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Hofgut Langenau: Denkmalschutz involviert
Mehrfamilienhäuser und Mietlager?

sz Buschhütten. Im Bereich des Hofguts Langenau plant die Firma Raumia GmbH die Errichtung von elf Mehrfamilienhäusern und, südlich daran angrenzend, die Errichtung einer Selfstorage-Garagenanlage mit mehr als 80 Stellplätzen – also eine Art Mietlager. Der aktuelle Vorentwurf dazu wird von der Firma in der Sitzung des Kreuztaler Infrastrukturausschusses am kommenden Montag (ab 17 Uhr in der weißen Villa in Dreslers Park) vorgestellt. Wichtig dabei: Das Hofgut Langenau mit dem Backes steht unter Denkmalschutz.
Die Flurstücke, so teilt die Stadtverwaltung zur Sitzung mit, liegen im Geltungsbereich des Bebauungsplans Nr. 14 „Backeswiese/Deichwald“. Dieser setze dort ein gegliedertes Mischgebiet mit detaillierten Modifizierungen fest.

sz Buschhütten. Im Bereich des Hofguts Langenau plant die Firma Raumia GmbH die Errichtung von elf Mehrfamilienhäusern und, südlich daran angrenzend, die Errichtung einer Selfstorage-Garagenanlage mit mehr als 80 Stellplätzen – also eine Art Mietlager. Der aktuelle Vorentwurf dazu wird von der Firma in der Sitzung des Kreuztaler Infrastrukturausschusses am kommenden Montag (ab 17 Uhr in der weißen Villa in Dreslers Park) vorgestellt. Wichtig dabei: Das Hofgut Langenau mit dem Backes steht unter Denkmalschutz.
Die Flurstücke, so teilt die Stadtverwaltung zur Sitzung mit, liegen im Geltungsbereich des Bebauungsplans Nr. 14 „Backeswiese/Deichwald“. Dieser setze dort ein gegliedertes Mischgebiet mit detaillierten Modifizierungen fest. Gegenüber dem Planbereich liege ein allgemeines Wohngebiet, im Norden grenze Mischgebiet an, im Süden eingeschränktes Gewerbegebiet. Für die Misch- und die Wohngebiete seien maximal zwei Vollgeschosse festgesetzt.  „Im nördlichen und östlichen Planbereich ist als Hauptnutzung das Wohnen zulässig und das Gewerbe unzulässig, im südlichen und westlichen Bereich ist es umgekehrt. Das Vorhaben der Firma kann nicht auf Basis des Bebauungsplans zugelassen werden. Wenn man es in dieser oder ähnlicher Form ermöglichen möchte, muss das geltende Planungsrecht durch eine Neuplanung geändert werden.“

Stadtteil im Blick behalten

Die Details hinsichtlich der Art und des Umfangs der Nutzungen müssten auf Basis der anstehenden Untersuchungen ggf. in Teilbereichen modifiziert werden. „Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass an dieser eher dezentralen Stelle keine Nutzung entstehen soll, die im Hinblick auf das Baugebiet im Bereich der ehemaligen Deichwaldschule oder die von der Stadt geplanten Wohnbauvorhaben im Bereich des Sportplatzes Buschhütten für die städtebauliche Entwicklung von Nachteil ist.“

LWL sieht Untersuchungsbedarf

Für eine Änderung des Flächennutzungsplans ist die Genehmigung der Bezirksregierung erforderlich; daher wurde dort vorsorglich angefragt, ob es grundsätzlich Erfolgsaussichten für eine Planung in der vorliegenden Form gebe. Und auch die Denkmalbehörden wurden schon eingeschaltet. Eine Stellungnahme der LWL-Denkmalpflege Münster liegt bereits vor. Fazit: Im Falle einer Fortsetzung der Planung seien weitere Aspekte zu untersuchen. Dies seien insbesondere folgende Aspekte: Verkehrsgutachten (insbesondere Verkehrsmengen, -ströme und -verteilung), Immissionsgutachten (voraussichtlich in erster Linie Schallschutz), Denkmalschutz (Bau- und Umgebungsdenkmalschutz sowie kulturlandschaftsprägendes Denkmal mit Raumwirkung, evtl. Bodendenkmalschutz), Biotop-/Grünstrukturuntersuchung, Artenschutzgutachten einschließlich Fledermausuntersuchungen, Altlastenvorabschätzung, Umweltbericht.

