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Baustelle an der B508 (mit Kommentar)
Schleichweg sorgt bei Anwohnern für Frust

Marianne Eldner reicht es: Seit Wochen schon schieben sich massenweise Autos durch die schmale Weiherstraße – der Schleichverkehr um die B-508-Baustelle herum ist für zahlreiche Anwohner in Dahlbruch und Kredenbach eine immense Belastung.
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  • Marianne Eldner reicht es: Seit Wochen schon schieben sich massenweise Autos durch die schmale Weiherstraße – der Schleichverkehr um die B-508-Baustelle herum ist für zahlreiche Anwohner in Dahlbruch und Kredenbach eine immense Belastung.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

js Dahlbruch/Kredenbach. Stillstand kann Autofahrer zur Raserei bringen. Geduld hinterm Lenkrad ist nicht einmal im entschleunigten Corona-Jahr eine Trendsetter-Tugend. Ruhig und gelassen im Stau stehen und auf grünes Licht warten? Im Ferndorftal gehört das bereits seit Monaten dazu; wandernde Bauabschnitte bremsen den Fluss auf der B 508 nachhaltig aus – in den kommenden Jahren wird sich das nicht maßgeblich ändern. Der Frust der Betroffenen steigt, und das längst nicht nur im Stau.
Widerstand formiert sich nun auch in den Wohngebieten in Lohe – dem Grenzgebiet zwischen Dahlbruch und Kredenbach.

js Dahlbruch/Kredenbach. Stillstand kann Autofahrer zur Raserei bringen. Geduld hinterm Lenkrad ist nicht einmal im entschleunigten Corona-Jahr eine Trendsetter-Tugend. Ruhig und gelassen im Stau stehen und auf grünes Licht warten? Im Ferndorftal gehört das bereits seit Monaten dazu; wandernde Bauabschnitte bremsen den Fluss auf der B 508 nachhaltig aus – in den kommenden Jahren wird sich das nicht maßgeblich ändern. Der Frust der Betroffenen steigt, und das längst nicht nur im Stau.
Widerstand formiert sich nun auch in den Wohngebieten in Lohe – dem Grenzgebiet zwischen Dahlbruch und Kredenbach.

Anwohner haben die Nase voll

Während sich auf der Bundesstraße zu Spitzenzeiten die stehenden Autos Stoßstange an Stoßstange aneinanderreihen, suchen andere Fahrer den Schleichweg über diverse Nebenstraßen. Und genau dort haben die Anwohner die Nase voll. Sie ärgern sich darüber, dass ihre schmalen Straßen unter dem Durchgangsverkehr ächzen. Nicht nur die Fahrbahnen leiden unter dieser Belastung, auch die Bürger, die kaum noch aus ihren Einfahrten kommen und die schon so manche brisante Situation erlebt haben.
Eine von ihnen ist Marianne Eldner. Die Dahlbrucherin, die an der Weiherstraße kurz vor dem Naturschutzgebiet Loher Tal wohnt, möchte die Notbremse ziehen. Vielfach sind Autos beim Begegnungsverkehr auf der engen Fahrbahn auf ihre Einfahrt ausgewichen, seien ihr und anderen Fußgängern dabei gefährlich nah gekommen. Ein Autofahrer habe einen Pfosten angefahren und beschädigt. Darauf angesprochen, sei er aggressiv geworden. „Mir wurden sogar Prügel angedroht!“

Kleine Maßnahmen erreicht

Mehrfach schon hat sich Marianne Eldner an die Behörden gewendet, ans Hilchenbacher Rathaus und nun auch an den Landrat. Ein paar kleine Maßnahmen hat sie bereits erreichen können – etwa eine Tonnagebeschränkung oder gelegentliche Kontrollfahrten. Baken vor der Mauer sollen Unfällen entgegenwirken. Die weiträumig zur Entlastung der beiden parallel laufenden Baustellen in Kredenbach und Allenbach eingerichtete Umleitung über Unglinghausen sei wenig hilfreich. Sie sei siebenmal länger als die Schleichwegroute, komme für viele Fahrer daher nicht infrage. Es herrscht also weiterhin Hochbetrieb auf den engen Straßen.

Petition an den Landrat

Marianne Eldner hat nun ihre weiträumige Nachbarschaft hinter sich versammelt. In einer Petition an den Landrat, unter die zurzeit eifrig Unterschriften gesetzt werden, meldet sie dringenden Handlungsbedarf an. „Wir müssen ja noch mindestens ein Jahr mit dieser Situation leben.“ Abgesehen von der aktuellen Gefahr durch oftmals unvernünftige, rücksichtslose Autofahrer macht sie sich Sorgen um den Zustand der Straße – und darüber, wie und auf wessen Kosten sie eines Tages wieder in Schuss gesetzt werden soll. „Wegen der übermäßigen Fremdnutzung sind wir entschieden gegen eine eventuell angedachte Umlegung der Straßensanierungskosten auf die Anlieger.“

