„Mich hat es mit 17 Jahren erwischt“

Dialog auf Augenhöhe: Schriftsteller Nevfel Cumart war gestern Vormittag zu Gast in der Realschule Kreuztal.  Foto: js
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js Kreuztal. Eigentlich wollte er nie Dichter werden. Nevfel Cumart, 1964 in Deutschland als Sohn türkischer Einwanderer geboren, wuchs in Stade auf, machte nach dem Abi eine Lehre als Zimmermann. Anschließend zog es ihn zum Studium nach Bamberg. Er sammelte Scheine in Turkologie, Arabistik, Iranistik und Islamwissenschaften und strebte eine Karriere als Professor an. 1993 entschied er sich um, verließ die Welt der Hochschule und machte das zu seinem Beruf, was ihn bereits seit Jahren in seiner Freizeit beschäftigte – das Schreiben.

Keine zwei Minuten zogen ins Land, bis Nevfel Cumart die Siebtklässler der Ernst-Moritz-Arndt-Realschule in Kreuztal (RSK) gestern Vormittag in seinen beiden Lesungen für sich gewonnen hatte. Der Autor, der bereits am Montagabend in der Stadtbibliothek zu Gast war, dürfte bei den Deutschlehrern im Vorfeld nicht als Garant für gelungene Lesestunden gehandelt worden sein – seine Spezialität, die Lyrik, war schließlich auch für die bereits zur Tradition gewordenen Autorenlesungen im RSK-Herbst unbekanntes Terrain. Cumart aber justierte seine Wellenlänge rasch auf die der Schüler, wurde zum gern gefragten Gesprächpartner.

Schon gleich zu Beginn war klar: Hier fand keine trockene Dichterlesung statt, vielmehr war es ein Dialog auf Augenhöhe. Noch bevor Cumart sein erstes Gedicht „Zwei Welten“ sowohl auf Deutsch als auch auf Türkisch zu Gehör brachte, hagelte es bereits Fragen an den Schriftsteller. Wie kam er zum Schreiben? Woher nimmt er seine Ideen? Wie viel verdient man, wenn man Bücher schreibt?

Außergewöhnlich offen ging Cumart auf den Wissensdurst der sichtbar vorbereiteten Jugendlichen ein. Der 45-Jährige gewährte dabei Einblicke in seinen kreativen Prozess, in den er in seiner Jugend eingestiegen ist. „Mich hat es mit 17 Jahren erwischt“, machte Cumart nochmals deutlich, dass er nicht bewusst den Weg eines Autors eingeschlagen hat.

Ideen für seine Gedichte – bislang sind 15 Cumart-Bücher erschienen – gebe es immer und überall. „Die Ideen finden mich – ich muss sie nur greifen.“ Im Selbsterlebten zu Hause oder auf Reisen finde Cumart ebenso Themen für seine Gedichte wie in den eigenen Befindlichkeiten von Freude über Wut bis Frust. Auch das Zusammentreffen von zwei Kulturen in seiner eigenen Biografie ist für den Deutsch-Türken immer wieder Ausgangspunkt für lyrische Gedankenspiele.Doch auch der Mensch hinter dem literarischen Werk stand im Mittelpunkt des Schülerinteresses. So gestand Nevfel Cumart, wie schwer und anstrengend es sein kann, von der Schriftstellerei zu leben. Immer auf Achse, von Lesung zu Lesung, quer durch ganz Deutschland – nach Kreuztal steht Rostock auf dem Reiseplan. Dieses Leben sei für ihn, seine Frau und seine achtjährige Tochter nicht leicht. „Seit dem 22. September bin ich permanent unterwegs“, verriet der Lyriker. „Da bleibt oft zu wenig Zeit für Familie und Freunde.“

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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