere aus Polen, Tschechien oder Ungarn stammende Hundewelpen als aus deutscher Zucht stammend verkauft haben. Im Zentrum des Verfahrens steht dabei ein Zuchtbetrieb aus Buschhütten.
Teilweise sollen die überteuert verkauften Hunde krank gewesen sein. Es sollen Welpen an Käufer aus ganz Deutschland zu Preisen zwischen 250 und 1200 Euro verkauft worden sein.

sz Buschhütten/Hagen. Ein Buschhüttener Hundezüchter, der Ende 2016 in die Schlagzeilen geraten war, muss sich jetzt gemeinsam mit Familienmitgliedern und weiteren Angeklagten vor einer großen Jugendstrafkammer des Landgerichts Hagen wegen gewerbsmäßigen Betrugs beim Verkauf von Hundewelpen verantworten.

Kranke Hunde verkauft

Die Angeklagten sollen zwischen 2010 und 2015 in 70 Fällen aus dem Ausland, insbesondere aus Polen, Tschechien oder Ungarn stammende Hundewelpen als aus deutscher Zucht stammend verkauft haben. Im Zentrum des Verfahrens steht dabei ein Zuchtbetrieb aus Buschhütten.
Teilweise sollen die überteuert verkauften Hunde krank gewesen sein. Es sollen Welpen an Käufer aus ganz Deutschland zu Preisen zwischen 250 und 1200 Euro verkauft worden sein. Insgesamt sollen die Angeklagten hierdurch gut 55 000 Euro an Einnahmen erzielt haben.

Mitglieder einer Betrugsbande

Der Angeklagte Karl F. (69) aus Buschhütten soll am Verkauf von 55 Welpen, seine Ehefrau Sabine J. (56) als offizielle Betreiberin der Zucht am Verkauf von 46 Welpen, ihre gemeinsame Tochter Victoria F. (26) am Verkauf von 27 Welpen und ihr gemeinsamer Sohn Michael F. (32) am Verkauf eines Welpen und dessen damalige Lebensgefährtin Elisabeth N. (30) am Verkauf von sieben Welpen beteiligt gewesen sein. Sie sollen gewerbsmäßig und als Mitglieder einer Betrugsbande gehandelt haben, wobei den einzelnen Angeklagten zu verschiedenen Taten teilweise Mittäterschaft und teilweise nur Beihilfe vorgeworfen wird.
Die Hunde sollen überwiegend aus Polen stammen und dabei mindestens teilweise über einen Hagener Komplizen (47) bezogen worden sein. Diesem wird selbst ein betrügerischer Verkauf von Hundewelpen in sieben Fällen – teils mit hier nicht angeklagten Mittätern – vorgeworfen. Eine weitere, 64 Jahre alte Angeklagte aus Mömbris soll als Vermittlerin von Hunden in 19 Fällen am betrügerischen Verkauf von Hundewelpen beteiligt gewesen sein, wobei sie die Hunde teils direkt von dem Hagener und teils von Karl F. bezogen haben soll.

Schmerzen oder Leid zugefügt

Aufgrund der Haltungsbedingungen der Hunde, die bei einer Durchsuchung des Hofes am 14. Dezember 2016 in Buschhütten zutage traten, wird Karl F. und Sabine J. in 25 Fällen sowie Michael F. in 17 Fällen zudem vorgeworfen, einem Wirbeltier länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zugefügt zu haben. 101 Hunde sollen insgesamt betroffen gewesen sein, wobei nicht in allen Fällen von Straftaten auszugehen ist. Den Angeklagten wird als schwerste Straftat jeweils gewerbsmäßiger Bandenbetrug vorgeworfen.
Hierfür ist nach dem Gesetz in der Regel eine Freiheitsstrafe von einem bis zehn Jahren vorgesehen. Karl F. soll im Jahr 2016 bereits wegen Betruges verurteilt worden sein. Die anderen Angeklagten sind nicht vorbestraft. Sie alle befinden sich auf freiem Fuß. Das Verfahren wird insgesamt vor einer Jugendkammer geführt, da die heute 26-jährige Mitangeklagte Victoria F. bei einem Teil der ihr vorgeworfenen Taten noch nicht 21 Jahre alt war.

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Hauptverhandlung wird geplant

In einem nächsten Schritt soll die anstehende umfangreiche Hauptverhandlung entsprechend den Vorgaben der Strafprozessordnung für Großverfahren geplant werden. Termine für die Durchführung der Hauptverhandlung sind noch nicht anberaumt, da die Staatsanwaltschaft Hagen noch ein Rechtsmittel einlegen kann, soweit das Gericht die Anklage nicht zugelassen hat.
Der nunmehr getroffenen Entscheidung ist eine aufwändige Prüfung der erhobenen Anklage vorausgegangen, in deren Zuge auf Antrag eines Angeklagten auch ein Sachverständigengutachten zum jeweiligen Wert der in Rede stehenden Hundewelpen eingeholt wurde. Neben den 70 zugelassenen Fällen führt die Anklageschrift weitere 31 Fälle an, deren Zulassung das Gericht auf der Grundlage der ihm vorgelegten Ermittlungsergebnisse und des Sachverständigengutachtens abgelehnt hat. Hier wäre es offenbar zu schwierig gewesen, Beweise zu finden.

Tierärztin soll mitgemacht haben

Das Landgericht hat in diesem Zusammenhang die Zulassung der Anklage gegen eine 52-jährige Tierärztin abgelehnt, die offizielle Mitbetreiberin der Zucht in Buschhütten gewesen und in den meisten Fällen als Bandenmitglied an den Taten beteiligt gewesen sein soll.
Das Gericht geht davon aus, dass die Tierärztin zwar offizielle Mitbetreiberin der Zucht war, jedoch nicht zum Kreis der Täter gehörte, sondern selbst von den anderen Angeklagten über deren betrügerisches Vorgehen getäuscht wurde.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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