Lebenstraum soll endlich in Erfüllung gehen

Peter und Ilona Münker aus Krombach reisen im Sommer vier Wochen lang mit ihrer neuen Pferdekutsche in die Bundeshauptstadt

nja Krombach. Wahre Lebensträume sollten reifen, bis die Sehnsucht nach ihrer Erfüllung kaum noch zu überbieten ist, die Realisierung aber noch in vollen Zügen genossen werden kann. Für Peter Münker aus Krombach scheint der ideale Zeitpunkt gekommen zu sein, sich einen seiner größten Lebenswünsche selbst zu erfüllen. Und so wird er im Sommer gemeinsam mit seiner Ehefrau Ilona nach Berlin reisen. Die rund 600 Kilometer gedenkt das Krombacher Paar aber nicht etwa im Auto, Zug oder Flieger zurückzulegen. Nein, ein »Zigeunerwagen«, gezogen von ihren beiden Kaltblutpferden Hanna und Henriette, wird als fahrbarer Untersatz dienen. Er wird seit knapp zwei Jahren von Handwerkern in Polen gebaut.

Mit Pferden durchs Brandenburger Tor

»Einmal im Leben von Kaltblutpferden gezogen durch das Brandenburger Tor rollen – das wünscht sich mein Mann schon sein Leben lang«, erzählt Ilona Münker. Ihr Steuerberater war es schlussendlich, der den Stein bzw. Wagen ins Rollen brachte. Während eines Urlaubs in England besuchte er ein Dampfmaschinen-Festival, wo auch kunstvoll gefertigte Wagen von Sinti und Roma zu sehen waren. Wohl wissend, wem ein solches Gefährt gefallen würde, lichtete er das Vehikel mit seiner Kamera ab und rief mit den Bildern bei seinem Krombacher Bekannten Begeisterungsausbrüche hervor. »Es war Liebe auf den ersten Blick«, erinnert sich Ilona Münker, auf die der Funke der Begeisterung ebenfalls übergesprungen war.

Original-Kutsche wird nachgebaut

Einen ihrer nächsten Urlaube verbrachten Münkers, zu diesem Zeitpunkt bereits stolze Besitzer von Hanna und Henriette, sodann ebenfalls auf der »Insel«– und zwar genau zum Zeitpunkt des Wagen-Festivals. »Schon vom Parkplatz aus hatte mein Mann sofort die Traumkutsche erspäht. Er war nicht mehr zu bremsen und fragte den Besitzer sogleich ,Wie viel moneys willst Du haben'«, erinnert sich Ilona Münker lachend. Ihr Dilemma: Der wunderschön verarbeitete und stilvoll möblierte Oldtimer war nicht verkäuflich.

Ein ganzes Album füllte Peter Münker mit Fotos von der Kutsche. Auch wurde sie genau ausgemessen, denn nun stand fest: Wenn der Wagen nicht im Original zu kaufen war, dann musste eine Nachbildung angefertigt werden. Nahe Haiger fanden Münkers einen polnischen Experten, der die Kutsche in seiner Heimat nun den individuellen Wünschen entsprechend nachbauen lässt. Zeitgleich drückten die »Mit- bzw. Endfünfziger« Ilona und Peter Münker noch einmal die »Schulbank«, erstanden bei Dillenburg ihren Kutschenführerschein und lernten auch noch Reiten.

Kutsche wird noch im Januar geliefert

Nun harren Münkers also der Ankunft ihrer Kutsche, die noch in diesem Monat erwartet wird und zünftig gefeiert werden soll. Vier Wochen lang wollen sie mit ihr ab dem 19. Juni die Bundeshauptstadt ansteuern. Die Inneneinrichtung ihres Unikats sieht u.a. eine kleine Kochnische, eine Nasszelle mit Dusche und WC und natürlich ein Bett vor. Außen am Wagen ist ein Holzkäfig angebaut. »Da kommen die Hühner rein«, erzählt Ilona Münker. »Schließlich wollen wir doch morgens ein Ei auf dem Tisch haben.«

Hündin »Mohr« per pedes mit dabei

Mit von der Partie sein wird auch Hündin »Mohr«, die sich allerdings weigert, auf der Kutsche mitzufahren. »Sie läuft immer begeistert unter dem Wagen mit.« Diese Erfahrung haben Münkers schon häufig gemacht, wenn sie mit ihrer Wagonette unterwegs sind. Für die Berlinreise soll unter der neuen Kutsche daher ein »Rastplatz« für Mohr installiert werden.

Petition für Bundeskanzler im Gepäck

Die Route 'gen Berlin wird über Nebenstrecken und u.a. vorbei an Schmallenberg, Marsberg, Halberstadt, Magdeburg und Potsdam führen. Je nach Topographie wollen Münkers zwischen 20 und 30 km am Tag zurück legen. In Pferde-Fachzeitschriften wird ihr Vorhaben nun angekündigt. »Wir hoffen«, so Ilona Münker, »dass Pferdefreunde uns unterwegs Weideflächen zur Verfügung stellen.« Das Brandenburger Tor wird am 17. Juli passiert. Anschließend geht es weiter zum Bundeskanzleramt. »Dort geben wir für den Siegener Verein ,Handeln statt Misshandeln' eine Petition ab«, so Ilona Münker, die einen mobilen Pflegedienst leitet. »Wir wollen aufmerksam machen auf Missstände in der Pflege – sowohl ambulant als auch stationär.« Auf ihrer Tour nach Berlin wollen Münkers weitere Unterschriften sammeln.

Fitness-Programm für Mensch und Tier

Die Vorfreude auf das traumhafte Sommer-Abenteuer steigt, und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Für Hanna und Henriette sieht das Fitness-Programm derzeit in erster Linie Muskelaufbau vor. Vor kurzem erst hat Familie Münker (samt vier Enkelkindern) mit ihrer Wagonette in vier Tagen 140km Mittelgebirgslandschaft durchquert.

Doch auch Peter Münker (60) und Co-Pilotin Ilona (57) werden sich wohl noch körperlich auf ihren Nostalgie-Trip vorbereiten müssen. 28 Tage auf dem Kutschbock – das wird für Rücken samt seiner »Verlängerung« wahrscheinlich kein Zuckerschlecken. Und es wäre doch tragisch, wenn die Erfüllung eines Lebenstraums von albtraumhaften Schmerzen begleitet würde.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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