Schuldnerberatung: Kreuztal sagt Ja

2001 sollen 20000 DM bereit gestellt werden – Vor Entscheidung erst Konzepte prüfen

Kreuztal. Die Signale, die der Sozialausschuss gestern Abend setzte, deuten darauf hin, dass in Kreuztal in nicht allzu ferner Zukunft eine Schuldnerberatung etabliert wird. Einstimmig bei einer Enthaltung von Bernd Meichelböck (SPD) empfahl das Gremium, im kommenden Haushalt 20000 DM für eine solche Beratung einzustellen. Die beiden hiesigen Anbieter, das Diakonische Werk und die Caritas, sollen gebeten werden, ihre Konzepte möglichst bis zur nächsten Sitzung einzureichen.

Stadtrat Horst-Helmut Siebel hatte im Vorfeld der Debatte darauf verwiesen, dass es keine „katholischen oder protestantischen Schuldner” gebe, eine Beratung also überkonfessionell angeboten werden müsse. Bernd Meichelböck sah die Frage, ob mit der Bezuschussung eines Antragstellers, in diesem Fall des Diakonischen Werks (wir berichteten), kein Präzedenzfall geschaffen werde, nicht beantwortet. Doch sah er die Notwendigkeit einer Schuldnerberatung. Sein Vorschlag: Die 20000 DM sollten nicht pauschal bereit gestellt werden. Vielmehr sollte u.a. pro Kreuztaler Beratungsfall gezahlt werden. Damit stünden die Chancen besser, dass möglichst viele Kreuztaler „zum Zuge kommen”. Über die Mittelverwendung solle später entschieden werden.

Für Anke Hoppe-Hoffmann (Grüne) war diese „Fall”-Bezuschussung eine „unmögliche Maßnahme”. So gebe es langwierige und kürzere Beratungen. Und: Die Bevorzugung Kreuztaler Bürger empfinde sie als „sehr unangenehm”, nachdem „jahrelang alle Kreuztaler Schuldner nach Siegen geschickt” worden seien. Mit dem Diakonischen Werk biete sich eine qualitativ gute Beratung an. Auch gebe die Stadt mit 20000 DM nicht überproportional viel aus. Auf die Kommune könnten andernfalls schließlich mehr Sozialhilfekosten zukommen.

„Wir sollten unseren Bürgern diesen Dienst anbieten”, befand auch Rosemarie Seibt (CDU). Schon die Fahrt nach Siegen sei für manchen Schuldner sicherlich kaum finanzierbar. Die Warteliste zeige, dass akuter Bedarf bestehe. Die Gefahr eines Präzedenzfalls sah sie nicht, eine „Fall-Bezuschussung” sei nicht praktikabel: Schließlich blieben die Personalkosten dieselben, „egal, ob 15 oder 20 Leute kommen”. Schuldner aus Hilchenbach oder Freudenberg dürften nicht abgewiesen werden.

Seibts Vorschlag setzte sich schließlich durch: Mit der Bereitstellung der 20000 DM bekunde die Stadt ihren Willen, eine Beratung zu unterstützen. Doch sollten Diakonisches Werk und Caritas zunächst ihre Finanzierungs- und Personalkonzepte vorstellen, bevor die Entscheidung für einen der beiden potenziellen Träger falle. Auch Helmut Nölling (SPD) sprach sich dafür aus, beide Konzepte einzuholen, zumal die Caritas offenbar Interesse habe. Die „Fall-Konzeption” werde sich seiner Meinung nach in der Praxis bewähren. Herbert Perl (SPD) dachte an, gemeinsam mit benachbarten Kommunen eine Schuldnerberatung „vollzeitig zu finanzieren”.

Die Schuldnerberatung sei keine originäre Aufgabe kreisangehöriger Städte, schaltete sich Stadtrat Siebel ein: „Wir machen ein neues Fass auf.” Auch er sei der Meinung, die Beratung solle vor allem Kreuztaler Bürgern zugute kommen. Ein Fünftel des Klientels des Diakonischen Werks komme aus der Kindelsbergmetropole. Wenig Verständnis schien Siebel dafür aufzubringen, dass die Caritas förmlich dazu animiert werde, ebenfalls einen Zuschussantrag zu stellen.

Die Beratungsstelle sei für Erstkontakte gedacht, solle Anschubfunktion haben. Wolle man mehr, dann seien die 20000 DM nur ein Einstieg. Am Ende des Jahres müsse der Träger Rechenschaft ablegen, was mit dem städtischen Geld bewirkt worden sei. Dies beinhalte auch eine Auflistung, wieviele Antragsteller aus Kreuztal vorrangig aus der Warteliste genommen worden seien. nja

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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