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"Drifter" verwechseln Grünland mit Rennpiste
Landwirte klagen über „Allrad-Terror“

Thorsten Junge und Andrea Zimmermann vom Eichenhof in Eichen sind total verärgert: Drifter haben sich auf ihrem Grünland umgetan und die Wiesen umgepflügt. Gebrauchtwagenverkäufer nutzen die Kulisse, um sich auf Verkaufsportalen vorteilhaft in Szene zu setzen.
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  • Thorsten Junge und Andrea Zimmermann vom Eichenhof in Eichen sind total verärgert: Drifter haben sich auf ihrem Grünland umgetan und die Wiesen umgepflügt. Gebrauchtwagenverkäufer nutzen die Kulisse, um sich auf Verkaufsportalen vorteilhaft in Szene zu setzen.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

nja Eichen. „Früher gab es ein unausgesprochenes Betretungsverbot für landwirtschaftliche Flächen. Da erklärten die Eltern ihren Kindern, dass man nicht einfach überall querfeldein laufen kann.“ Andrea Zimmermann und ihr Mann Thorsten Junge sind Landwirte, Eltern und Hundebesitzerin aus Leidenschaft und haben für vieles Verständnis. Dass aber Grünland, auf dem das Gras für ihre rund 90 Rinder wächst – also Futter –, regelmäßig von Trampelpfaden und verdauten Hundehinterlassenschaften durchzogen ist, macht sie ratlos und wütend.
Damit nicht genug: Immer wieder verwechseln motorisierte Zeitgenossen ihre Weideflächen mit Rennpisten. Kreisrunde Reifenspuren zeugen von sogenannten Donut-Kreationen, immer wieder fahren sich Autos fest.

nja Eichen. „Früher gab es ein unausgesprochenes Betretungsverbot für landwirtschaftliche Flächen. Da erklärten die Eltern ihren Kindern, dass man nicht einfach überall querfeldein laufen kann.“ Andrea Zimmermann und ihr Mann Thorsten Junge sind Landwirte, Eltern und Hundebesitzerin aus Leidenschaft und haben für vieles Verständnis. Dass aber Grünland, auf dem das Gras für ihre rund 90 Rinder wächst – also Futter –, regelmäßig von Trampelpfaden und verdauten Hundehinterlassenschaften durchzogen ist, macht sie ratlos und wütend.
Damit nicht genug: Immer wieder verwechseln motorisierte Zeitgenossen ihre Weideflächen mit Rennpisten. Kreisrunde Reifenspuren zeugen von sogenannten Donut-Kreationen, immer wieder fahren sich Autos fest.

"Allrad-Terrorismus" auf dem Grünland der Landwirte

Junge spricht von „Allrad-Terrorismus“: Das alles ist kein Dummejungenstreich, sondern Sachbeschädigung, so die Inhaber des Eichenhofs. In Baden-Württemberg gibt es ein Betretungsverbot von März bis Oktober.  In der Krombacher Rahlsbach zeigen sie eine rund 20 Meter lange Schneise, wo ein „Donut“ offenbar gebacken werden sollte, bevor die Räder sich tief ins Erdreich festgebohrt hatten. Ich hab auch schon Fahrzeuge rausgezogen, die von allein nicht mehr vom Fleck kamen – oder alles zu Brei gefahren hätten.“
Nun entdeckten auch Gebrauchtwagenverkäufer das Grünland. Immer wieder würden Pkw dort fotografisch in Szene gesetzt. „Für Verkaufsportale. Schön im Grünen stehend, vor dem Sonnenuntergang. Das sind, jeder Fall für sich, vielleicht Bagatellschäden – aber es läppert sich“, sagt Junge, der anschließend das Gelände tief fräsen, den Boden wieder einebnen und einsäen muss.
In Zeiten der Corona-Pandemie haben diese Probleme sogar noch zugenommen: Thorsten Junge spricht von einem „Freizeitdruck“, einmal hat er sogar ein Wohnmobil der Weide verweisen müssen.

