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Wenn der Kult zum Überleben hilft
So stemmt sich ein Spielzeugladen gegen die Internet-Konkurrenz

Nicole Maniscalco steht jeden Tag im Spielwarenladen, ihr Bruder Fabian Vogt hat das Geschäft offiziell von den Eltern übernommen. Die Tradition wollen sie weiter führen.
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  • Nicole Maniscalco steht jeden Tag im Spielwarenladen, ihr Bruder Fabian Vogt hat das Geschäft offiziell von den Eltern übernommen. Die Tradition wollen sie weiter führen.
  • Foto: Guido Schneider
  • hochgeladen von Michael Sauer

schn Eichen. Spielzeugläden haben es in der heutigen Zeit nicht leicht, zu übermächtig scheinen die großen Anbieter im Internet. Mit einem Klick bestellt, da hat es der stationäre Einzelhandel nicht einfach. Seit dem Jahr 2016 ist die Zahl der reinen Spielwarenhändler um ein Fünftel zurück gegangen. Wie schaffen es Geschäfte in der Region, sich zu behaupten?

Den potentiell

schn Eichen. Spielzeugläden haben es in der heutigen Zeit nicht leicht, zu übermächtig scheinen die großen Anbieter im Internet. Mit einem Klick bestellt, da hat es der stationäre Einzelhandel nicht einfach. Seit dem Jahr 2016 ist die Zahl der reinen Spielwarenhändler um ein Fünftel zurück gegangen. Wie schaffen es Geschäfte in der Region, sich zu behaupten?

Den potentiellen Kunden ein besonderes Erlebnis zu bieten, das hilft auf jeden Fall schon einmal ungemein. Dieses Erlebnis bietet Spielwaren Saßmannshausen in Kreuztal. Das Ladenlokal in einer ehemaligen Tankstelle sorgt für eine besondere Atmosphäre. Ein gewisser Kultcharakter ist auch nicht von Nachteil, um Kunden anzulocken und vor allem zu binden. „Wir leben von und mit unseren Stammkunden“, sagt Fabian Vogt, der das Geschäft in der vierten Generation verantwortet.

Spielwaren Saßmannshausen in Eichen: Kundschaft auch aus dem Kreis Olpe

„Die Kunden kommen aus dem gesamten Siegerland, aus Wittgenstein und aus dem Olper Raum zu uns. So viele echte Spielwarenläden gibt es nicht mehr“, fügt seine Schwester Nicole Maniscalco an. „Beim Sassi weiß jeder, hier bekommst du Beratung“, so Vogt. „Sassi“ – das ist der Spitzname für den Laden, den in Kreuztal jeder kennt. Für viele Menschen ist das Geschäft, das ziemlich verwinkelt und voll gestellt daher kommt, der erste Anlaufpunkt, wenn Spielzeug, Gesellschaftsspiele oder einfach nur ein Plüschtier gesucht wird. Ihn mache es glücklich, wenn Kunden mit ihren Kindern in den Laden kommen und dann berichten, dass sie selbst schon als Kinder hier eingekauft hätten.

Toys’R’us war damals gut für uns, weil die so schlecht waren.
Bastian Vogt
Inhaber

Auch wenn es eine treue Kundschaft gibt, haben die Besitzer die Einschläge des Onlinehandels mitbekommen. „Natürlich sind Kunden ausgeblieben, zum Teil sind Produkte erheblich günstiger. Manche Dinge bekommen wir gar nicht, oder die Großen haben die Sachen günstiger im Regal stehen, als wir über den Großhandel beziehen können“, macht Vogt deutlich. Einige Produzenten vertreiben einen Teil ihres Sortiments inzwischen exklusiv über die eigenen Onlineshops, auch das tut dem Einzelhandel weh. „Das Problem ist doch, im Internet gibt’s keine Beratung. Da kannst du nur draufklicken und bestellen“, so Vogt. „Toys’R’us war damals gut für uns, weil die so schlecht waren“, schiebt er nach.

„Sassi“ ist der Name des Maskottchens, das Nicole Maniscalco im Arm hält. Die Namenssuche im Internet hatte eine große Resonanz.
  • „Sassi“ ist der Name des Maskottchens, das Nicole Maniscalco im Arm hält. Die Namenssuche im Internet hatte eine große Resonanz.
  • Foto: Guido Schneider
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Ein Dauerbrenner im Laden sind die Geburtstagskörbe. „Man kennt das von den Hochzeitstischen und da ist das auch abgeschaut. Vor über 30 Jahren waren wir mit die ersten, die sowas angeboten haben“, erzählt Maniscalco. So kurz nach dem Weihnachtsgeschäft stehen nur wenige Körbe vor der Kasse, in Spitzenzeiten sind es bis zu 24, die gleichzeitig aufgebaut sind. „Dann müssen wir auch schon einmal sagen, länger als zwei Wochen können wir euch nicht geben“, berichten die Betreiber. Das Angebot werde stark nachgefragt, während der schlimmsten Coronazeiten hätte es Anfragen gegeben, die man dann aber anlehnen musste: „Es durfte ja niemand in den Laden.“

„Sassi“ durchlebt in Eichen mehrere Veränderungen

Seit der Gründung hat das Unternehmen einiges an Veränderungen durchgemacht. Von Haushaltswaren über Fahrräder war alles dabei. Im Jahr 1985 kam dann die Spezialisierung auf Spielwaren, neben der Tankstelle und einer Werkstatt. Inzwischen ist auch das vorbei, dafür ist 2015 eine Postfiliale mit eingezogen. „Wir mussten uns immer wieder verändern, nur mit Spielwaren ist kein Auskommen zu erwirtschaften“, sagt Nicole Maniscalco. Es brauche mehrere Standbeine, um das Geschäft auf eine sichere Basis zu stellen. Im Übrigen ist die Familie mit eingespannt und steht selbst im Laden, neben den Angestellten. „Und dann hilft es noch, dass ich im Drei-Schicht-Betrieb nebenbei noch arbeiten gehe“, lacht Fabian Vogt.

Mit der Pandemie und den erzwungen Ladenschließungen hat man einen Online-Shop hochgefahren. Der dient vor allem als digitales Schaufenster und wird von den Kunden auch so genutzt. Die sozialen Medien werden gekonnt bespielt, um Kunden zu erreichen. Die Sichtbarkeit ist für Fabian Vogt ganz wichtig. Im Jahr 2020 hat er mit seinem Team und einigen Kunden ein Weihnachtsvideo gedreht, das auch gleich viral ging. „Uns haben viele gefragt, ob es diesmal wieder ein Video gibt, aber das war so nicht zu leisten“, sagt Vogt. Er kann sich aber vorstellen, dass es in Zukunft mehr Videos geben wird. Ebenfalls eine große Resonanz hat die Namenssuche für das Maskottchen gebracht. Am Ende war der Name mehr als logisch, das Eichhörnchen heißt natürlich „Sassi“.

Nicole Maniscalco steht jeden Tag im Spielwarenladen, ihr Bruder Fabian Vogt hat das Geschäft offiziell von den Eltern übernommen. Die Tradition wollen sie weiter führen.
„Sassi“ ist der Name des Maskottchens, das Nicole Maniscalco im Arm hält. Die Namenssuche im Internet hatte eine große Resonanz.
Autor:

Guido Schneider aus Siegen

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