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Höhere Kosten, mehr Aufwand
Landwirte kämpfen mit der Trockenheit

Noch reicht das Futter für seine Rinder – aber nur weil Landwirt Jens Menn es aus Bayern zugekauft hat.
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  • Noch reicht das Futter für seine Rinder – aber nur weil Landwirt Jens Menn es aus Bayern zugekauft hat.
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sp Osthelden/Oberndorf. Armin Küthe steigt aus seinem Wagen, seine zwei Hunde folgen ihm. Die Schafe auf der Ostheldener Wiese beginnen zu blöken, sie haben ihren Schäfer längst erkannt – und der sieht erst einmal nach dem Rechten. Zwischen grünen Grasbüscheln ist ein kleiner weißer Fleck zu erkennen. Küthe geht hin, stupst mit seinem Stock vorsichtig dagegen. Ein kleines Lämmchen richtet sich auf, er nimmt es auf seinen Arm. „Das ist diese Nacht geboren.“Normalerweise würde er das Kleine gemeinsam mit seiner Mutter mit nach Meiswinkel nehmen, wo es in einem geschützten Stall aufwachsen würde. Das aber ist zurzeit nicht nötig: Obwohl November ist, sind die Temperaturen – auch in der Nacht – für die Schafe gut auszuhalten, „draußen geht es denen grundsätzlich immer besser“.

sp Osthelden/Oberndorf. Armin Küthe steigt aus seinem Wagen, seine zwei Hunde folgen ihm. Die Schafe auf der Ostheldener Wiese beginnen zu blöken, sie haben ihren Schäfer längst erkannt – und der sieht erst einmal nach dem Rechten. Zwischen grünen Grasbüscheln ist ein kleiner weißer Fleck zu erkennen. Küthe geht hin, stupst mit seinem Stock vorsichtig dagegen. Ein kleines Lämmchen richtet sich auf, er nimmt es auf seinen Arm. „Das ist diese Nacht geboren.“Normalerweise würde er das Kleine gemeinsam mit seiner Mutter mit nach Meiswinkel nehmen, wo es in einem geschützten Stall aufwachsen würde. Das aber ist zurzeit nicht nötig: Obwohl November ist, sind die Temperaturen – auch in der Nacht – für die Schafe gut auszuhalten, „draußen geht es denen grundsätzlich immer besser“. Erst Mitte Januar kommen die rund 300 Schafe für etwa zwei Monate in den Stall, um so vor Kälte, Schnee und Eis geschützt zu sein. „Seit 30 Jahren hüten wir, sie kamen immer Ende Dezember in den Stall. Das hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert, letztes Jahr hätten wir ganz draußen bleiben können.“

Herde wegen Trockenheit reduziert

Geändert hat sich wegen des Klimas auch die Anzahl der Tiere. „Wir haben bedingt durch die Trockenheit in den vergangenen Jahren die Herde reduziert.“ Jetzt sind es 300 statt 500 Schafe. Futter war und ist rar – und dementsprechend teuer. „Dieses Jahr war das schlimmste.“ Im Frühjahr war es lange trocken, „da wurde es dramatisch“. Dass es im Juli geregnet hat, „das war gut für uns, weil das Wachstum noch mal angeregt wurde.“ Gut auch für die Trupbacher Heide, die Sommerweide der Schafe. Es sei eine magere Fläche, erklärt Küthe, für die Regen besonders wichtig sei. Die Trockenheit erhöht den Arbeitsaufwand des Landwirts. An heißen Tagen musste Küthe mehrmals täglich seine Schafe mit Wasser versorgen.Am Ende des Sommers führt er seine Herde auf Wiesen und Felder, die für die genügsamen Schafe noch Futter bieten, von Landwirten allerdings kaum noch bearbeitet oder gemäht werden. Früher konnte er die Schafe auf einer Wiese eine zeitlang eingezäunt stehen lassen. Jetzt muss er schneller weiterziehen, weil die Flächen insgesamt weniger hergeben, schnell abgefressen sind. „Dieses Jahr war das extrem.“
Auch wenn der Aufwand hoch ist, die Haltung unter freiem Himmel ist günstiger. Solange wie möglich versucht der Schäfer, dass die Tiere draußen bleiben – das ist eben wegen der milden Temperaturen möglich. „Die letzten Jahre haben gezeigt, dass wir an unsere Grenzen kommen. Im ersten Jahr haben wir noch Futter zugekauft, das ist wirtschaftlich gar nicht zu verantworten.“ Wenn die Tiere im Winter im Stall gehalten werden, bekommen sie Silage (durch Milchsäuregärung konserviertes Futtermittel). In 100 Stalltagen fressen die Schafe etwa 350 Ballen, der Preis pro Ballen beträgt 90 Euro: „Das ist doppelt so teuer wie sonst.“ Als Bio-Betrieb will und muss Küthe auf Bio-Futter zurückgreifen – auch wenn es aufgrund der Dürre eine Sondergenehmigung gibt, die das Füttern mit konventionellem Futter möglich macht. „Man muss nachweisen, dass kein Bio-Futter zu bekommen ist.“

Ein Dürrejahr nach dem anderen

Von der Sondergenehmigung weiß auch Jens Menn aus dem Hilchenbacher Ortsteil Oberndorf. Noch hat er von ihr keinen Gebrauch gemacht. Er besitzt Rinder, deren Fleisch er zum Teil selbst vermarktet, und „Pensions-Rinder“, die er großzieht. Insgesamt sind es an die 80 Tiere. Der Oberndorfer begann 2017 mit dem Mast- und Aufzuchtbetrieb nach Bio-Richtlinien. Dann folgte ein Dürrejahr nach dem nächsten, mit zu hohen Temperaturen und zu wenig Regen. Ob er mit den Erträgen seiner eigenen und gepachteten Wiesenflächen auskommen würde? Das weiß er nicht. Im Winter musste er bislang immer Futter zukaufen. „Im August haben wir auf der Wiese zugefüttert, weil alles vertrocknet war, nach drei Wochen kam der Regen. Das waren die ersten Wintervorräte.“ Das Bio-Futter, das er kauft, kommt aus Bayern. Der Transport schlägt ordentlich zu Buche. „So teuer wie dieses Jahr haben wir noch nie gekauft.“ Menn berichtet, dass die Konkurrenz um Flächen steigt, die Pachtpreise steigen und „seit letztem Jahr lässt keiner mehr die Ballen auf der Wiese stehen“ – es habe Diebstähle gegeben.
Als hauptberuflicher Betriebshelfer bekommt er die Situation auf anderen Höfen mit, dort sieht es nicht anders aus. Menn kennt Bauern, die ihre Viehhaltung bereits aufgeben mussten.

Noch reicht das Futter für seine Rinder – aber nur weil Landwirt Jens Menn es aus Bayern zugekauft hat.
Zu dieser Jahreszeit lohnt es sich für die Landwirte kaum noch, die Wiesen zu mähen. Die Schafe von Armin Küthe sind allerdings genügsam: Sie freuen sich über das, was noch da ist.
Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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