mehr Räume nötig“

Im städtischen Kindergarten Hessengarten wird das Mittagessen im Flur eingenommen.  Fotos: nja
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nja Kreuztal. „Was wollen denn die vielen Leute hier?“ Diese Frage stellte sich gestern Mittag verwundert ein Mädchen im Kreuztaler Kindergarten „Hessengarten“, als eine Delegation des Sozialausschusses sich im Flur der städtischen Einrichtung umsah – dort, wo gerade Tische und Stühle für das Mittagsmahl der Kinder hergerichtet wurden. Die 72 Kinder betreuende Einrichtung war die vierte am gestrigen Tag, die Politik und Verwaltung unter die Lupe nahmen; heute und morgen kommen die verbliebenen acht städtischen Kitas an die Reihe.

Wie berichtet, verschafft sich das Fachgremium in dieser Woche einen Überblick über den Zustand der zwölf kommunalen Einrichtungen. Diesen Stein hatte nicht zuletzt die Elterninitiative ins Rollen gebracht, die sich seit dem Erzieherinnenstreik im vergangenen Jahr dafür einsetzt, dass die dabei eingesparten Lohn- und Betriebskosten direkt wieder in die Kitas investiert werden (die SZ berichtete ausführlich). Spätestens seit Inkrafttreten des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) klafft in den Einrichtungen eine Lücke zwischen den im Gesetz formulierten Ansprüchen und den räumlichen sowie personellen Gegebenheiten in den Einrichtungen.

Im Kindergarten „Hessengarten“ erlebten die Besucher gestern mit, wie in Ermangelung eines Speiseraums der Flur zur „Mensa“ umfunktioniert, die Eingangstür hierfür verschlossen wurde, um für möglichst viel Ruhe zu sorgen. 27 Kinder werden über Mittag betreut; der Nachwuchs schläft nach dem Essen auf Matratzen im Mehrzweckraum. Wegen der Raumnot, so Leiterin Ingrid Schepp, würden die angehenden Schulkinder gar nicht mehr „schlafen gelegt“. Einen Gruppennebenraum gebe es nicht. 70 Prozent der Jungen und Mädchen kämen aus Migrantenfamilien, 22 Kinder müssten logopädisch betreut werden. Die Probleme seien mannigfaltig, setzten eigentlich ein „differenzierteres pädagogisches Arbeiten“ voraus, für das aber die Rahmenbedingungen nicht gegeben seien.

Ähnliche Situationen dürfte die Delegation in den übrigen elf Kitas antreffen. So jedenfalls im Kindergarten „Zum Wäldchen“ am Dörnberg, wo gestern allerdings ein variabler freier Tag dafür sorgte, dass Politik und Verwaltung zwar keine Kinder antrafen, sich dafür aber in Ruhe und ohne Stress mit den Erzieherinnen der Drei-Gruppen-Einrichtung austauschen konnten.

Kindergartenleiterin Christa Breiter informierte über die Probleme: So werde z. B. eine Hauswirtschaftskraft benötigt, die sich um die Verteilung des Mittagessens sowie um das anschließende Abräumen sowie Reinigen kümmere. Die Speisen werden derzeit im Flur auf einem Werktisch postiert und den Kindern von den Erzieherinnen an den Tisch in den Gruppenräumen kredenzt. „Ein Anbau an die Küche wäre gut“, so Breiter. Außerdem gebe es keinen Personalraum; die Pause werde in der Küche eingelegt – während der mittäglichen Kinder-Abholzeit. Und auch ein separater Schlafraum wäre sicherlich von Vorteil.Verbesserungen seien auch bei der Vertretungsregel bei Krankheit oder Urlaub nötig, die am besten direkt am ersten Tag greifen solle. Kurzum: „Wir benötigen mehr Personal und Räume.“ Nicht zuletzt für die Betreuung der unter Zweijährigen. Ein Ruheraum wäre ferner vonnöten. Die Wickelkommode sei in der Dusche untergebracht – auch dies sicherlich kein Idealfall. Breiter: „Die pädagogische Arbeit ist unbefriedigend. Der Bedarf an Betreuung hat sich verändert, doch die Kitas sind dafür nicht gebaut.“ Der gesetzliche Auftrag könne daher eigentlich nicht erfüllt werden.An die Hand bekamen die Politiker im Vorfeld die wichtigsten Eckdaten zu den Einrichtungen – angefangen von der Gebäudesubstanz über Buchungs- und Öffnungszeiten, Gruppenstärken, Altersstrukturen und Personalausstattung bis hin zu einem Soll-Ist-Vergleich, erläuterte Amtsleiter Dieter Loske. Eine Einstiegsdebatte werde wohl im Sozialausschuss am 27. Januar stattfinden.

Im städtischen Kindergarten Hessengarten wird das Mittagessen im Flur eingenommen.  Fotos: nja
Es geht – aber es ginge sicherlich besser: Im Kindergarten „Zum Wäldchen“ wird in der Dusche gewickelt – in Enge und relativer Dunkelheit, wie stellv. Leiterin Carla Klappert demonstrierte.
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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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