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Betrieb kommt durch Corona zum Erliegen
So plant das Container-Terminal in Kreuztal

Nichts los am großen Drehkreuz für Südwestfalen. Das Kreuztaler Container-Terminal kam durch Corona in Schieflage und ist seit Beginn der Pandemie ungenutzt. Der Betrieb soll erst im Sommer wieder anlaufen.
  • Nichts los am großen Drehkreuz für Südwestfalen. Das Kreuztaler Container-Terminal kam durch Corona in Schieflage und ist seit Beginn der Pandemie ungenutzt. Der Betrieb soll erst im Sommer wieder anlaufen.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

js Buschhütten. Einen rollenden Zug aufzuhalten, mag ein gewaltiger Kraftakt sein. Das Container-Terminal Südwestfalen vom Netz zu nehmen, war hingegen schnell geschehen – der Urgewalt einer Pandemie war es nicht gewachsen. Vor einem knappen Jahr hatte die damals noch junge Corona-Krise die regelmäßigen Zugverbindungen zwischen Kreuztal und dem italienischen Verona zum Erliegen gebracht. Seither befindet sich der Verladebahnhof im Buschhüttener Ortsteil Langenau auf dem Abstellgleis.

Ausgesprochen ruhig geht es jetzt zu auf dem betonierten Areal, dessen Bau mehr als 10 Millionen Euro kostete und zunächst auf massive Widerstände aus der Bevölkerung stieß. Hohe blaue Schallschutzwände wurden errichtet, damit die benötigte Rund-um-die-Uhr-Betriebsgenehmigung an Land gezogen werden konnte.

js Buschhütten. Einen rollenden Zug aufzuhalten, mag ein gewaltiger Kraftakt sein. Das Container-Terminal Südwestfalen vom Netz zu nehmen, war hingegen schnell geschehen – der Urgewalt einer Pandemie war es nicht gewachsen. Vor einem knappen Jahr hatte die damals noch junge Corona-Krise die regelmäßigen Zugverbindungen zwischen Kreuztal und dem italienischen Verona zum Erliegen gebracht. Seither befindet sich der Verladebahnhof im Buschhüttener Ortsteil Langenau auf dem Abstellgleis.

Ausgesprochen ruhig geht es jetzt zu auf dem betonierten Areal, dessen Bau mehr als 10 Millionen Euro kostete und zunächst auf massive Widerstände aus der Bevölkerung stieß. Hohe blaue Schallschutzwände wurden errichtet, damit die benötigte Rund-um-die-Uhr-Betriebsgenehmigung an Land gezogen werden konnte. An den beiden Verladegleisen sollten Reach-Stacker, so etwas wie großformatige „Gabelstapler“, im Jahr bis zu 45.000 Container verladen. Entsprechend viele Lastwagenfuhren und die damit verbundene Verkehrsbelastung an den Zufahrtstraßen wurden von den Kritikern befürchtet.

Container-Terminal Kreuztal ruht seit März 2020

So weit ist es jedoch gar nicht erst gekommen – bisher jedenfalls. Das Container-Terminal, über das der kombinierte Güterverkehr (Straße/Schiene) für das Dreiländereck abgewickelt werden und das an die Seehäfen und größeren Drehkreuze Deutschlands anbinden soll, verharrt inzwischen länger im Pausenmodus, als es jemals in Betrieb gewesen wäre. Der Startschuss war am 6. Mai 2019 gefallen, am 27. März 2020 wurde die Anlage wieder ausrangiert. Die einzige bislang bediente Strecke – vom Rothaargebirge über den Brennerpass – wurde ausgesetzt; und mit ihr der gesamte Betrieb in Langenau.

Container-Terminal ruht bis Jahresende

Von ihrer möglichen Kapazitätsgrenze war die Anlage bislang stets weit entfernt. In ihren besten Zeiten war sie zu 20 Prozent ausgelastet, bisher wurden insgesamt genau 3378 Ladeeinheiten auf die Schiene gebracht bzw. auf dei Straße geholt. 2020 wurden genau 50 Züge abgefertigt, die Umsatzzahlen lagen um 65 Prozent unter denen des Vorjahres.

Container-Terminal ruht wohl bis Ende des zweiten Quartals

Das Ende des Container-Terminals ist damit aber noch nicht gekommen, auch wenn die Wiederaufnahme immer weiter nach hinten geschoben wurde im vergangenen Jahr. Zunächst war die Betreibergesellschaft (gleichberechtigte Gesellschafter sind die Kreisbahn Siegen-Wittgenstein und die Firma Kombiverkehr) von einem Stillstand bis Ende April ausgegangen, dann hieß es bis zum Jahresende. Aktueller Stand laut Unternehmenswebsite ist eine Betriebsruhe bis 31. März. Christian Betchen, einer der beiden Geschäftsführer, spricht auf Anfrage der Siegener Zeitung jedoch von einer ganzen Reihe weiterer verladefreier Wochen: „Nach derzeitigem Akquisitions- und Planungsstand gehen wir von einer Wiederaufnahme der Umschlagstätigkeit gegen Ende des zweiten Quartals 2021 aus.“ Im Sommer also.

Langfristig erwartet der Logistiker aber keine Auswirkungen auf das Geschäftsmodell. Umschlagsdienstleistungen dürften gefragt bleiben. Insgesamt werde darauf hin gearbeitet, das Container-Terminal auf eine breitere Geschäftsgrundlage zu stellen. „In Planung sind neue Verkehrskonzepte mit anderen Verbindungen.“ Wie genau die aussehen werden, sei noch nicht spruchreif. Auch nicht, ob die bisherigen Verona-Züge in bisherigem Maße fahren werden. Grundsätzlich aber sei das Terminal klar darauf ausgelegt, auf mehr als nur eine Verbindung zu setzen.
Der Stillstand am Verladeterminal hat natürlich Auswirkungen auf die Belegschaft. Die ist mit einem Stamm von drei Vollzeit-Mitarbeitern relativ überschaubar. Sie alle befinden sich seit April in Kurzarbeit, Entlassungen wurden nicht ausgesprochen und sind laut Geschäftsführung auch nicht vorgesehen. Einer der Mitarbeiter habe sich aber inzwischen eigenständig beruflich neu orientiert.

Verladung von Käferholz kein Geschäftsmodell für Container-Terminal

Auch wenn der Blick in die umliegenden Wälder und auf die deutlich sichtbaren Kalamitätsschäden nach einem lohnenswerten Geschäftsmodell aussehen: Die Verladung von Käferholz wird das Container-Terminal nicht wieder auf die Schiene bringen. Schon als die Kalamität 2019 einsetzte, habe das Container-Terminal regelmäßig Transportangebote für Exportcontainer nach Übersee angeboten. Von Kreuztal auf der Schiene nach Rotterdam, Antwerpen, oder Hamburg und von dort per Schiff nach China: Klingt einfach, ist es aber offenbar nicht. „Im Ergebnis sind die Binnenschiffsverkehre über die Umschlagsterminals an der Rheinschiene trotz längerer Lkw-Vorlaufdistanzen wirtschaftlich attraktiver“, berichtet Betchen. Das sei mit den größeren Ladekapazitäten der Binnenschiffe (sie fassen fünfmal so viele Container wie ein Zug) zu erklären. „Da das Kalamitätsholz ein äußerst preissensibles Produkt ist, kann die Schiene hier ihre Laufzeitvorteile – ihre schnellere Transportgeschwindigkeit – nicht ausspielen.“

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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