Religionsfreiheit ist unantastbar

Diskussionsabend der Kolpingsfamilie Krombach zum Thema »Symbole des Glaubens«

matz Krombach. Vor einiger Zeit begann in Deutschland eine Debatte, ob das Tragen von Kopftüchern durch Lehrerinnen in Schulen rechtens sei, während gleichzeitig christliche Symbole in Frage gestellt werden. Für die Kolpingsfamilie Krombach der Grund, diese Debatte am Freitagabend einmal näher zu beleuchten. »Symbole des Glaubens in den Schulen« lautete daher das Thema des Diskussionsabends. Doch auf so einen kleinen Ausschnitt wollte Martin Assauer, Pastor der kath. Kirchengemeinde St. Augustinus Keppel und Referent des Abends, das Thema nicht begrenzen. Er setzte »viel grundsätzlicher« an und wollte »es auch im Grundsätzlichen belassen«, weil es jede Einzelheit wert sei, im Speziellen betrachtet zu werden.

»Der Kopftuchstreit entzündete sich an einem Stückchen Stoff«, leitete Assauer vor leider nur wenigen Zuhörern ein. »Dieses Stückchen Stoff ist aber ein Symbol« mit »fast schon ungeheuerlicher Sprengkraft«. Was aber sind Symbole?

»Wir begegnen ihnen täglich«, erklärte der Pastor. »Ohne sie würden wir unser Leben nicht mehr verstehen.« Beispiel: die Schilder auf der Straße. »Um aber die Symbole zu verstehen, bedarf es einer übereinstimmenden Sprachregelung.« Das bedeute, es müsse einen gemeinsamen Konsens geben. Oder laut Assauer: »Ein Gegenstand bekommt eine übergeordnete Bedeutung, eine zweite Ebene.«

Ein gutes Beispiel sei der abgegriffene Lieblingsteddy der Kinder. Er nicht zu ersetzen, weil er auf der zweiten Ebene zum Symbol des Trostes, der Geborgenheit geworden sei. Zweites Beispiel: die Flaggen der Staaten – ebenfalls ein Stückchen Stoff mit verschiedenen Farben. Assauer: »Weil dieses Stückchen Stoff aber eine zweite Ebene erreicht hat, erregt es Aufsehen, wenn z.B. eine Flagge verbrannt wird.« Die Folge: »Wir brauchen Symbole, um auf eine gemeinsame Ebene zu gelangen, um Verständigung zu erlangen.« Die erste werde mit einer zweiten Ebene zusammengeführt. Jedoch müsse man mit Symbolen aufpassen, warnte Assauer. »Sie können gefährlich werden.« Das wisse die deutsche Geschichte nur zu genau.

»Christliche Symbole ziehen ihre besondere Bedeutung daraus, dass sie aus unserer Welt genommen sind, aber mit einer anderen, göttlichen Welt zu tun haben«, referierte der Dahlbrucher Geistliche. »Das macht sie gut und wichtig, aber auch angreifbar.« Generell zeigten die zahlreichen Symbole in der Kirche, in der Verkündigung, in der Liturgie und »in Höchstform« als Sakramente, dass man, bevor man die Symbole erkenne, erst einiges an Vorwissen haben müsse. Das fange mit Kerzen an, gehe über die Darstellung von Heiligen und ende bei der Bauweise einer Kirche. Assauer: »Die Symbole im christlichen Sinne beginnen ein Stück weit, unser Leben zu ändern.«

Doch auch für die Kirche gelte: »Ein Symbol muss durchschaubar sein, muss Transparenz beweisen.« Erst dann sei zu erkennen, dass in ihm mehr stecke. »Das Ursakrament, das Ursymbol des Glaubens ist Jesus Christus«, erläuterte Assauer. »Das macht deutlich, was die göttliche Liebe im Leben eines Menschen bewirken kann: dass das menschliche Leben auch eine göttliche Dimension haben kann.«

»Was also bedeutet es, wenn ich mein Symbol zeige?«, fragte Assauer in die Runde. »Es kann Menschen verletzen.« Das gelte ebenso für das Kreuz wie für das Kopftuch. Nun habe eine Kopftuch-tragende Muslimin in Baden-Württemberg als Lehrerin verbeamtet werden sollen, erinnerte Assauer an den Beginn des »Kopftuchstreits«. Unter der Bedingung, dass sie ihr Kopftuch abnehme. Später habe das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass es sich bei dem Kopftuch um ein religiöses Symbol handele, die Religionsfreiheit auf dem Spiel stehe.

»Die Frage ist: Welche Entscheidung kann ich treffen, ohne dass die Religionsfreiheit betroffen ist?«, gab Assauer zu bedenken. »Denn solch eine Entscheidung trifft uns eines Tages auch.« In Berlin sei beispielsweise in der Konsequenz das Tragen jeglicher religiöser Symbole verboten. »Was aber, wenn eine Nonne oder ein Pater an einer Schule unterrichtet – möglichst noch Politik?«

Die klassische Begründung für ein Kopftuchverbot ist die christlich abendländische Tradition. Assauer atmete tief durch. »Ich bin durchaus dafür, dass das Kreuz gezeigt wird. Es ist aber ein ganz heikles Thema, die Religionsfreiheit nicht einzuschränken.« Werde das Kopftuch jedoch als gesellschaftliches oder politisches Symbol benutzt, sei das etwas anderes. Assauer: »Wir können uns darüber ärgern, dass bei uns Moscheen gebaut werden, aber keine Kirchen in islamischen Ländern, dass hier der Koran gelesen wird, ich aber keine Bibel nach Saudi-Arabien mitnehmen darf.« Die Religionsfreiheit bleibe trotzdem unantastbar. »Sie kommt auch uns zugute.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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