»Mahnung zur Besonnenheit«

Matthias Schreiber spricht heute zum Thema »Der 9. November – ein deutsches Datum«

bjö Ferndorf. »Wir Deutsche werden mit dem Datum 9. November davor gewarnt, unsere Geschichte glorreich zu feiern. Es mahnt uns zur Besonnenheit, denn wir haben einen tiefen Schatten dabei.« Der aus Fellinghausen stammende Theologe Matthias Schreiber äußert dies in einem tiefen Bewusstsein über die Bedeutungsvielfalt des 9. November. An jenem Tag im Jahr 1938 brannten in Deutschland die Synagogen; 51 Jahre später fiel am gleichen Novembertag die deutsch-deutsche Mauer.

19.30 Uhr in der Ferndorfer Kirche

Schon als Student beschäftigte sich der heute 39-jährige Landeskirchenrat Matthias Schreiber intensiv mit den historischen Daten deutscher Geschichte im vergangenen Jahrhundert. Für eine Feierstunde auf Einladung des Kirchenkreises Siegen kehrt Matthias Schreiber am heutigen Samstag in seine Heimatstadt zurück, um zum Thema »Der 9. November – ein deutsches Datum« seine Gedanken zu diesem ambivalenten historischen Datum vorzutragen. Um 19.30 Uhr beginnt in der ev. Laurentiuskirche in Ferndorf die Gedenkstunde mit musikalischer Umrahmung und einem Grußwort des Superintendenten Friedemann Hillnhütter.

Lange Zeit Mitarbeiter von Johannes Rau

Dass mit Schreiber ein ebenso theologisch wie historisch kompetenter Referent sprechen wird, weiß der Kredenbacher Pastor Volker Bäumer, der seinen langjährigen Freund nach Ferndorf eingeladen hat. Er schätzt ihn als Pfarrer und weiß um dessen sechsjährige Mitarbeit im Büro von Johannes Rau: Sowohl als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident als auch im Bundespräsidialamt zählte Rau den promovierten Theologen zu seinem Team persönlicher Referenten. Gegenwärtig verantwortet Schreiber als Landeskirchenrat in Düsseldorf die Öffentlichkeitsarbeit der ev. Kirche im Rheinland.

Mit seinem Vortrag in Ferndorf will er »keine Betroffenheit erzeugen, sondern Nachdenklichkeit. Denn Betroffenheit ist ein moralisches Wort«. Das Spannungsfeld des Datums 9. November zwischen einem traurigen Höhepunkt der Judenverfolgung, der so genannten Reichspogromnacht, und dem Mauerfall als Symbol für das Ende des »kalten Krieges« gelte es auszuhalten. »Der 9. November ist für uns Deutsche schließlich noch zu einem guten Tag geworden, und darüber kann man froh sein.« An einem solchen Gedenktag von Trost zu sprechen, hält Matthias Schreiber für eine angemessene »schweigende Gestalt der Trauer«.

Weltgeschichtlich gesehen ende die Epoche des 20. Jahrhunderts mit dem 9. November 1989; eine neue hingegen habe, mit dem Abstand der Geschichte betrachtet, mit dem 11. September 2001 begonnen, »als plötzlich das Unmögliche möglich wurde und die Pulsschlagader der westlichen Wirtschaft getroffen wurde«, so Schreiber über den Terroranschlag von New York. Damit habe zwar ein neuer »Krieg der Kulturen begonnen«, aber »wir dürfen den 11. September nur dann mit Gedenkgottesdiensten begehen, wenn wir das gleiche mit dem 9. November tun.«

So sehr der Pfarrer sich darüber freuen und staunen kann, dass in Deutschland eine reichhaltige jüdische Kultur wieder Platz gefunden hat, so deutlich weist er darauf hin, wie weit die Deutschen von einem »normalen« Umgang mit fremden Kulturen und speziell dem Judentum entfernt sind: »Eine Normalität ist erst dann erreicht, wenn unsere Synagogen in Deutschland nicht mehr vom Objektschutz bewacht werden müssen.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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