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Zusammenhang von Industrie und Gewässerreinheit unbestreitbar
Saubere Bäche, viel Fisch …

Idyllisch: die Ferndorf in Ferndorf (eine Aufnahme von 2004)!
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  • Idyllisch: die Ferndorf in Ferndorf (eine Aufnahme von 2004)!
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sz - Die Nase ist der Fisch des Jahres 2020. ASV arbeitet mit an Artenschutzprogrammen  in Kreuztaler Gewässern.
sz Kreuztal.  Auch in unserer kulinarisch eher wenig experimentierfreudigen Region war Fisch ein Teil des Speiseplans, in früheren Jahrhunderten als günstiges Nahrungsmittel, später eher für die Betuchteren. Fastenvorschriften und daraus resultierende Essgewohnheiten sorgten dafür. Aber Umwelt-, bzw. Gewässerverschmutzung machten seit dem 19. Jahrhundert den Genuss schwierig, wie der Bericht von Hans Dieter Krause über die Lage der Gewässer in und um Kreuztal zeigt.
Bis ungefähr 1840 waren die Gewässer Ferndorf, Littfe und Heesbach noch so sauber, dass die Fischerei auf Forellen, Aale und Krebse gute Ergebnisse brachten.

sz - Die Nase ist der Fisch des Jahres 2020. ASV arbeitet mit an Artenschutzprogrammen  in Kreuztaler Gewässern.
sz Kreuztal.  Auch in unserer kulinarisch eher wenig experimentierfreudigen Region war Fisch ein Teil des Speiseplans, in früheren Jahrhunderten als günstiges Nahrungsmittel, später eher für die Betuchteren. Fastenvorschriften und daraus resultierende Essgewohnheiten sorgten dafür. Aber Umwelt-, bzw. Gewässerverschmutzung machten seit dem 19. Jahrhundert den Genuss schwierig, wie der Bericht von Hans Dieter Krause über die Lage der Gewässer in und um Kreuztal zeigt.
Bis ungefähr 1840 waren die Gewässer Ferndorf, Littfe und Heesbach noch so sauber, dass die Fischerei auf Forellen, Aale und Krebse gute Ergebnisse brachten. Zwar lagen die Fischrechte meistens noch in den Händen des Landadels, es wurde aber schon um 1800 geschrieben: „Was die Bäche und Deiche (Teiche) an Hechten, Forellen, Karpfen, Bärschen (Barsche) und Aalen ec. liefern, wird bloß den Reichen zuteil. Die geringere Classe findet daher in der Fischerei weder einen Erwerbszweig noch ein Nahrungsmittel.“
Berichte aus dem Jahr 1700 besagen, dass die Littfe bekannt war für gute Forellen und Krebse, aber nur bis zum Eichener Stahlhammer. Von da ab war das Gewässer für die Fischerei nicht mehr geeignet, aus diesem Grund gibt es auch keine Berichte über Lachse in der Littfe.
Ebenso war der Heesbach zu dieser Zeit auch ein gutes Forellen- und Krebsgewässer. Um 1830 hat ein Herr Becker aus Hilchenbach beobachtet, dass noch Lachse und Meerforellen mit Gewichten bis 15 Pfund zum Laichen in die Ferndorf bis Hilchenbach aufstiegen. Aufgrund dieser Berichte hat man 1987 das Wiedereinbürgerungsprogramm für Wanderfische für die Sieg und ihre Nebengewässer angestoßen.

Früher gab es so viel Lachs, dass er nicht  zu oft auf den Tisch kommen durfte!

In einem Bericht aus dem Jahr 1760 ist zu lesen, dass man in der Ferndorf, in Höhe des Gutes Langenau, an einer Furt aufsteigende Lachse und Meerforellen gespeert hat (die Lachse wurden mit einem Speer, der mit Widerhaken versehen ist, gestochen). Offenbar war der Fischreichtum in früheren Jahrhunderten so groß, dass um 1500 festgelegt wurde, dass „Herrschaften ihren Bediensteten höchstens zweimal pro Woche Lachs vorsetzen dürfen“. Was heute eine Delikatesse ist, war damals „Arme-Leute-Essen“.
Um das Jahr 1875 stellte man aber dann fest, dass die guten Krebsbestände rasant abnahmen. Ursache war die sogenannte Krebspest, eine Viruserkrankung. Diese Krebspest wurde von nicht-heimischen, amerikanischen Krebsen übertragen, die das Virus in sich tragen, dagegen aber immun sind, während das Virus für andere Arten verheerende Folgen hat. Sie waren in Unkenntnis diese Problems in die heimischen Gewässer eingesetzt worden.
Dazu kamen andere Probleme, die Wasserqualität betreffend. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Industrie in den Tälern von Ferndorf und Littfe immer stärker. Das machte sich durch immer stärkere Verschmutzungen und Belastungen der Fließgewässer bemerkbar. Die Ferndorf war schon um 1860 so stark verschmutzt und vergiftet, dass sie von Hilchenbach bis Weidenau für die Fischerei nicht mehr geeignet war! Auch in der Schenkschen Statistik von 1893 wurde von der schlechten Wasserqualität des Littfebaches geschrieben. In einem Bericht um 1905 wurde heißt es: „Aus der Ferndorf quoll eine dicke, schmutzig gelbe Brühe, deren Oberfläche von einer mit allen Farben schillernden Fettmasse überzogen war, bis in die Sieg bei Weidenau.“

