Mehr Wohnraum zum Billigtarif nötig

67 Obdachlose in Kreuztal untergebracht / Steigende Tendenz zeichnet sich ab

sz Kreuztal. Zum Stichtag 31. Dezember 2002 waren in der Kindelsbergmetropole 67 Obdachlose gemeldet, darunter 18 »Singles«. Das teilt das Ordnungsamt mit. Sie wohnen in einer der sieben Unterkünfte. Nach Abschluss der Umbaumaßnahme an der Unterkunft Hüttenstraße 2 in Kreuztal, so heißt es, konnten zwölf männliche Obdachlose im Sommer vergangenen Jahres in die neuen Räume einziehen. »Aufgrund der vorhandenen Gebäudesubstanz sowie in Anbetracht der angespannten Finanzlage der Stadt mussten drei größere Zimmer mit mehreren Personen (maximal drei) belegt werden.«

Im vergangenen Jahr wurden 26 obdachlose Personen neu untergebracht, darunter 18 allein stehende Männer, eine Familie und zwei Lebensgemeinschaften. Wegen fristlosen Kündigungen und bereits eingeleiteten Klageverfahren baten 31 Familien und 62 Einzelpersonen das Ordnungsamt um Rat und Hilfestellung. »Weitere rechtliche Schritte von Vermietern gegen Mieter konnten in 22 Fällen vermieden und die Wohnung entweder gesichert oder anderer Wohnraum schnell vermittelt werden.«

21 Obdachlose verließen die Unterkünfte und mieteten eigenen Wohnraum auf dem freien Markt. Zwangsräumungen standen in 20 Fällen an; davon musste nur ein Mann aufgenommen werden. Durch eingehende Beratung und Hilfestellung wurde in elf Fällen die Unterbringung in einer Obdachlosenunterkunft vermieden, anderer Wohnraum beschafft oder eine Rücknahme des Räumungstermins erwirkt.

Mit Fertigstellung des Hauses an der Hüttenstraße rechnete die Stadt zunächst damit, dass die Unterkünfte in Littfeld nicht mehr benötigt würden. »Der bisherige Trend bei Jugendlichen, frühzeitig das Elternhaus zu verlassen, hält weiter an und führt dazu, dass auch in Zukunft freier Wohnraum für kurzfristige Aufnahmen vorgehalten werden muss.« Vorerst komme eine Aufgabe der Containeranlage an der Hagener Straße nicht in Frage. Auch der geplante Abriss der Unterkunft an der Marburger Straße 24 sei zunächst nicht möglich, da auch sie komplett belegt sei. »Falls für eine anderweitige Nutzung des Grundstücks der Abriss doch dringend erforderlich würde, ist über Alternativen wie Neubau oder Anmietung nachzudenken.«

Bereits jetzt seien fast alle freien Plätze verplant aufgrund der Übernahme einer ausländischen Familie aus der Unterkunft des Sozialamts und der Aufnahme einer vierköpfigen Familie durch Zwangsräumung. Inwieweit noch weitere Umsetzungen von geduldeten Personen aus Häusern des Sozialamts in Unterkünfte des Ordnungsamts erfolgen werden, müsse erst abgewartet werden, heißt es.

Die Problematik bei den Singles, vor allem bei Jugendlichen, schlage sich nicht nur in Arbeitslosigkeit und Alkoholismus nieder, sondern vermehrt auch in Drogenabhängigkeit und damit verbundenen psychischen Problemen. Hinzu kämen vermehrt polizeiliche Maßnahmen mit anschließendem Haftaufenthalt. »Durch den guten Informationsfluss mit anderen Behörden kann teilweise schnell gehandelt und Schlimmeres vermieden werden, jedoch sind diese Einsätze und Beratungen sehr arbeitsintensiv.«

Auch hier könne nur dazu angehalten werden, günstigen Wohnraum für Einzelpersonen zu schaffen, damit somit in vielen Fällen mehr Mut zum Eigenleben und normalen Bewältigen des Alltags ohne Hilfe von Organisationen entwickelt werden könne. »Die momentane wirtschaftliche Krise fördert das persönliche und finanzielle Elend (Verlust von Arbeitsplatz, Wohnung...) in vielen Familien und bei Einzelpersonen, so dass auch hier vermehrt mit Unterbringungen in den nächsten Monaten gerechnet werden muss. Eine steigende Tendenz ist bereits jetzt zu verzeichnen. Mehr Wohnraum zum Billigtarif für den sozial schwachen Klientelbereich wäre wünschenswert und sollte auch auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene entsprechend gefördert werden.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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