Mit Schlauchtrompete und Alphorn

Renn-Quintett sorgte in Kreuztaler Stadthalle für gelungenen Auftakt der Sommerkonzerte

gmz Kreuztal. Aus dem »italienischen Abend« wurde es am Donnerstagabend – auf Geheiß des Bundeskanzleramtes – nichts. Aber der Auftakt der 14. Kreuztaler Sommerkonzerte in der Kreuztaler Stadthalle wurde trotzdem ein voller Erfolg: Das renommierte Renn-Quintett erwies sich als hervorragender Entertainer und als exzellentes Ensemble, das tatsächlich die in der Andacht zu Beginn des zweiten Konzertteils aufgeworfenen Frage stellte, welche Bedeutung Musik für den Menschen haben kann. Hans-Werner Gerlach vom Vorstand der organisierenden Arbeitsgemeinschaft der ev. Chöre in Kreuztal dankte den Unterstützern aus Wirtschaft und Kommune und zeigte sich überzeugt, dass es auch in diesem Jahr wieder gelungen sei, für die Konzertreihe eine gute Mixtur verschiedener Stilrichtungen zusammenzustellen.

Eine gelungene und gekonnt dargebotene Mixtur boten die fünf Musiker des Renn-Quintettes, die im SWR-Rundfunkorchester spielen und jetzt zum ersten Mal im Siegerland auftraten, auf jeden Fall. Musik und Entertainment ergänzten sich perfekt zu einem Programm, das unter dem Motto »Von Bach bis Blues« stand und das vom musikalischen Leiter, Prof. Peter Leiner, witzig und souverän erläutert wurde. Die fünf Könner eröffneten das Konzert vielversprechend mit einer beeindruckenden Bläser-Version von Bachs berühmter Toccata d-Moll (die sich wunderbar für die Bearbeitung für Blechbläser eignet, da Orgel und Bläser »so viel gemeinsam haben«, wie Leiner nicht ohne Ironie ausführte). Aus der Toccata entwickelten Peter Leiner und Uwe Zaiser (Trompete), Jochen Scheerer (Posaune), Sjön Scott (Horn) und Ralf Rudolph (Tuba) geschickt den Basin Street Blus, der erstaunlich gut zur Toccata passte.

Überhaupt füllten sie das Motto geschickt mit Leben: Ob es die »Verschmelzung« der beiden Klassiker (oder »Hits«) »Halleluja« (Händel) und »Oh, when the Saints« war oder die »Stilübungen«, die die Melodie vom »alten Peter« vom durchsichtig-barocken Bach über den klassischen Mozart, den dramatischen Wagner, den auch walzerbeseelten Richard Strauss, den bajuwarisch-basiskulturellen Orff, die geräuschvoll-atonale Avantgarde bis zur vom echten Volksmusikempfinden getragene Bayern-Version »beugte« (dabei fehlten wirklich nur noch die Juchzer der schuhplattelnden Tänzer!!) – die Musiker zeigten mit Witz und Spielfreude, dass sie nicht nur ihre Instrumente beherrschen und sich die (musikalischen) Bälle zuzuspielen verstehen, sondern auch mit pfiffigem und ironischem Respekt mit den Eitelkeiten und auch den Überzeugungen »der Musik« umzugehen verstehen!

Ihrem Faible für den Blues gaben sie mit einer locker-relaxten Darbietung des »Chattanooga Choo Choo« und des immer wieder klassischen (und sonnenbebrillten) »Beale Street Blues« nach (Sjön W. Scott, der Amerikaner der Truppe, dem man sein »W.« aber nicht vorwerfen muss!, hatte hier seinen großen Auftritt), nach der Pause kamen sie mit Mozart und dem barock-klaren Mouret zurück, gaben eine gelungene »Naturtrompeten«-Einlage (Schlauch mit Trichter und Mundstück) und huldigten im Rahmen ihrer Ausschnitte aus den »Euro-Visionen« dem Nachbarland Frankreich mit der martialischen Hymne und verschiedenen Chansons, Italien musste aus den bekannten Gründen ja ausfallen, dafür huldigten sie Russland – als »Vision« – mit Tschaikowskys »Blumenwalzer« und anderen Blütenträumen, variierten die »Londonderry Air« von träumerisch bis fetzig und setzten Charlie Chaplin, dem Filmmusiker schlechthin, ein ebenso komisches wie ernsthaftes Denkmal mit Hut.

Ohne Zugabe ließ das begeisterte Publikum die Musiker nicht von der Bühne ––und dabei stellten sie nicht nur ihre Swing- und Bach-Fähigkeiten noch einmal nachdrücklich unter Beweis, sondern auch die selbstironsiche Aufarbeitung (mit Alphorn-Assistenz) ihrer stimmlichen Möglichkeiten! Ein Abend mit Erinnerungswert!

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen