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Schreddern vor Verbot
Siegerländer Landwirte verzichten auf Tötung von Küken

Suppenhuhn statt Schredder: Das Töten von Küken steht vor dem Verbot. Zwei Siegerländer Landwirte verzichten schon jetzt auf die Tötung von Hahnenküken.
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  • Suppenhuhn statt Schredder: Das Töten von Küken steht vor dem Verbot. Zwei Siegerländer Landwirte verzichten schon jetzt auf die Tötung von Hahnenküken.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ap Ferndorf/Wilgersdorf. Kaum geschlüpft und schon getötet. Dieses Schicksal trifft jährlich rund 45 Millionen Küken in Deutschland. Der Grund: Sie legen keine Eier und setzen nicht genügend Fleisch an, um als Brathähnchen, Geschnetzeltes oder paniertes Nugget auf unseren Tellern zu landen. Die gängige Praxis, männliche Legehennen-Küken direkt nach der Geburt lebendig zu vergasen oder zu schreddern, will Julia Klöckner zukünftig verbieten lassen. Die Bundeslandwirtschaftsministerin einen Gesetzesentwurf vorgestellt, der Ende 2021 in Kraft treten soll.
Doch was passiert eigentlich dann mit den vielen Küken? Welche Alternativen gibt es zum Töten der Tiere? Und wieso fangen wir eigentlich nicht morgen schon damit an?

ap Ferndorf/Wilgersdorf. Kaum geschlüpft und schon getötet. Dieses Schicksal trifft jährlich rund 45 Millionen Küken in Deutschland. Der Grund: Sie legen keine Eier und setzen nicht genügend Fleisch an, um als Brathähnchen, Geschnetzeltes oder paniertes Nugget auf unseren Tellern zu landen. Die gängige Praxis, männliche Legehennen-Küken direkt nach der Geburt lebendig zu vergasen oder zu schreddern, will Julia Klöckner zukünftig verbieten lassen. Die Bundeslandwirtschaftsministerin einen Gesetzesentwurf vorgestellt, der Ende 2021 in Kraft treten soll.
Doch was passiert eigentlich dann mit den vielen Küken? Welche Alternativen gibt es zum Töten der Tiere? Und wieso fangen wir eigentlich nicht morgen schon damit an? Die Antworten darauf geben zwei Siegerländer Landwirte und der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG).

Florian Stücher vom Irlenhof Ferndorf klärt auf 

„Zuerst einmal muss man zwischen Mast- und Legehühnern unterscheiden. Männliche Masthühner werden auf unserem Hof mit großgezogen. Und das hat viele Vorteile“, erzählt Florian Stücher vom Ferndorfer Irlenhof. „Durch homogene Ställe können die Bedürfnisse der Kunden besser befriedigt werden“, erklärt der Hofbesitzer. „Die einen verlangen nach einem zarten Stück Hähnchenbrust und andere wollen ein großes, schweres Brathähnchen.“
Bei den Legehennen werden die Eier von einer Brüterei bezogen, die mit einem Früherkennungssystem zur Geschlechterbestimmung arbeitet. Dabei wird ein Ausschlüpfen und anschließendes Töten der Hahnenküken von vornherein verhindert. „Das kann man sich dann in etwa wie eine Abtreibung vorstellen.“

Für Florian Jung vom Birkenhof Wilgersdorf ein Tabu

Für den Landwirt Florian Jahn hingegen ist diese Methode ein Tabu. „Als Demeter-Betrieb lehnen wir aus ethischer Sicht die Geschlechterbestimmung im Ei ab. Dadurch werden ja trotzdem Leben zerstört“, erklärt der Bauer die Philosophie des Birkenhofes in Wilgersdorf.
In den mobilen Ställen des Hofes, auf dem der Norddeutsche arbeitet und mit seiner Familie lebt, werden deshalb auch männliche Legehühner aufgezogen und im Rahmen der Initiative „Mein Bruderhahn“ vermarktet. „Das ist unsere Reaktion auf den Gesetzesentwurf“, sagt Jahn. Man erhalte zwar geringere Erträge und könne aus den Brüderhähnen keinen klassischen Braten machen, „aber ein richtig gutes Suppenhuhn sind sie allemal.“
Worauf wartet wir also noch, wenn es schon jetzt vielfältige Alternativen zum Kükentöten gibt? Wieso wurde der Gesetzesentwurf dann nicht mit sofortiger Wirkung verabschiedet?
„Ein sofortiger Ausstieg ist in der Praxis einfach nicht machbar“, meint Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). Er fordert eine wohlüberlegte und vor allem gesamteuropäische Lösung, um eine Verlagerung des Tierschutz-Problems ins Ausland zu vermeiden. „Durch ein nationales Gesetz würde nämlich nicht ein einziges Küken weniger getötet. Nur EU-Recht kann dieses Dilemma auflösen.“
Bis dahin werde die Branche jedoch nicht untätig bleiben. „Das ambitionierte, aber machbare Ziel ist, die Anzahl getöteter Hahnenküken bis 2022 um die Hälfte zu verringern“, betont Ripke.

Autor:

Alexandra Pfeifer

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