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Trauer findet keine Ruhe
Mutter darf nicht über Kindergrab entscheiden

Auch 20 Jahre nach seinem Tod lebt der Sohn im Herzen seiner Mutter weiter – über die anstehende Einebnung der Grabstätte aber entscheidet allein der Vater.
  • Auch 20 Jahre nach seinem Tod lebt der Sohn im Herzen seiner Mutter weiter – über die anstehende Einebnung der Grabstätte aber entscheidet allein der Vater.
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js Buschhütten. Kaum mehr als ein halbes Jahr war der kleine Moritz (Name von der Redaktion geändert) auf der Welt, da verlor er auch schon den Kampf um sein Leben. Monatelang hatte der tapfere Bursche auf der Intensivstation der Siegener Kinderklinik verbracht. Kurz nachdem er endlich nach Hause entlassen wurde, verstarb der Säugling. Für die Familie brach eine Welt zusammen. Nach langer Zeit zwischen Hoffen und Bangen war ihr kleiner „Sonnenschein“ nicht mehr da.

Etwas mehr als zwei Jahrzehnte sind seither vergangen. Die Zeit mag einige Wunden geheilt haben, den Verlust ihres Kindes aber hat die Mutter nie überwunden. Umso mehr schmerzt es sie jetzt, dass das Grab ihres kleinen Jungen auf dem Buschhüttener Friedhof demnächst nicht mehr da sein wird.

js Buschhütten. Kaum mehr als ein halbes Jahr war der kleine Moritz (Name von der Redaktion geändert) auf der Welt, da verlor er auch schon den Kampf um sein Leben. Monatelang hatte der tapfere Bursche auf der Intensivstation der Siegener Kinderklinik verbracht. Kurz nachdem er endlich nach Hause entlassen wurde, verstarb der Säugling. Für die Familie brach eine Welt zusammen. Nach langer Zeit zwischen Hoffen und Bangen war ihr kleiner „Sonnenschein“ nicht mehr da.

Etwas mehr als zwei Jahrzehnte sind seither vergangen. Die Zeit mag einige Wunden geheilt haben, den Verlust ihres Kindes aber hat die Mutter nie überwunden. Umso mehr schmerzt es sie jetzt, dass das Grab ihres kleinen Jungen auf dem Buschhüttener Friedhof demnächst nicht mehr da sein wird. Die Ruhefrist für Moritz ist abgelaufen, 20 Jahre waren im vergangenen November vorüber – bei Kindern bis zum vollendeten fünften Lebensjahr endet das Nutzungsrecht nach eben dieser Zeitspanne. Im Herbst dieses Jahres wird die Stadt Kreuztal ihres Amtes walten und die Grabstätte einebnen.

Der Gedanke daran schmerzt die Mutter sehr. Auch wenn sie inzwischen längst das Siegerland verlassen hat und im Rheinland heimisch ist, bedeutet ihr die persönliche Gedenkstätte auf dem Buschhüttener Friedhof viel. Gerne hätte sie es gesehen, dass die Ruhezeit verlängert wird. Noch wichtiger ist ihr aber, dass der Grabstein erhalten bleibt.

In der Hand hat sie das allerdings nicht, denn: „Die Formalitäten hat mein damaliger Mann gemacht“, berichtet sie der SZ. Als alleiniger Unterzeichner ist damit nur er nutzungsberechtigt, so regelt es die Friedhofssatzung – nicht nur – der Stadt Kreuztal. Unter anderem darf er allein darüber entscheiden, wie das Grab gestaltet und gepflegt wird – und eben darüber, was am Ende der Nutzungszeit mit Grabstein und -schmuck geschieht. Auch die Grabmalgenehmigung wurde seinerzeit auf den Mann ausgestellt. Er darf also bestimmen, ob der Gabstein entsorgt werden soll. Genau das könnte nun geschehen.

Der inzwischen volljährige Bruder von Moritz hätte das Nutzungsrecht gern übernommen, berichtet die Mutter, die sich vor Jahren hat scheiden lassen. Das zerrüttete Verhältnis zum Vater bzw. Ex-Mann indes steht diesem Ansinnen nach Angaben der Mutter entgegen. Als sie auf das Ende der Liegezeit aufmerksam gemacht wurde, habe sie ihn angeschrieben mit der Bitte, das Nutzungsrecht zu überschreiben. Auf diesen Wunsch habe er aber bis heute nicht reagiert. Sie gehe davon aus, dass dies auch nicht mehr geschehen werde. Die Hoffnung auf eine „Rettung“ der Grabstätte hat die Wahl-Rheinländerin daher aufgegeben. „Ich könnte mir einen Anwalt nehmen und dagegen vorgehen.“ Dazu aber fehlten ihr die Nerven, räumt sie ein. Vielmehr ist es ihr nun ein Anliegen, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Niemand habe sie seinerzeit darauf hingewiesen, dass es sinnvoll sein könnte, beide Elternteile als Nutzungsberechtigte einzutragen.

Das ist satzungsgemäß möglich, wird nach Aussagen der Stadtverwaltung auch häufig bei Erbengemeinschaften gemacht. „Für die Frau wäre es grundsätzlich möglich, die Nutzungsdauer für die Grabstätte zu verlängern, da das Nutzungsrecht des Ex-Mannes abgelaufen ist“, heißt es aus dem Rathaus. Das müsse allerdings mit dem bisherigen Nutzer abgestimmt werden. Die Verwaltung sei bemüht, in der Sache zu vermitteln und alles, was möglich sei, auch möglich zu machen. Der Bürgermeister selbst habe dies zugesichert.

„Damals hatte ich natürlich andere Sorgen“, blickt die Wahl-Rheinländerin zurück auf die schlimmsten Stunden ihres Lebens. Im Nachhinein habe es sich als Fehler herausgestellt, die Formalitäten aus der Hand zu geben. Schließlich wisse man nie, wie sich die Beziehung zwischen zwei Elternteilen in zwei Jahrzehnten entwickele – insbesondere, wenn das Schicksal so hart zuschlägt wie in ihrem Fall. „Es wäre gut gewesen, wenn das Beerdigungsinstitut mich damals darauf hingewiesen hätte.“ Das sei leider nicht der Fall gewesen, bedauert sie. Zumindest dieses neue Kapitel der Trauer wäre ihr bei einem deutlichen Fingerzeig erspart geblieben.

Die Mutter hat sich nach allem Hin und Her damit abgefunden, dass die Grabstätte ihres Kindes in einigen Monaten eingeebnet wird. Sie hofft nun, dass sie den Grabstein im Anschluss abholen kann, um für ihren Moritz zu Hause eine würdige Gedenkstätte zu schaffen – in ihrem Garten. Dort, wo die Ruhefrist nie ausläuft.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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