Pferdekutsche auf kaiserlicher Tour

Mit zwei »PS« auf Sissis Spuren:

Nach Feuer und Hufbruch: Ilona und Peter Münker reisen 800 km von Augsburg bis Budapest

nja Krombach. Hanna und Henriette sind wieder top-fit, scharren sozusagen mit ihren Besitzern, dem Krombacher Ehepaar Ilona und Peter Münker, mit den Hufen, um nach dem langen Winter nun endlich wieder warme Frühlingsluft zu schnuppern, ihrem Bewegungsdrang freien Lauf lassen zu können. Dazu haben die beiden sieben Jahre alten Kaltblutstuten bald wieder ausreichend Gelegenheit: Münkers befinden sich gerade in der heißen Phase der Vorbereitung einer weiteren abenteuerlichen Tour. In ihrer Pferdekutsche, gezogen von Hanna und Henriette und begleitet von ihrem Siegerländer Hütehund Mohr, begeben sich die Krombacher auf die so genannte »Sissi-Route« von Augsburg bis nach Budapest. Eine Hommage sozusagen an jene Wittelsbacherin (1837 bis 1898), die als Kaiserin Sissi in Legenden bis heute viele Menschen fasziniert.

Los geht es am Himmelfahrtsfeiertag, das ist der 25. Mai, in Dasing bei Augsburg. Dorthin werden die Pferde im Anhänger gebracht, der schmucke »Zigeunerwagen« der Münkers – mit ihm reisten sie 2003 bereits 600 Kilometer weit bis nach Berlin (die SZ berichtete) – wird von einer Spedition in das bayerische Städtchen gebracht. Sodann liegen rund 800 Kilometer vor dem Nordsiegerländer Quintett, die umweltfreundliche auf Nebenstraßen mit »zwei PS« zurückgelegt werden. Sechs Wochen haben Münkers für diese Tour eingeplant, längere Pausen, z.B. in Wien, sind dabei mit eingerechnet.

Wo (natürlich rustikal im Wagen) übernachtet wird, steht neben der genauen Route auch schon fest; Münkers haben Kontakt zu Reiterhöfen geknüpft, deren Besitzer sich schon auf den außergewöhnlichen Besuch freuen. »25 bis 35 Kilometer, je nach Steigung, wollen wir am Tag zurücklegen«, erzählt der 63-jährige Peter Münker jetzt bei der SZ-Visite. Fünf Stunden werde man täglich wohl mit vier bis sechs km/h unterwegs sein. Hinzu kommen Erholungspausen für Mensch und Tier. Einige der Stationen sind Bad Füssing (6. Juni), Maria Anzbach (18. Juni), Wien (21. Juni), Bruck an der Leitha (26. Juni), Budapest (2. Juli) und schließlich Gödöllö, wo das Abenteuer nach einer Woche Aufenthalt am 10. Juli zu Ende gehen wird.

Eigentlich war diese Sissi-Tour schon vor zwei Jahren geplant. 2004 jedoch wurde der »Zigeunerwagen« bei einem Hallenbrand in Krombach stark beschädigt (die SZ berichtete), und im vergangenen Jahr brach Henriette genau sechs Tage vor der geplanten Abfahrt ein Huf aus. »Da ging natürlich nichts mehr«, erinnert sich Ilona Münker. Es folgte eine langwierige Behandlung. Nun aber sind Mensch und Tier fit. Hanna und Henriette werden regelmäßig tierärztlich untersucht, wurden im März noch geimpft, werden einen Tag vor der Abreise noch einmal eingehend medizinisch gecheckt; auch der Kreisveterinär hat dann sein Kommen angesagt. Schließlich passieren Münkers die Landesgrenze, und dafür sind besondere Dokumente vonnöten. Für Mensch und Tier wird noch eine Reiseapotheke zusammengestellt, die für die Vierbeiner u.a. Kühlkissen, Verbände, Salben und Elektrolyte beinhaltet.

Die Krombacher haben sich Nebenstrecken mit möglichst wenig Verkehr ausgesucht, um entspannt die Landschaft genießen zu können. Dennoch ist die Tour nicht »ohne«: »Das Anstrengendste ist für uns natürlich das stundenlange Sitzen auf dem Bock. Und dann müssen wir jede Sekunde aufpassen – auf die Pferde, auf den Verkehr vor und hinter uns. Und das ständige Zügelhalten geht ganz schön in die Schultermuskulatur«, erzählt Ilona Münker, die heute ihren 61. Geburtstag feiert. Zum Ausgleich werden zwischendurch Nordic-Walking- und Fahrrad-Einheiten eingelegt. Die »Drahtesel« sind mit im Gepäck.

Auf der anderen Seite freut sich das Ehepaar natürlich auf diese beschauliche, langsame Art des Reisens, die das Erleben der Natur auf ganz eindringliche Weise ermöglicht. »Und dann werden wir sicherlich wieder viele nette Menschen kennen lernen«, freuen sich die Krombacher.

Nun steht fast täglich ein Trainingsprogramm an, damit die Fitness noch verbessert wird. Und Hütehund Mohr erhält noch ein paar »Schuhe«, denn sein Bewegungsdrang ist kaum zu bremsen. Er legt aber natürlich nicht die komplette Strecke auf seinen Pfoten zurück. Der siebenjährige gebürtige Zeppenfelder fühlt sich auch auf dem »Bock« pudelwohl.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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