Lina Dolge überrascht mit phantasievollen Baumstumpf-Skulpturen
Muntere Wegbegleiter

Mutmaßlich waren es Golfer, die hier die ersten zwei Augen anbrachten. Nun schielen siamesische Drillinge in den Heestaler Himmel.
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  • Mutmaßlich waren es Golfer, die hier die ersten zwei Augen anbrachten. Nun schielen siamesische Drillinge in den Heestaler Himmel.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

nja Kreuztal. Sie sind ein Quell großer Freude für viele Spaziergänger, Jogger und Radler, die im heimischen Forst, vor allem im Raum Kreuztal und Hilchenbach, Erholung vom Alltag suchen: jene phantasievollen Skulpturen, die Lina Dolge seit rund sieben Jahren aus Baumstümpfen und -wurzeln zaubert. Mal zufrieden vor sich hin grinsend, mal unbeschwert schielend, mal schmollend und mal (erfolglos) bemüht, grummelnd aus der Wäsche zu schauen: Sie sind vielen Siegerländern zu treuen Wegbegleitern geworden.

Dolli erblickte als erste die Welt

Als erste erblickte Dolli nahe der Grube Brüche bei Müsen das Licht der Welt – und bekam in den folgenden Jahren hier und dort ein Geschwisterchen. Mittlerweile ist die muntere Schar auf 22 Knaben, Mädels und nun auch Tiere angewachsen – insbesondere während der vergangenen Wochen und Monate schienen sie wie Pilze aus dem Boden zu sprießen.
Das hat auch einen traurigen Grund: Ihre Schöpferin Lina Dolge hat einen schweren Verlust erlitten. Ihr Mann, mit dem sie ihre langen Touren durch den Forst genossen hat, ist verstorben. Das kreative Gestalten inmitten der Natur hilft der 67-Jährigen nun durch die Tage, durch die so schwierige Zeit der Trauer.

Gestalten gegen Trauer, Frust und Ärger

Schon bei der ersten Visite vor rund fünf Jahren begegnete die SZ einem Menschen, der nicht gerne im Mittelpunkt steht, sondern lieber im Verborgenen wirkt. „Es bedeutet mir aber viel, wenn Sie sagen, meine Baumgesichter bereiten den Menschen Freude und dass darüber geredet wird“, sagt die zurückhaltende Kreuztalerin und willigt in Gespräch und Artikel ein. Vielen Dank dafür!
„Das Gestalten lenkt mich ganz gut ab, ich lasse dabei Trauer, Frust und Ärger frei. Ich gehe momentan nicht mehr wie früher in den Wald, weil es mir Spaß macht. Aber ich habe das Gefühl: Ich brauche es“, sagt die Krankenschwester im Ruhestand. Entdeckt sie einen neuen Stumpf, lässt sie ihn – Höhe, Dicke, Beschaffenheit und Standort – auf sich wirken und gibt sich Zeit: Gut Ding will Weile haben. Langsam aber formt sich dann jeweils eine Vorstellung, welches Geschöpf hier ein neues Zuhause finden könnte. Mit Augenbrauen z. B. aus Tannenzapfen, Haaren aus frischem Moos oder knarzigem Geäst.

Katze Käti und Krake Ursula

Nach wie vor dienen ihr zur Gestaltung des jeweiligen Antlitzes aber auch Dinge des alltäglichen Lebens, die ansonsten wohl in der gelben Tonne gelandet wären. Flaschendeckel und Joghurtbecher mutieren in ihren Händen zu Augen oder Nase, Ü-Eier-Döschen, Konservendeckel, aber auch Perlen und Knöpfe zaubern aus den Stümpfen einst stattlicher Bäume sympathische Zeitgenossen – und nun also auch durchaus einmal wild anmutende Tiere: Katze Käti oberhalb von Ferndorf war die Premiere im Reich der Fauna. Eine der neuesten Kreationen: Krake Ursula in der Nähe des Eichenhofs bei Eichen: „Ein Wunsch meiner dreijährigen Urenkelin ..." 

„Die Leute lassen sich inspirieren!“

Dolli wurde im Laufe der Jahre von Vandalen zerstört, ab und an „bedienen“ sich Unbekannte an den Figuren. An anderen ihrer Kreationen nagt der Zahn der Zeit und hinterlässt Spuren. Lina Dolge haucht ihnen dann mit künstlerisch-chirurgischem Geschick immer wieder neues Leben ein. Andererseits passiert es auch, dass Spaziergänger „ihre“ Baumgesichter neu stylen: Sei es mit Schmuckaccessoires oder Frisuren: „Das ist schön: Die Leute lassen sich inspirieren!“

Eule ist derzeit in Arbeit

Während eines Spaziergangs auf dem Rundweg des Golfplatzes im Heestal entdeckte sie auch eine stattliche Baumwurzel, die mit zwei Golfball-Glubschaugen zu Leben erweckt worden war. „Da war für mich klar: Hier muss ich tätig werden!“ Nun grinsen siamesische Drillinge dort in den Himmel. In nicht allzu ferner Zukunft dürfte wohl auch ein Wolf im Siegerland gesichtet werden, eine Eule ist derzeit in Arbeit.
Etwas oberhalb der Struthbornquelle in Eichen bezog vor einiger Zeit eine Art Wandergeselle Stellung: mit Strohhut auf dem Kopf, Krawatte um den Hals, Stecken im nicht vorhandenen Arm. „Ich habe mich sehr gefreut, als ich ihn entdeckt habe“, sagt Lina Dolge und fügt hinzu: „Das war ich nicht! Diesen wunderbaren Kerl habe ich nicht kreiert. Ich wüsste aber zu gerne, wer ihn erschaffen hat!“ Die Siegener Zeitung stellt gerne den Kontakt her!

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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