Osthelden setzt sich zur Wehr

Dorfgemeinschaft fast geschlossen gegen mögliches Gewerbegebiet »Wolfshagen«

js Osthelden. Solch eine Menschenmasse musste der Ostheldener Bürgertreff seit seiner Errichtung noch nicht »schlucken«. Gut 150 Einwohner des Kreuztaler Ortsteils waren der Einladung ihres Nachbarn Hans Schneider gefolgt, um am Montagabend mit ihrer ersten Bürgerversammlung ein klares Zeichen zu setzen – ein klares »Nein« zu einem möglichen Gewerbegebiet »Wolfshagen«. Über 430 Unterschriften haben Schneider und seine Helfer in ihrem Dorf gesammelt und über Stadtbaurat Eberhard Vogel ins Rathaus geschickt. Schneider: »Das sind 98 Prozent unserer Haushalte.«

Wie die SZ ausführlich berichtete, hatte die Stadtverwaltung kürzlich vier mögliche Gewerbegebiete auf dem gesamten Terrain der Kindelsbergkommune unter die Lupe genommen, um für die vom Arnsberger Gebietsentwicklungsplan gewünschten 27 Hektar für mittelfristige Gewerbeansiedlungen Vorschläge machen zu können. Zwei der »Kandidaten« schieden durch ein Votum der Kommunalpolitik aus, zwei sollen nun näher betrachtet werden: ein Areal auf der Krombacher Höhe und eine Anhöhe oberhalb von Osthelden – der »Wolfshagen«.

Gewerbeareal wäre »Mord am Dorf«

Noch ist nichts entschieden, noch hat der Rat über eine mögliche Zukunft des jetzigen Wiesengeländes zu entscheiden. Und dennoch wollten die Ostheldener mit ihrer Zusammenkunft einen ersten »Pflock« einschlagen. Das in städtischer Grobplanung angedachte 29-Hektar-Gewerbegebiet sei »der Mord am Dorf«, wie ein aufgebrachter Bürger in den Raum warf. Man wolle diesen »unwiederbringlichen Eingriff in die Natur« mit allen Mitteln bekämpfen.

Stadtbaurat Eberhard Vogel erläuterte dem emotional geladenen Plenum, dass die Stadtverwaltung dem Regierungspräsidenten (RP) Vorschläge machen wolle. »Arnsberg favorisiert zurzeit ein interkommunales Gewerbegebiet mit Freudenberg auf der Wilhelmshöhe«, erklärte Vogel. Das sei aus Kreuztaler Sicht nicht das Nonplusultra, eine Alternative müsse her. Aber selbst wenn sich der Rat am Ende für den »Wolfshagen« entscheiden sollte, sei das Gewerbegebiet noch nicht in trockenen Tüchern. »Schließlich müssten wir dann noch den RP überzeugen.«

Entschieden ist also noch nichts. Dennoch echauffierten sich der Diskutierfreudigen über einen »mangelhaften« Informationsfluss. »Wieso erfahren wir erst so spät davon?«, wollte so mancher Ostheldener wissen und erhob damit direkte Vorwürfe an die (anwesende) Kommunalpolitik. Die wollte sich diesen Schuh jedoch nicht anziehen und betonte, dass die bisherigen Debatten niemals heimlich stattgefunden hätten. Ein klares Bekenntnis gegen Gewerbe auf dem »Wolfshagen« hatte allerdings nur die Grünen-Fraktion ihrem Vertreter Dr. Bernhard Kraft mit auf den Weg gegeben. Die beiden–»Großen«, SPD und CDU, hätten sich der Sache noch nicht angenommen, wie Bernd Meichelböck und Franz-Josef Kordes berichteten. Sie beide seien eindeutig gegen dieses Areal, das sei aber nur ihre persönliche Meinung.

»Uns ist klar, dass dieses Gebiet nicht ideal ist«, erinnerte Eberhard Vogel an die Formulierungen aus der strittigen Verwaltungsvorlage zum Thema. Die Verkehrsanbindung sei nicht ideal, die Wohnbebauung nah, das Landschaftsbild gefährdet, Konflikte mit der Landwirtschaft seien vorhersehbar – dennoch müsse die Kommune den heimischen Unternehmen Rerserveflächen bieten können. Vogel: »Es geht hier um Arbeitsplätze.«

Die Ostheldener jedenfalls wollen von nun an deutlich machen, dass sie »zwar spät, aber schließlich doch noch wach geworden sind«. Bei der kommenden Sitzung des Infrastrukturausschusses am 12. Juni um 17 Uhr in der Weißen Villa wollen sich viele der am Montag Anwesenden ins Publikum setzen und den Politikern auf die Finger schauen.

Verwaltung plant weitere Alternative

Möglicherweise wird sich das Thema »Wolfshagen« allerdings schon vor der Ausschusssitzung erledigt haben. Stadtbaurat Vogel deutete bei der Versammlung an, dass die Verwaltung an einer Alternative arbeite. Welche das sei, wollte er aber auch gestern beim Nachhaken der Siegener Zeitung nicht verraten. Vogel: »Warten Sie’s ab!«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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