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Roggenernte im historischen Hauberg
Schöne Kornritter

Schöne Kornritter entstanden am Samstag in Fellinghausen.
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bjö Fellinghausen. „Jetzt gehen wir wieder auf die Sonnenseite des Lebens“, ermuntert sich Manfred Flender selbst, als er aus dem Schatten der Bäume heraustritt, um sich in der schon knallenden Vormittagssonne um den Aufbau des nächsten Kornritters zu kümmern. Die Roggenernte im historischen Hauberg Fellinghausen ist in vollem Gange. Die Arbeitsroutine des 66-jährigen Büschergrunders hat eine reale Historie: Schon als Kind musste er ran, wenn die Familie zur Getreideernte rief: „Wie für andere Kinder ein Muss, aber es gab keine Diskussion. Alle mussten das machen, deshalb war es nie schlimm – war halt die Zeit.

bjö Fellinghausen. „Jetzt gehen wir wieder auf die Sonnenseite des Lebens“, ermuntert sich Manfred Flender selbst, als er aus dem Schatten der Bäume heraustritt, um sich in der schon knallenden Vormittagssonne um den Aufbau des nächsten Kornritters zu kümmern. Die Roggenernte im historischen Hauberg Fellinghausen ist in vollem Gange. Die Arbeitsroutine des 66-jährigen Büschergrunders hat eine reale Historie: Schon als Kind musste er ran, wenn die Familie zur Getreideernte rief: „Wie für andere Kinder ein Muss, aber es gab keine Diskussion. Alle mussten das machen, deshalb war es nie schlimm – war halt die Zeit.“

Derweil beweist Ben Daschke, dass Arbeit bei über 30 Grad im Schatten auch einem Jugendlichen Spaß bereiten kann: Der 16-Jährige folgt ganz freiwillig der Leidenschaft seines Vaters Thomas, die alltäglichen Arbeitsgewohnheiten der Siegerländer Vorfahren mit den Aktivitäten des „Fördervereins historischer Hauberg Fellinghausen“ im Schweiße des eigenen Angesichts zu erleben.

Ben hat schon öfter im Waldgebiet in der Fellenbach mit angepackt – sei es zum Lohschälen oder Schanzenbinden. Da ist es schon fast Ehrensache, am Samstagvormittag bei der Roggenernte mit dabei zu sein: Eigentlich sei die Arbeit mit der Sichel „nicht so schwer, aber wegen der Sonne anstrengend“, findet der Gymnasiast. Früher seien die Siegerländer Sommer viel nasser gewesen als heute, weiß Alfred Büdenbender. Umso wertvoller waren Sonnentage: „Wenn die so einen Tag hatten, musste alles raus, das ganze Dorf, Oma, Opa, Tante.“

Was die aktuelle Roggenernte auf dem rund 1000 Quadratmeter großen Waldstück oberhalb der Wohnbebauung von der Arbeit der Vorfahren unterscheidet, ist natürlich die existenzielle Relevanz damals gegenüber der nur symbolischen Bedeutsamkeit heute: Früher wäre keine einzige geerntete Ähre nach dem Schnitt auf dem Boden liegengeblieben: „Da hätten die Leute geschimpft wie bekloppt“, weiß Manfred Flender und bastelt derweil am „Hut“ für einen der vier an diesem Tag entstehenden Kornritter – das Dach sozusagen, das umgekehrt auf die zusammengestellten Garben gesetzt wird, um ihnen optimalen Regenschutz zu bieten.

„Schöne Ritter heute“, freuen sich die Fellinghausener über das Ergebnis ihrer Arbeit, die auch deshalb so viel Freude macht, weil das Ernteergebnis in diesem Jahr so reichhaltig ausfällt, der Roggen auf der Fläche hochgewachsen ist – „de luxe“, wie es einer der sieben Helfer den anderen freudig zuruft. Anders als im Vorjahr auf einer Nachbarfläche: Da hatten die Mäuse ganze Arbeit geleistet und ein Großteil des Ertrags schon vor den Menschen für sich geerntet.

Das, was die Mitglieder des Fördervereins historischer Hauberg im September letzten Jahres ausgesät hatten, ragte im Frühling erst kaum einen Zentimeter aus dem Boden. Als ein Gast aus Tansania kürzlich in Fellinghausen Station machte, um sich über die einstigen Arbeitstechniken zu informieren, „lachte der sich kaputt, weil es bei uns so lang dauert“, erinnert sich Alfred Büdenbender schmunzelnd: Während die Siegerländer aufgrund des mageren Bodens fast ein ganzes Jahr auf ihre Ernte warten müssten, würden in Afrika im gleichen Zeitraum drei bis vier Ernten eingefahren.

Vier Kornritter ragen seit Samstag in der Fellenbach in die Höhe, um die nächsten Wochen auszutrocknen und nachzureifen, bevor das Korn gedroschen wird. Ein Ritter wird vermutlich als Anschauungsobjekt für Spaziergänger und Besucher stehenbleiben, um zu zeigen, wie Oma und Opa einst ihr tägliches Auskommen gesichert haben.

Allerdings: Der Getreideanbau im Hauberg war lediglich eine „landwirtschaftliche Zwischennutzung“, wie Waldvorsteher Dr. Bernhard Kraft erläutert. Der Hauptnutzen habe in der Ernte des Holzes gelegen, das überwiegend zu Holzkohle verarbeitet worden sei, die wiederum für die Verhüttung der heimischen Eisenerze vonnöten war.

Mit der Roggenernte ist auf diesem Areal nun ein Nutzungszyklus beendet. Wenn vorhanden, könnten die Fellinghäuser in den kommenden Jahren ihre Kühe dort hineintreiben, die sich kulinarisch gütlich tun und im Gegenzug für wertvollen Dünger sorgen könnten. Die nächste Roggenernte gibt es auf diesem Teilstück jedenfalls erst wieder in 20 Jahren – dann kann Ben vielleicht seine Kinder zur Ernte mitnehmen.

Autor:

Björn Hadem aus Kreuztal

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