Menschenwürdige Pflege kostet Geld

Verein »Handeln statt Misshandeln« erstmals zu Gast bei der Heimleiter-Konferenz

nja Kreuztal. Trägerübergreifend fanden sich gestern Leiter von Seniorenheimen im Kreis Siegen-Wittgenstein im Alten Feuerwehrhaus zum Gedankenaustausch ein. Zu Gast war der Verein »Handeln statt Misshandeln« – vertreten durch die Vorsitzende Christel Ruback und den Ehrenvorsitzenden, Richter Reiner Capito. Der Verein bestehe seit nunmehr fünf Jahren, so Ruback, die sich freute, dass erstmals die Gelegenheit bestehe, sich der Heimleiterkonferenz vorzustellen. Bisher habe es lediglich »sporadische Kontakte« gegeben, wenn es Beschwerden über Heime gegeben habe.

Vor fünf Jahren, so Christel Ruback, habe man gegen massive Widerstände kämpfen müssen. Lange Zeit sei das Problem – Gewalt gegen Senioren – nicht laut ausgesprochen worden. »Auch heute sind wir nicht überall gern gesehen und gut gelitten. Aber in kritischer Empathie können wir nun Dialoge pflegen.« Träger von Altenheimen und auch die Heimleitungen stünden der Pflegelandschaft heutzutage kritischer gegenüber.

Die Facetten der Gewalt gegen alte Menschen seien vielfältig. Gesetzesvorgaben und gesellschaftliche Normen seien so ausgerichtet, dass die nötige Zeit und Zuwendung in der Pflege nicht gewährleistet seien. Dies verberge sich hinter dem Begriff der strukturellen Gewalt. Bei der Pflege im Alter werde der »spitzeste Rotstift« angesetzt; Personal und Träger gerieten unter massiven Druck. Auf der Strecke blieben die Alten und die Pflegekräfte. 80 Prozent der Fachkräfte litten nach vier Berufsjahren unter dem »Burn-out-Syndrom« und stiegen aus.

Die öffentliche Stimmung sei nicht gerade altenfreundlich. »Der mittleren Generation wird jetzt abverlangt, immer mehr zu zahlen, damit die Älteren menschenwürdig gepflegt werden können. Das fällt schwer, ist aber nötig«, so Ruback, die klarstellte: »Menschenwürdige Pflege kostet Geld, gibt es nicht zum Nulltarif.«

Derzeit werde in Deutschland nicht menschenwürdig gepflegt. Und der Ansatz an qualifizierten Fachkräften werde weiter zurückgeschraubt. Werde nicht mehr investiert, werde die Altenpflege »an die Wand gefahren«. Ein weiteres Credo der Vorsitzenden: »Pflege muss transparent gemacht werden«, die Angehörigen sollten mit einbezogen werden. Gewalt gegen Senioren gebe es auch in Familien bzw. bei ambulanten Pflegediensten. Dort sei die Dunkelziffer sogar noch größer.

Die Heimleiter suchten den Dialog, berichteten u.a. von ihren Problemen in Zeiten rückläufiger Etats. Es wurde aber auch der Wunsch nach einem »guten Miteinander« mit dem Verein geäußert, das dabei helfen könne, »die Augen wach zu halten, bevor etwas passiert«. Ein Heimleiter erinnerte an das gemeinsame Interesse: Den Einsatz zum Wohle alter Menschen.

»Wir wollen gemeinsam die Lebensqualität im Alter verbessern«, meinte auch Reiner Capito. Er hoffe, »das heutige Gespräch ist die Basis für eine vertrauensvolle, gute, aber auch kritische Zusammenarbeit. Denn wir sind die Generation, die die Kraft hat und dazu berufen ist einzustielen, dass man getrost alt werden kann.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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