Spannende Kirchengeschichte

Dr. Andreas Bingener referierte im Gemeindehaus Ferndorf

Ferndorf. Im mit über 80 Besuchern gut gefüllten Ferndorfer Gemeindehaus referierte der Siegener Historiker Dr. Andreas Bingener über die frühe Kirchengeschichte des Siegerlandes und besonders über die Entwicklung im nördlichem Teil. Demnach geht die heutige Forschung allgemein davon aus, dass die Christianisierung des Siegerlandes seit dem 8./9. Jahrhundert in erster Linie von Mainz aus erfolgt ist, worauf bis heute die Martinspatrozinien der Kirchen von Raumland, Feudingen, Netphen und Siegen hindeuten – auch der Mainzer Dom war dem heiligen Bischof von Tours geweiht.

Auch die Bistümer Köln und Trier missionierten im gleichen Zeitraum im heimischen Raum: Trier erreichte vom Lahntal aus das Gebiet um Haiger und dehnte seinen Einfluss bis in den Westerwald hinein aus, woran bis heute die katholische „Trierische Insel” mit den Kirchspielen Niederfischbach, Kirchen und Gebhardshain erinnert. Auch das Erzbistum Köln dehnte seinen Einfluss, durch das Siegtal kommend, in das südliche Westfalen und den Westerwald aus. So schenkten z.B. im Jahre 848 mehrere Brüder Güter in Weitefeld dem Bonner St.-Kassius-Stift. Entscheidend für die Christianisierung des Siegerlandes waren jedoch die Bemühungen des Mainzer Erzbistums.

Nach den Ausführungen Bingeners stellt sich die kirchenpolitische Lage im nördlichen Siegerland besonders komplex dar. Bereits im 11. Jahrhundert besaßen Kölner und Deutzer Kirchen Güter im nördlichen Siegerland, nämlich in Ferndorf (Ersterwähnung 1067) sowie in Müsen, Oberholzklau, Ruckersfeld, Klafeld, (Burg-)Holdinghausen, Siegen und dem später wüstgefallenen Dorf Heiminghausen (Urkunde von 1079/1089).

Dr. Andreas Bingener erläuterte, dass das Kölner Bistum „zum Schutz seiner machtpolitischen Interessen im Siegerland” sogar Befestigungsanlagen errichtet haben könnte, nämlich auf dem Kindelsberg, jedoch ist allem Anschein nach die dort geplante Burganlage nie vollendet worden. Ihre Wälle – früher als Spuren keltischer Bewohner gedeutet – sind jedoch noch gut zu sehen. Zudem lag in der Nähe die Bergbausiedlung Altenberg mit ihren Silbererzvorkommen. Angesichts dieser Kölner Aktivitäten ist laut Bingener ein enger Zusammenhang mit der Tatsache zu sehen, dass die Herrschaft über Burg und Stadt Siegen seit 1224 zwischen den Grafen von Nassau und dem Kölner Erzbischof geteilt wurde, ein Zustand, der bis nach 1414 andauerte. Erst allmählich gelang es den Grafen von Nassau, ihren Einfluss auch im nördlichen Siegerland zu vergrößern.

Die rege Diskussion nach dem mit Lichtbildern angereicherten Vortrag zeigte deutlich das Interesse der Besucher an dem Thema.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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