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Als Frau in einem "Männerberuf"
Lippenstift und Motoröl

Annika Hackler liebt ihren Beruf: Sie ist Meisterin im Kfz-Handwerk, beweist sich täglich – und muss doch auch immer wieder gegen verschiedene Vorurteile kämpfen.
  • Annika Hackler liebt ihren Beruf: Sie ist Meisterin im Kfz-Handwerk, beweist sich täglich – und muss doch auch immer wieder gegen verschiedene Vorurteile kämpfen.
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nja Buschhütten Olpe. „Ich möchte mit dem Meister sprechen.“ „Das tun Sie.“ „Ich möchte aber mit jemandem reden, der Ahnung hat.“ Dialoge wie dieser sind für Annika Hackler keine Seltenheit. Die 24-Jährige ist mit Herz und Seele Kfz-Mechatronikerin, hat nach ihrer dreieinhalbjährigen Ausbildung noch den Meistertitel erlangt – offiziell ist sie nun „Bachelor Professional im Kraftfahrzeugtechniker-Handwerk“. Und doch stößt sie nach wie vor und immer wieder auf vornehmlich männliche Skepsis: „Als Frau in der Autowerkstatt muss man fast täglich um Akzeptanz und Anerkennung kämpfen“, erzählt die Buschhüttenerin. Insbesondere ältere Kunden lassen sie ihre Ablehnung deutlich spüren.

nja Buschhütten Olpe. „Ich möchte mit dem Meister sprechen.“ „Das tun Sie.“ „Ich möchte aber mit jemandem reden, der Ahnung hat.“ Dialoge wie dieser sind für Annika Hackler keine Seltenheit. Die 24-Jährige ist mit Herz und Seele Kfz-Mechatronikerin, hat nach ihrer dreieinhalbjährigen Ausbildung noch den Meistertitel erlangt – offiziell ist sie nun „Bachelor Professional im Kraftfahrzeugtechniker-Handwerk“. Und doch stößt sie nach wie vor und immer wieder auf vornehmlich männliche Skepsis: „Als Frau in der Autowerkstatt muss man fast täglich um Akzeptanz und Anerkennung kämpfen“, erzählt die Buschhüttenerin. Insbesondere ältere Kunden lassen sie ihre Ablehnung deutlich spüren.

Da ist es nur eine kleine Genugtuung, wenn ältere Damen ihr Bewunderung entgegenbringen und auch schon mal einräumen: „Ich wäre gern Automechanikerin geworden. Aber zu meiner Zeit war das noch nicht möglich – schon allein wegen der fehlenden Sanitäranlagen für Frauen.“ Seit 2012 beweist sich Annika Hackler täglich bei der Arbeit, ist längst im Kollegenkreis „angekommen“ und akzeptiert. Ihr Arbeitgeber, der namentlich nicht im Artikel erwähnt werden möchte, sei sehr zufrieden mit ihr und unterstütze sie.

Indes: „In welchem Lehrjahr sind Sie denn?“: Diese skeptische Kunden-Frage schallt ihr immer noch regelmäßig entgegen. Oder sie muss mit anhören, wie von Kunden, die sie gar nicht kennt, ausdrücklich „Herr XY“ als Handwerker gewünscht wird – „und nicht Frau Hackler“. Dann gebe es noch jene, die ihre Ablehnung vermeintlich witzig verpackten, etwa mit der originellen Frage: „Können Sie das wirklich?“ Oder jene, die tuscheln oder ihr bei der Reparatur „über die Schulter“ blicken. Hackler: „Ich werde oft unterschätzt.“

Auch dumme Kommentare

„Man darf nicht auf den Mund gefallen sein in dieser Branche“, sagt die gebürtige Seelbacherin, die die Leidenschaft zum „Schrauben“ an Karosserie und Motor von ihrem Vater „geerbt“ hat. Auch verbale sexistische Übergriffe („Schrauben Sie heute Abend auch mal bei mir?“) oder dumme Kommentare („Schöne Frauen wie Sie sollte man nicht allein in der Werkstatt lassen“) müssen sie und ihre Kolleginnen immer wieder verkraften. „Mein Chef stärkt mir in allen Belangen den Rücken und hat klar gesagt: Wenn mir ein Kunde zu nahe kommt, schmeißt er ihn raus. Aber es ist ein schmaler Grat, auf dem man hier wandelt. Hätte ich während meiner Ausbildung nicht eine erfahrenere Kollegin im Team gehabt, die mir gezeigt hat, wie ich damit gesund umgehe – ich hätte wahrscheinlich irgendwann die Brocken hingeschmissen“, blickt Annika Hackler auf schwierige Jahre zurück.

„Sie hat mir gesagt: Halte durch. Irgendwann wird es besser.“ Permanente Vorbehalte aber nagten am Selbstbewusstsein. „Es gibt Leute, die warten nur darauf, dass wir Frauen einen Fehler machen! Ich stehe mittlerweile drüber – aber es verletzt trotzdem.“

Was sie sich wünscht? „Dass mehr junge Frauen sich trauen, dieses Handwerk zu erlernen. Ich glaube, nur dann können wir das überholte Weltbild vieler ändern. In meinen Klassen während der Ausbildung und auch auf der Meisterschule war ich jeweils die einzige.“ Froh ist die 24-Jährige darüber, dass ihr Arbeitgeber sie angemessen bezahlt. Das sei in der Branche keine Selbstverständlichkeit.

Lippenstift und Motoröl

Dass, bildlich gesprochen, Lippenstift und Motoröl gut zusammenpassen, diese Meinung vertritt auch die IG Metall schon seit Jahren. Für Oliver Klimke, Pressesprecher der Kfz-Innung Westfalen-Süd, ist das berufliche Miteinander von Mann und Frau auch in den Werkstätten ein „Leidenschaftsthema, da wir seit einiger Zeit bei der Suche nach guten und engagierten Auszubildenden bei uns den Fokus auf Damen gelegt haben, die sich für Autos und Menschen begeistern“. Damit bezieht er sich zunächst einmal auf das Olper Autohaus Neuhaus, in dem er als Geschäftsführer wirkt und wo im Vorjahr erstmals mehr weibliche als männliche Azubis eingestellt worden seien.

Im Einzugsgebiet der Innung gebe es Luft nach oben, räumt er ein: „Derzeit befinden sich 375 junge Leute in der Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker – darunter sind 26 junge Frauen. Das sind nicht mal 10 Prozent. Die Werkstätten sind nach wie vor eine Männerdomäne, aber: Der Frauenanteil nimmt zu.“ Vergleichszahlen z. B. aus dem Jahr 2010 lägen aber leider keine vor. Auch nicht mit Blick auf Meisterinnen. „Sein“ Mercedes-Autohaus rühre in den sozialen Medien die Werbetrommel für „Frauenpower“. Dies sei zugleich Werbung in eigener Sache.

Und in der Innung? „Ich nehme das jetzt als Denkanstoß mit“, verspricht er. Denn eines sei auch klar: „Um gute Leute zu finden, müssen Sie schon was tun.“ Aus eigener Erfahrung wisse er: Frauen, die mit Freude und Begeisterung den Beruf der Kfz-Mechatronikerin erlernen wollen, „liefern auch gute Qualität“.

In den Belegschaften seien die Frauen integriert, dort gebe es eine gute Kameradschaft. Vermeintliche Sachargumente gegen Frauen im Kfz-Gewerbe – wie gesonderte Sozialräume – seien „totaler Quatsch“. Vieles sei mit wenig Aufwand machbar. Zudem sei die früher stringente Handhabung einem gesunden Maß Flexibilität gewichen.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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