Hundebesitzer sind beim Thema Kot uneinsichtig

Mit Hundebesitzern das Thema Kot zu besprechen, bereitet auch wenig Freude. „Ihr fahrt doch selber Scheiße aus“, werde ihm dann vorgeworfen.
Abgesehen davon, dass die Eichenhof-Landwirte hauptsächlich Festmist aufbringen und nur ganz wenig Gülle, stimmt das „Bild“ nicht: „Anders als Hunde sind Rinder nun mal keine Fleischfresser“, ruft Andrea Zimmermann in Erinnerung. Fiffis Hinterlassenschaft kann in Silage und Heu zu ernsthaften Gesundheitsgefährdungen bei den Rindern führen.
„Wir leben vom Ertrag unserer Wiesen und Weiden. Extensiv bewirtschaftetes Grünland dient der regionalen Lebensmittelerzeugung, senkt den CO2-Wert und spielt für den Klima- und Artenschutz eine wichtige Rolle. Wir versuchen alles, damit wir das schaffen! Wir vermarkten unser Fleisch nur direkt vor Ort. Das ist doch das gewünschte Idealbild im Gegensatz zur konzerngetriebenen Agrarindustrie!“ Respekt vor dem Eigentum wäre da schon angemessen!

Naturschutzwacht eine Lösung?

In Baden-Württemberg z. B. gelte von März bis Oktober ein über das Naturschutzgesetz geregeltes Betretungsverbot für landwirtschaftliche Flächen. In Rheinland-Pfalz sieht die gesetzliche Regelung vor, dass das Betreten der freien Landschaft auf Straßen und Wegen sowie auf „ungenutzten Grundflächen“ zum Zwecke der Erholung grundsätzlich gestattet ist. Wiesen, die als Weide oder zur Gewinnung von Heu genutzt werden. Und auch abgeerntete Ackerflächen werden aber genutzt.
„In NRW gibt es nur eine schwammige Formulierung, dass es kein Betretungsrecht gibt. Das ist aber kein ausdrückliches Verbot“, sagen die Eichenhof-Landwirte, die zum einen auf den gesunden Menschenverstand und Sensibilisierung setzen, sich andererseits von der Politik aber auch verlässliche Rahmenbedingungen wünschen. Im NRW-Naturschutzgesetz lese er von einer „Naturschutzwacht“, sagt Junge. Ob deren Einsatz helfen könnte?

"Dieses Gelände gehört jemandem!"

„Man muss den Leuten klar machen: Dieses Gelände gehört jemandem!“ Diesen Gedanken äußert FDP-Kreistagsmitglied Guido Müller, den die Eichenhof-Landwirte neben dem Kreuztaler Grünen-Ratsmitglied Dieter Gebauer um Rat gebeten haben. Beide planen nun, das Thema in ihre jeweiligen politischen Gremien zu tragen. „Grünland ist keine Wiese – es ist eine Ressource, die erhalten werden muss“, sagt Thorsten Junge und fügt appellierend hinzu: „Nicht alles, was man machen kann, muss man auch tun! Wir können nicht Tag und Nacht Patrouille laufen, um unser Eigentum zu schützen.“ Zäune nicht nur um Weidefläche, sondern auch um das Grünland: Das wolle niemand – und sei keine Alternative.
Nachtrag: Auch der Schützenverein Berghausen wurde kurz vor Jahresende Opfer von Driftern, die auf der Wiese ihre Runden drehten. „Wir müssen die Wiese aufarbeiten und neu einsäen“, sagt Vorsitzender Thomas Knebel am SZ-Telefon. Und es wird weiter investiert: Per Schranke oder Poller soll verhindert werden, dass sich diese ärgerliche Art des Vandalismus wiederholt.

Thorsten Junge und Andrea Zimmermann vom Eichenhof in Eichen sind total verärgert: Drifter haben sich auf ihrem Grünland umgetan und die Wiesen umgepflügt. Gebrauchtwagenverkäufer nutzen die Kulisse, um sich auf Verkaufsportalen vorteilhaft in Szene zu setzen.
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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