Keine Genehmigung für  Backes-Abbruch 

„Der geplante Abbruch des Fachwerknebengebäudes („ehemaliger Backes“) stellt eine genehmigungspflichtige Maßnahme gemäß Denkmalschutzgesetz dar, zu der aus denkmalfachlicher Sicht kein Benehmen in Aussicht gestellt werden kann“, schreibt die LWL-Denkmalpflege in ihrer Stellungnahme. „Durch den Verlust des kleinen Fachwerknebengebäudes oder seine Translozierung (Anmerkung der Redaktion: Versetzung) ist die frühere Existenz des historischen landwirtschaftlichen Gutsbetriebs nicht mehr bezeugt.“ Aus denkmalfachlicher Sicht sei das Backes „in situ“ zu erhalten, „die historische Beziehung zwischen dem Herrenhaus und dem Fachwerknebengebäude muss ersichtlich bleiben.“

Politik am Montag gefragt

Die Stadtverwaltung unterbreitet der Politik keine Beschlussempfehlung, sondern bietet folgende Varianten an:
• Der Ausschuss nimmt die Ausführungen der Verwaltung und die Vorstellung der Fa. Raumia GmbH zu deren Vorhaben im Bereich des Hofguts Langenau in Buschhütten zur Kenntnis. Der Ausschuss beauftragt die Verwaltung mit der Vorbereitung des Aufstellungsbeschlusses und des förmlichen Aufstellungsverfahrens für eine Bauleitplanung, die unter angemessener Berücksichtigung der sonstigen relevanten öffentlichen und privaten Belange die vorgestellten Ziele der Fa. Raumia verfolgt.

• Der Infrastruktur-, Umwelt- und Wirtschaftsförderungsausschuss beauftragt die Verwaltung damit, zusammen mit dem Investor eine in der Nutzungsintensität reduzierte Planung zu erarbeiten, sie mit den Denkmalbehörden abzustimmen und sie sodann dem Ausschuss zwecks Entscheidung über eine Bauleitplanung erneut vorzulegen.

Ersterwähnung anno 1340

Das Hofgut Langenau, Langenauer Straße 34, Gemarkung Buschhütten, Flur 13, Flurstück 589, wurde am 1. März 1990 in die Denkmalliste der Stadt Kreuztal eingetragen. „Die Ersterwähnung des Hofguts Langenau als Adelssitz fällt in das Jahr 1340. 1452 erhielten der Hofmeister Ewert von Wischel und Daem von Seelbach-Lohe die Erlaubnis vom Grafen Johann IV von Nassau das Recht, eine Eisenhütte zu bauen, die als Buschhüttener Eisenhammer die Entwicklung der Region entscheident bestimmt hat. 1746 erwarb der Prinz von Oranien-Nassau das Gut und verkaufte es bereits 1749 an den Fiskus.“ Ab 1764 diente es u. a. als Versammlungsort der Glaubensgemeinschaft der Mennoniten.“ Johannes Heinemann, der 1771 durch nach Einheirat zum mennonitischen Glaubens übergetreten war, war Begründer der Familiendynastie Heinemann, die das Hofgut Langenau nahezu 200 Jahre bewohnte und bewirtschaftete, deshalb spricht man noch heute von „Heinemanns Ecke“ wenn man das ehemalige Gut meint. Im Jahr 1966 ging es in den Besitz von Dr. Barten, Firma Achenbach und Söhne, Buschhütten, über. Sowohl unter Berücksichtigung der ortsgeschichtlichen Bedeutung als auch wissenschaftlicher Gründe sei es von hervorgehobener Bedeutung. „Unter Denkmalschutz stehen das gewölbte Kellergeschoss und die historische Substanz der Fachwerkwände (ohne Fensterdetails, Verkleidungen, Türformen etc.) des Hauptgebäudes und der ehemalige Backes auf der Hofstelle.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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