Im 19. Jahrhundert waren Verschmutzungen Alltag

Dr. H. H.Wundsch hat 1915 die Sieg und deren Nebenflüsse untersucht. Er schrieb über die Ferndorf: „Die Farbe des Wassers ist dunkelbraun, der Grund ist durch Eisenoxid gefärbt. Als Fischwasser ist die Ferndorf erledigt!“
Die Vergiftungen und Verschmutzungen waren bis in die 1970-Jahre zu beobachten! Diese Situation änderte sich für die Ferndorf erst mit dem Bau von Kläranlagen (ab 1968). Damit verbesserte sich die Wasserqualität der Ferndorf von mangelhaft auf befriedigend. So konnten die Fischereigenossenschaft und deren Pächter endlich an den Aufbau der Fischerei mit Besatzfischen denken.

Gewässerqualität ist heute gut

Heute haben unsere Fließgewässer in den Quellbereichen die Güteklasse sehr gut und in den weiteren Verläufen durchschnittlich Güteklasse gut. Die Littfe und der Heesbach haben weiterhin eine gute Wasserqualität.
Der Erstbesatz für die Ferndorf mit Fischen aus Rheinaltarmen wurde 1977 von der Fischereibehörde des Kreises vorgenommen. So konnten die Fischereipächter endlich auch mit den immer wiederkehrenden Fischsterben die Gewässervergiftungen beweisen, weil vor dem Fischbesatz immer gesagt wurde, es sei nichts passiert, es sei ja kein Schaden entstanden!
Die weiteren Besatzmaßnahmen wurden von der Fischereigenossenschaft und deren Pächtern übernommen, allerdings mit Fischarten, von denen bekannt war, dass sie in heimischen Gewässern vorkamen: Kleinfische, Bachforellen, Lachse, Barben, Nasen und Edelkrebse. Mittlerweile vermehren sich 15 Fischarten in der Ferndorf, Littfe und im Heesbach von selbst.
Für den Artenschutz der Bachforelle hat 1982 der Angelsportverein (ASV) Ferndorftal 2500 Bachforellen als Erstbesatz in die Ferndorf eingesetzt. Später hat die Fischereigenossenschaft weitere Besatzmaßnahmen zur Unterstützung der Bachforelle und der Kleinfische vorgenommen.

Viele Naturschutzmaßnahmen von Angelfreunden

1993 wurde mit 800 Nasenbrütlingen der erste Nasenbesatz für die Ferndorf getätigt, 1999 wurde noch einmal ein Besatzversuch mit 100 laichfähigen Nasen aus der Sieg bei Wissen unternommen. Diese Nasen breiten sich erfolgreich in der Ferndorf und Littfe aus. Die Nase bekam ihren Namen wegen ihrer wulstig vorstehenden Schnauze, ihre Nahrung besteht aus Algenaufwuchs auf Steinen, den sie abweidet. Früher war die Nase eine Massenfischart, die stark genutzt wurde. In früheren Jahren wurde die Nase auch Makrele genannt. Die Nase ist der Fisch des Jahres 2020.
Als weitere Fischart aus dem Artenschutzprogramm wurde ein Besatzversuch mit der Barbe unternommen. 1992 erhielt der ASV 15 laichfähige Barben aus der Sieg bei Wissen, auch die Barbe verbreitet sich erfolgreich in der Ferndorf und Littfe.
Dann wurde der Lachs in das Programm aufgenommen. 1999 bekam die Fischereigenossenschaft 7000 Lachsbrütlinge aus dem Wanderfischprogramm als Erstbesatz für die Ferndorf.
Mittlerweile besetzt das Wanderfischprogramm mit der Fischereigenossenschaft bis 50 000 Brütlinge jährlich in die Ferndorf und Littfe, in der Hoffnung, dass diese kleinen Lachse als große laichfähige Lachse in drei bis vier Jahren zurückkommen.
Zum Lebenslauf der Lachse: Der Lachs ist ein sogenannter Wanderfisch, d. h. die jungen Lachse, die aus den Laichplätzen in den Oberläufen geschlüpft sind, wandern nach zwei bis drei Jahren in die Nordsee. Von der Nordsee weiter bis zu den reichen Nahrungsgründen vor Grönland, wo sie sich von den reichlichen Fischvorkommen ernähren. Nach rund vier Jahren kehren sie mit einem Gewicht von mehr als zehn Pfund zurück und finden genau das Gewässer wieder, in dem sie aus dem Ei geschlüpft sind.
Das ist allerdings in den oberen Sieggebieten nicht möglich, da in Rheinland-Pfalz in der Sieg noch vier Wehre vorhanden sind, die ein Aufwärtswandern der Laichlachse unmöglich machen. Das gleiche Problem besteht für die zwei- bis dreijährigen, 20 bis 25 Zentimeter großen Lachse, die zur Nordsee wollen: Da in den vier Wehren Turbinen zur Stromerzeugung laufen, werden bei der Abwanderung der Lachse mehr als 50 Prozent der Lachse in den Turbinen zerhackt! Seit mehr als zehn Jahren versuchen die Fischereigenossenschaften der oberen Siegkommunen, die Durchgängigkeit zu erreichen, bis jetzt ohne Erfolg!
Diese Durchgängigkeit hat die Stadt Kreuztal mit der Fischereigenossenschaft für ihre Gewässer erreicht. 2019 wurde das letzte Wehr in der Ferndorf abgerissen. Somit sind im Raum Kreuztal 45 Wehre und Sohlabstürze durchgängig gestaltet worden. Hier haben die Wanderfische die besten Chancen.
Im August 1984 erhielt die Fischereigenossenschaft 20 Edelkrebse für ihr Artenschutzprogramm in der Ferndorf von Krebszüchter Häbel (Deuz). In den folgenden Jahren wurden von der Fischereigenossenschaft weitere 500 Edelkrebse von Krebszüchter Max Keller aus Augsburg und 200 Edelkrebse von Krebszüchter Feldhaus aus Albaum gekauft, die alle in die Ferndorf und Littfe ausgesetzt wurden. Der Edelkrebs vermehrt sich in den Fließgewässern gut. Es gibt nur ein Problem: Im Raum Allenbach und Stift Keppel ist der Amerikanische Signalkrebs festgestellt worden. Da diese Krebsart Träger der Krebspest ist, wird es nicht mehr lange dauern, bis diese Krebsart in den Kreuztaler Gewässern den Edelkrebsbestand vernichtet!