Probleme des Schleichverkehrs aufzeigen

Für Donnerstagmorgen hatte die Dahlbrucherin zu einer plakativen Aktion aufgerufen – gemeinsam mit zahlreichen Nachbarn hing sie Transparente an Einfahrten und Häusern auf, die auf die Probleme des Schleichverkehrs hinweisen sollen. Unterstützt vom Hilchenbacher SPD-Fraktionsvorsitzenden Michael Stötzel – selbst Schleichweg-Anrainer – und Kreistagsmitglied Lukas Debus (SPD) hatte sie Hilchenbachs Bürgermeister Kyrillos Kaioglidis und Mitarbeiter vor Ort gebeten, um die Probleme zu schildern, zu demonstrieren und den Gästen einen schriftlichen Hilferuf an Rat, Verwaltung und Landtag in die Hand zu drücken.

Mehrere Straßen betroffen

Der Weg der Corona-gerecht auf Distanz gehaltenen Besucherschar war gesäumt von Nachbarn, die ihre Erlebnisse schilderten und eigene Verkehrszählungen angestellt hatten. Pro Stunde mehr als 220 Autos quälen sich demnach durch die engen Wege. Betroffen sind neben der Weiherstraße und Brücher Weg auch Bergstraße, Neulohe, In der Aspe, Waldstraße und Carl-Kraus-Straße. Auf Kredenbacher Seite setzt sich das Problem fort, dort leidet insbesondere die Horbachstraße unter heftigen Verkehrslasten. Dort werde viel zu schnell gefahren, erklärte Hilmar Hackler aus dem Kredenbacher „Schleichgebiet“. Die Autos wichen oft auf den Gehweg aus, das sei extrem gefährlich. Auch im Kreuztaler Rathaus sind bereits Beschwerden eingegangen, heißt es von dort.

Gefährliche Situationen

Von gefährlichen Begegnungen berichteten auch die Dahlbrucher. Die „Rechts- vor-links-Regel“ werde kaum beachtet, das Tempolimit oft missachtet. „Mir ist einer schon fast über die Füße gefahren“, beklagt sich Nikanor Six. Besonders gefährlich sei die Situation für die vielen Kinder im Wohngebiet, ärgert sich die zweifache Mutter Gundula Günther.
„Uns ist bewusst, dass die Situation für die Anlieger nicht angenehm ist“, erklärt Julia Ollertz vom Landesbetrieb Straßenbau NRW. Sie gehe davon aus, „dass sich die Situation im kommenden Frühjahr etwas entspannt", da im folgenden Bauabschnitt keine Drei-Phasen-Ampel mehr benötigt werde.

Keine offizielle Umleitungsstrecke

Die aktuelle Kredenbacher Baustelle auf der B 508 liege im Zeitplan, solle bis Ende 2021 abgeschlossen sein. Aber: „Die Entschärfung der Situation in den Wohnstraßen kann von uns nicht geleistet werden, da es sich um kommunale Straßen handelt. Da es sich bei den Anliegerstraßen um keine offizielle Umleitungsstrecke handelt, ist es gemäß Bundesfernstraßengesetz nicht vorgesehen, die Kosten für eventuelle Schäden zu tragen.“ Anders hatte das an der Grunder Straße in Haarhausen ausgesehen – dort hat Straßen NRW die Fahrbahn erneuert, da hier eine offizielle Umleitung eingerichtet war.

Kommentar: Runter vom Irrweg Im Stau stehen? Stinkt mir gewaltig. Geduldig warten? Ist nicht meine Stärke. Dann doch lieber ein paar Kilometer mehr fahren, selbst wenn es unterm Strich nicht einmal schneller geht. Und ja, auch ich „schleiche“ gern, wenn mich meine Ortskenntnis vor einer unnötigen Landpartie bewahren kann. Die Quälerei durchs Ferndorftal gehört auch für mich zu den roten Tüchern des Alltags, beruflich und privat. Auch hier stelle ich mich ungern hinten an im Stau. Dass die Anrainer der hochfrequentierten Baustellenumfahrung genervt und besorgt sind, kann ich jedoch vollends nachvollziehen. Ein kurzer Spaziergang entlang der Weiherstraße, die Uhrzeit ist fast egal, öffnet die Augen, verschiebt die Perspektive. Frust und Sorgen in Lohe sind mehr als verständlich. Wer diese Route nutzt, dagegen ist bei öffentlichen Wegen prinzipiell nichts einzuwenden, hat sich sich aber gefälligst an die Regeln zu halten. Wer rast, auf Bürgersteige und Einfahrten ausweicht, der handelt rücksichtslos, zeigt mangelnden Respekt. Wenn es später um die Regulierung der zunehmenden Straßenschäden geht, sind Kreativität und guter Wille gefragt. Dass die Zuständigkeiten klar verteilt sind zwischen den beteiligten Behörden, ist die einfache Lesart. Sich hinter diesen Trennlinien und Definitionen zu verstecken, könnte sich jedoch als schwer vermittelbarer Irrweg erweisen.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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