Rechtsextreme Ideen gären in Gruppen

Info-Abend in ev. Gemeinde Kredenbach:

Staatsschutz-Kommissar berichtete / Jugendliche besonders empfänglich

Kredenbach. Hakenkreuze erhellen die Nacht, geformt von Menschen mit Fackeln in den Händen. Bilder von Bürgern, die Hitler während seiner Stadtfahrten umjubeln. Diese erschreckenden Eindrücke gehen fließend über zum Anblick eines Jugendlichen mit Vollglatze und Springerstiefeln mit weißen Schnürsenkeln, der auf Demonstrationen ausländerfeindliche Fahnen schwenkt. Mit dem Satz »Keine zweite Chance für Unbelehrbare« endet ein Kurzfilm beim Info-Abend gegen Rechtsextremismus im Gasthof Merje in Kredenbach. Michael Weber, Pfarrer z.A. im Kreiskirchenamt, und die ev. Kirchengemeinde in Kredenbach hatten gemeinsam mit Kriminaloberkommissar Roger Kuhn vom Staatsschutz aus Hagen den Abend organisiert.

Anlass dafür war die Beobachtung Webers von Jugendlichen innerhalb der Gemeinde, die rechtes Gedankengut propagieren und das durch ihr Äußeres zum Ausdruck bringen. Diese Jugendlichen nehmen auch an der offenen Jugendarbeit teil, versuchen die nicht Gleichgesinnten zu überzeugen, weshalb es oft zu Diskussionen innerhalb der bunt gemischten Gruppe und den Betreuern kommt. Ein anderer Diskussionspunkt: die von Kuhn als »dumpfe, aggressive Rockmusik mit ausländerfeindlichen Texten« beschriebene Musikrichtung, die die rechtsextremen Jungen auch im Jugendtreff hören wollen. Dafür haben Weber und seine Kollegen, ebenso die anderen Jugendlichen, absolut keine Toleranz.

Mit diesem Informationsabend sollte auch auf wichtige Kleinigkeiten aufmerksam gemacht werden, um vor allem Eltern zu zeigen, was sie dagegen tun können. Tage zuvor war diese Veranstaltung bereits nur für die Jugendlichen selbst abgehalten und auch von Rechtsextremen besucht worden. »Ich hatte schon das Gefühl, dass das den einen oder anderen Rechten zum Nachdenken gebracht hat«, berichtete Pfarrer Weber. Die Veranstaltung in Kredenbach war Teil einer Vortragsreihe, die vom Staatsschutz auf jede Zielgruppe passend entwickelt wurde und auch andernorts in NRW abgehalten wird, so Kommissar Roger Kuhn. Hinter dem Begriff »Staatsschutz« verbirgt sich eine beim Polizeipräsidium Hagen eingesetzte Abteilung, die politisch motivierte Straftaten untersucht – auch im SI-Kreis.

Wie Kuhn mit Hilfe einer Power-Point-Präsentation für die Zuhörer anschaulich darstellte, ist ein Rückgang der fremdenfeindlichen Straftaten festzustellen. Der Grund liege in der verstärkten Aufklärung über das Thema Rechtsextremismus. Zugenommen habe hingegen die Anzahl der Propagandadelikte, zu denen z.B. Hakenkreuzschmierereien gehören.

Rechtsextremismus habe viele Folgen. Er führe nicht nur zur Verunsicherung der ausländischen und deutschen Bevölkerung, sondern auch zu einer Ansehensschädigung der Bundesrepublik im Ausland. Gründe für Fremdenfeindlichkeit lägen allerdings nicht, wie oft vermutet, im Hass gegen Ausländer, sondern seien größtenteils in Elternhäusern und dem Freundeskreis zu finden. Innerhalb der Familie könne Arbeitslosigkeit der Eltern dazu führen, dass soziale Benachteiligung gegenüber Ausländern auch Kindern bewusst oder unbewusst mitgeteilt werde. Auch Kommentare der Großeltern im Stil »damals war alles besser« vermittelten Kindern den falschen Eindruck, dass Ausländer an allem Schuld seien.

Eine andere soziologische Grundlage für Rechtsextremismus: Am Anfang stehe der Spaß am Auffallen als Punk, Musik hören, sich mit Gleichaltrigen treffen, Alkoholorgien kämen hinzu. Das Einstiegsalter betrage etwa 12 bis 14 Jahre. Meist zögen Ältere die Jüngeren mit in die rechte Szene. Weber beschreibt deren Verhalten als sehr unreflektiert und pubertär. Auch er beobachtet in Kredenbach das Zusammensein von durchschnittlich Sechzehnjährigen mit deutlich Älteren, die sie in den »rechten Sog« mitziehen.

Dieses Verhalten könnte auch eine Mutter aus dem näheren Umland bestätigen, deren zwei Söhne sich zu ihrer Ausländerfeindlichkeit bekennen. Durch die Teilnahme an dem Abend wollte sie erfahren, was sie als Mutter dagegen leisten könne, da sie sich bereits Hilfe suchend an die Polizei und das Jugendamt gewandt habe, dort aber nach eigener Aussage keinen Rückhalt erfahren habe.

Zusehends gestaltet sich das Internet zu einem Problem für die Behörden, die Rückverfolgung rechtsradikaler Inhalte sei sehr schwer; die meisten Seiten kämen aus Großbritannien und den Vereinigten Staaten, berichteten die Referenten. Auch in Siegen gebe es eine Gruppe bekennender Rechtsextremer mit Homepage und Verweisen auf amerikanische »Freunde«. Einer der Verantwortlichen für diese Seite sei kürzlich ausfindig gemacht und zu zehn Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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