Flussbegradungen ein Problem

Die Ferndorf wurde 1985 für das neue Industriegebiet auf einer Länge von circa drei Kilometern verlegt. Die ehemals mäandrierende Ferndorf wurde aus ihrer Tallage in eine hochwasserfreie, begradigte und leichte Hanglage verlegt. Dieser in Steinschüttung und Steinstickung verlegte neue Verlauf der Ferndorf hat für die Fischerei große Nachteile gebracht. Zum Beispiel: Der sehr gradlinige Verlauf führt zu einer höheren Fließgeschwindigkeit, die selbst bei mittlerem Hochwasser bis zu 3 m/Sek. betragen kann. Diese durchgängig höheren Fließgeschwindigkeiten können selbst die Lachse nicht überwinden, noch weniger überstehen das die Kleinfische und die Kleintierchen!
Damit die höheren Fließgeschwindigkeiten keine Uferausspülungen verursachen, wurde das Ufer mit einer massiven und für das Gewässer nachteiligen Steinschüttung gesichert. Die sogenannten Tosbecken wurden mit einer Steinstickung ausgekleidet. Es fehlen die Kieslaichgebiete, die im alten Verlauf der Ferndorf reichlich vorhanden waren. In dem alten Flusslauf der Ferndorf befanden sich große Flusskiesvorkommen, diesen Flusskies brauchen die Salmoniden zum Laichen.
Im Zuge der Wasserbaumaßnahmen sollten diese großen Kiesvorkommen aus dem alten Verlauf der Ferndorf entnommen und in den neuen Verlauf der Ferndorf wieder eingebracht werden. Der Kies wurde leider nicht entnommen, sondern der neue Gewässerverlauf wurde mit Schotter verfüllt und festgefahren! Dies alles wirkt sich auch heute noch sehr nachteilig auf das Ökosystem aus.
Im Jahr 1992 begannen die Umlegung und der Ausbau der Littfe im Zuge der neuen Abfüllanlage für die Krombacher Brauerei. Die Littfe wurde verlegt und begradigt, mit denselben Fehlern und Problemen wie bei der Verlegung der Ferndorf.
Nach den erwähnten Arbeiten und Besatzmaßnahmen wollen die Pächter auch hier und da mal einen Fisch fangen, wobei selbstverständlich das Fischereigesetz im Vordergrund steht, mit Mindestmaßen und Schonzeiten usw. Lachs und Edelkrebs haben eine ganzjährige Schonzeit, ebenso die Kleinfische wie Elritze, Koppe, Schmerle und Neunauge. Für alle anderen Fischarten gelten Mindestmaße und Laichschonzeiten. Die Bachforelle ist bei den Anglern der begehrteste Fisch, seltener die Äsche, Barsch oder Döbel. In den letzten Jahren hat der Kormoran die Kreuztaler Gewässer entdeckt, auch werden seit einiger Zeit vermehrt Fischwilderer an den Gewässern festgestellt, die nach Möglichkeit von der Fischereiaufsicht verfolgt und zur Anzeige gebracht werden.
So zeigt sich, dass die Fischerei in Kreuztal einen hohen Stellenwert hatte und auch heute noch hat. – Des Anglers Wahlspruch heißt: Wasser bringt Leben, ohne sauberes Wasser läuft nichts!
Für die Fischereigenossenschaft Kreuztal:  Hans Dieter Krause

Autor:

Redaktion Kultur

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