Lutter las TuS Ferndorf die Messe

Ernüchterung vor 1000 Zuschauern in der Handball-Oberliga

Bei 27:32-Heimschlappe von Deckung von Lemgo 2. und überragendem Torhüter vorgeführt

jb Kreuztal. Die Kulisse war beim Top-Hit der Oberliga Westfalen mit ca. 1000 Zuschauern zweitligareif, aber die Mannschaft des TuS Ferndorf ist offensichtlich mal wieder noch nicht reif, um zumindest in die Regionalliga aufzusteigen. Die 27:32 (10:15)-Heimschlappe im Spitzenspiel gegen HSG Lemgo 2. war auch in dieser Höhe voll und ganz gerechtfertigt. Sie offenbarte auf brutale Weise den Unterschied zwischen beiden Teams. Nach dem 8. Spieltag deutet alles darauf hin, dass der Meister im Frühjahr 2007 erneut aus Ostwestfalen kommen wird – und eher nicht aus dem Siegerland. Die Amateure des Bundesligisten TBV Lemgo sind ein ganz heißer Kandidat.

Deren 37 Jahre alter Spielertrainer und inzwischen als hervorragender Spielmacher wieder zumeist auf dem Feld agierende Jens Lause (vor Jahren war er in Augustdorf Teamkollege von Ferndorfs Ex-Trainer Libor Hrabal) hat die These aufgestellt, dass derjenige Meister wird, der die wenigsten Gegentore kassiert. Und damit stemmt er sich gegen den modernen Tempohandball mit so vielen Toren, wie sie noch nie erzielt wurden. Auch Ferndorfs Trainer Caslav Dincic glaubt, dass in der Deckung Spiele und als Folge Meisterschaften gewonnen werden.

Wie das wirklich funktioniert, demonstrierten die Ostwestfalen. Sie gaben eine Lehrstunde in Sachen perfekt abgestimmter Deckung ab, die zudem mit ganz fairen Mitteln arbeitete. Die guten Schiedsrichter Reichenbach/Scheipers aus dem nördlichen Münsterland verhängten insgesamt nur vier Zeitstrafen. Beim Sieger feierte Berti Vogts' abgedroschenes »Der Star ist die Mannschaft« fröhliche Urständ, und hinter der Abwehr hatten die Lemgoer mit dem hünenhaften Torwart-Oldie André Lutter auch noch den auffälligsten Spieler auf dem Platz, der schier unbezwingbar wirkte. Ferndorfs Rückraumschützen wurden von Lemgos Abwehrverband weitestgehend zur Harmlosigkeit verurteilt. Ungewöhnlich scharf und deutlich fiel nach dem Spiel der Kommentar vom bitter enttäuschten Caslav Dincic aus: »Unser Rückraum hat heute ganz schlecht gespielt. Besonders meine ich Alex Orlov, Thomas Dralus und Nils Hambloch. Die waren gegen die 6:0-Abwehr nicht in der Lage, durch einfaches Kreuzen Tore aus elf Metern zu schießen. Wenn Lemgos Abwehr dadurch offensiver gekommen wäre, hätten wir mehr Platz am Kreis gehabt. Uns hat heute ein Spielmacher wie Jens Lause gefehlt.«

Als die Ferndorfer nach nervösem und von beiden Seiten zerfahrenem Beginn endlich aufwachten, lagen sie bereits mit 1:6 hinten. Es war die Folge aus Pässen, die nicht beim eigenen Mann ankamen, Cleverness von Lemgos Abwehrspielern, die den Ferndorfern einige Bälle geschickt wegschnappten und schlechten Torschüssen. Thomas Dralus, der die Spielmacherrolle übernehmen sollte, wurde mehrfach zur Trainerbank für längere Anweisungen geholt. Der zwischendurch für ihn eingewechselte Alen Sijaric machte prompt die gleichen Fehler. Die Hausherren spielten aus lauter Verlegenheit eher in die Breite, als mit direktem Tordrang. Da aber auch die Außen – zumindest in der 1. Halbzeit – so geschickt abgeschirmt wurden, dass sie nicht einmal angespielt werden konnten, wurden die Räume für Ferndorfs Angreifer immer enger. Es gab zwar ein kurzes Aufbäumen bis auf 6:8, 8:10 und 9:11. Aber zur Pause waren es wieder fünf Tore Rückstand zum 10:15 – und Steven Schäfer verschoss auch noch einen Siebenmeter.

Mit dem Seitenwechsel präsentierte sich genau sieben Minuten lang eine TuS-Mannschaft, die wild entschlossen das Spiel drehen wollte. Der Anschlusstreffer zum 16:17 war aber das letzte Aufflackern. Fünf Minuten später führte Lemgo wieder mit 21:17. In den folgenden 18 Minuten fuhr der Gast ganz souverän den Vorsprung nach Hause.

TuS Ferndorf: Rottschäfer, Wellen; Egger (7/5), M. Sijaric (2), Hambloch (4), Orlov (3), Münker (n.e.), A. Sijaric (1), Genz, Dralus (3), Schäfer (7/1), Stenske.

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