Keine politische Mehrheit
Lehrschwimmbecken ging baden

Gut 40 Jahre ist es her: Im Januar 1979 demonstrierten Schüler für den Bau eines Kreuztaler Hallenbads. In der Ratssitzung trug die SPD-Mehrheit das Projekt damals mit Blick auf die Bau- und Folgekosten zu Grabe.  Foto: SZ-Archiv
  • Gut 40 Jahre ist es her: Im Januar 1979 demonstrierten Schüler für den Bau eines Kreuztaler Hallenbads. In der Ratssitzung trug die SPD-Mehrheit das Projekt damals mit Blick auf die Bau- und Folgekosten zu Grabe. Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Anja Bieler-Barth (Redakteurin)

nja Kreuztal. 40 Jahre ist es her, dass sich die Stadt Kreuztal von dem Gedanken verabschiedete, ein eigenes Hallenbad zu bauen. Im Januar 1979 erteilte die SPD-Mehrheit im Rat dem Großprojekt eine Absage. Noch Jahre später zeugte ein Schriftzug an der jungen Dreifachturnhalle davon, dass einmal geplant war, den Kreuztalern nebenan überdachten, beheizten Badespaß zu ermöglichen. In der vergangenen Woche nun ging – das Wortspiel mag erlaubt sein – auch ein CDU-Antrag „baden“, die Möglichkeit zu überprüfen, ob im Schulzentrum ein 16 mal 8 Meter großes bzw. kleines, schulbedarfsorientiertes Lehrschwimmbecken errichtet werden kann. Die Kosten sollten ermittelt und Fördermöglichkeiten ausgelotet werden. Nur Union und FDP votierten, wie am Freitag kurz vermeldet, dafür; ausgiebig war zuvor kontrovers diskutiert worden.

„Es geht hier nicht um den Bau eines Spaßbads oder eines Hallenbads für den öffentlichen Betrieb, sondern um ein reines Lehrschwimmbecken“, rief Philipp Krause (CDU) auch mit Blick auf Nichtschwimmerquoten, zum Schwimmunterricht nötige Busfahrten, Hallenmieten und geringe Wasserzeiten die Zielrichtung des Antrags in Erinnerung. Im Schulzentrum – die Grundschule An Dreslers Park mit eingerechnet – gebe es rund 2000 Schüler. Der Antrag beschäftige sich nicht mit Traumschlössern, eine Kosten-Nutzen-Analyse sei aber durchaus des Nachdenkens wert: „Wir streben doch eh bauliche Veränderungen im Schulzentrum an.“ Vergleichbare Becken, die in jüngster Vergangenheit gebaut worden seien, hätten 3 bis 4 Mill. Euro gekostet, hatte die Union im Antrag zur Kenntnis gegeben.

Bürgermeister Walter Kiß (SPD) wies darauf hin, das der Schwimmunterricht im Primarbereich anstehe, Jochen Schreiber (SPD) sagte direkt nein zu dem Antrag: Für die Problembewältigung – Stichwort Nichtschwimmerquote – sei ein solches Becken nicht zielführend. Ihm liege die „Wassersicherheit“ sehr am Herzen, aber die Basis müsse im Elternhaus gelegt werden. „Mit 30 Kindern in einem Lehrschwimmbecken“ sei das Problem, das u. a. auch mit „kulturellen Distanzen zum Wasser“ zusammenhänge, nicht lösbar, so der Lehrer im Ruhestand. Auch sehe er im Schulzentrum keinen Platz für solch ein Becken.

Harald Görnig (CDU) brachte die Grünfläche im Schulzentrum Richtung Bundesstraße ins Spiel. Auch könne der Parkplatz an der Dreifachturnhalle „anders strukturiert“ werden. Und, so ergänzte er: Von Physiotherapeuten habe er vernommen, dass es jetzt schon schwierig sei, Schwimmzeiten in Hallenbädern zu bekommen. Wenn in Siegen eines aus der Bäderlandschaft verschwinde, werde dies nicht einfacher. Mit einem Lehrschwimmbecken könne Kreuztal Kapazitäten auch für solche Nutzungen schaffen. „Aber es gibt ja Fraktionen, die bohren lieber Brunnen“, spielte er Richtung SPD auf die erfolglosen Bemühungen an, den Kredenbacher Ochsenweiher über Wasser zu halten. Görnig: „Wir haben schon Seltsameres geprüft. Wenn die Zahlen vorliegen, können wir dann entscheiden.“

Der Prügantrag sei „nicht verwerflich“, meinte Frank-Wieland Frisch (FDP), der ihn schließlich auch unterstützte. Frisch gab zudem ein „klares Bekenntnis zum Warmwasserfreibad Buschhütten“ ab. Es sei zu überlegen, ob es dort Möglichkeiten zum Schulschwimmen geben könnte, so Frisch sinngemäß.

Dieter Gebauer und Simone Farr (Grüne) lenkten den Blick in Richtung Unterhaltungskosten; von jährlich rund 500 000 Euro war die Rede. Farr regte an, über Sommer- und Intensivkurse nachzudenken. 28 bis 30 Kinder in einem kleinen Lehrbecken – das sei schlecht vorstellbar. „20 Kilometer weit weg funktioniert es mit 30 Kindern sogar in einem kleineren Becken“, berichtete Lehrer Krause.

„Die Eltern sind gefragt“, lautete das Credo von Reinhard Lange (UWG), der zudem befürchtete, mit dem Bau eines neuen Beckens grabe Kreuztal „Dahlbruch das Wasser ab“. Er fand die alternative Idee von Schwimmkursen in den Ferien überdenkenswert.

CDU-Fraktionschef Arne Siebel warb nochmals für den Antrag; „Wir wollen einen Denkprozess darüber ob und wenn ja wo ein solches Becken sinnvoll sein könnte.“ Es sollten doch nicht nur Ideen angestoßen werden, die aus dem Rathaus kämen, kritisierte er: „Das wollen wir abstellen!“ Und: „Wir wollen in die Zukunft denken!“

Benjamin Fuhr (CDU) zeigte sich „erstaunt über die Fantasielosigkeit“ im Ausschuss: „Habt doch mal Mut!“

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.