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Karl-Heinz-Schleifenbaum
SPD-Urgestein verlässt den Rat

Er saß gestern nach 45 Jahren ein letztes Mal im Kreuztaler Rat: Karl-Heinz Schleifenbaum.
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  • Er saß gestern nach 45 Jahren ein letztes Mal im Kreuztaler Rat: Karl-Heinz Schleifenbaum.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

nja Kreuztal/Littfeld. Er ist der Mann des „Augenmaßes“, das er im Laufe der Jahre immer wieder als begrüßenswerte Maßeinheit für den Umgang mit den städtischen Geldern anführte – und hat überdies einen langen Atem: Am Donnerstag ging für Karl-Heinz Schleifenbaum eine Ära zu Ende. Gut 45 Jahre nach seiner Premiere auf der Fraktionsbank der Sozialdemokraten im Kreuztaler Rat nahm er dort zum letzten Mal Platz. Seit 1975 gehörte er ohne Unterbrechung dem „Stadtparlament“ an, seit 1984 als Fraktionsvorsitzender. Bei der Kommunalwahl am Sonntag tritt der Littfelder nicht mehr an. „Wie sagt der Siegerländer? Mit 75 schickt et“, sagt er im SZ-Interview, in dem er seine außergewöhnlich lange politische Ratsarbeit Revue passieren lässt.

nja Kreuztal/Littfeld. Er ist der Mann des „Augenmaßes“, das er im Laufe der Jahre immer wieder als begrüßenswerte Maßeinheit für den Umgang mit den städtischen Geldern anführte – und hat überdies einen langen Atem: Am Donnerstag ging für Karl-Heinz Schleifenbaum eine Ära zu Ende. Gut 45 Jahre nach seiner Premiere auf der Fraktionsbank der Sozialdemokraten im Kreuztaler Rat nahm er dort zum letzten Mal Platz. Seit 1975 gehörte er ohne Unterbrechung dem „Stadtparlament“ an, seit 1984 als Fraktionsvorsitzender. Bei der Kommunalwahl am Sonntag tritt der Littfelder nicht mehr an. „Wie sagt der Siegerländer? Mit 75 schickt et“, sagt er im SZ-Interview, in dem er seine außergewöhnlich lange politische Ratsarbeit Revue passieren lässt.

Willy Brandt weckt Interesse für Politik

„Sozialdemokratisches Gedankengut war mir nicht in die Wiege gelegt“, erzählt Schleifenbaum mit Blick auf sein konservatives Elternhaus. „Das war für mich ein längerer Prozess, der Ende der 1960er-Jahre begann.“ Nach dem Abitur zog es ihn an den Rhein: In Bonn studierte er Jura, dort nahm ihn ein Freund öfter mit in die Plenarsitzungen des Deutschen Bundestags. Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) weckte mit seiner Regierungserklärung das politische Interesse des Littfelders. „Seine Ostpolitik und Ideen wie die Mitbestimmung in der Wirtschaft haben mich begeistert und überzeugt“, die politischen Debatten entfachten das Feuer in ihm. Seit dem 1. Januar 1972 ist Schleifenbaum im Besitz des roten Parteibuchs. Schnell war klar: „Ich möchte auch aktiv mitwirken und gestalten!“

Mit 30 Jahren für den Rat kandidiert

Anfang der 70er-Jahre zog es den Juristen zurück in die Heimat – nach Littfeld. Dort kandidierte er 1975 im Alter von 30 Jahren erstmals für den Rat. Seinen Wahlkreis in Littfeld sicherte er sich seitdem ununterbrochen, er wurde auch sofort zum Fraktionsgeschäftsführer ernannt. Zweimal wechselte er die „Seite“ – nicht politisch, sondern geografisch. Von Littfeld- West, wo er auch lebt, nach Littfeld-Ost. Als eines der Topthemen der ersten Jahre seines politischen Mitwirkens ist ihm die Debatte um den Verzicht auf ein Kreuztaler Hallenbad im Gedächtnis geblieben. „Andere Kommunen mit eigenem Bad ächzten unter den Folgekosten – daher haben wir als SPD dagegen gestimmt.“ Das schlug in der Bürgerschaft hohe Wellen.

Selbstständiger Rechtsanwalt

1984 wurde Karl-Heinz Schleifenbaum, der sich 1978 als Rechtsanwalt selbstständig gemacht hatte, Fraktionsvorsitzender. Hat er in all den Jahren mal daran gedacht das Handtuch zu werfen? „Das klingt ja nach Resignation – und die habe ich nie verspürt“, betont er. „Wohl aber habe ich mir zwischendurch mal die Frage gestellt: Bin ich noch der Richtige für diesen Posten? Zum Beispiel 1999, als die SPD die Wahlniederlage verkraften musste. Aber das Vertrauen der Fraktion war immer gegeben, und auch ich hatte selbst damals das Gefühl: Ich kann mithelfen, es wieder zum Besseren für uns zu wenden.“

Debatte ums Friedrich-Flick-Gymnasium

Gab es besonders belastende Phasen? Eine rhetorische Frage, zugegeben. Und die Antwort überrascht daher auch nicht: „Die erste Debatte rund um die Umbenennung des Friedrich-Flick-Gymnasiums war anstrengend. Die Fraktion war in dieser Frage zerrissen, ich selbst der Auffassung, dass dies kein geeigneter Name für eine Schule ist. Die Fraktion beauftragte mich, beide Positionen im Rat zu vertreten. Manchmal ist es schwierig, sich selbst und anderen gerecht zu werden.“

"Littfelder Schulkrieg"

Persönlich belastet habe ihn auch die sehr emotional geführte Debatte, die als „Littfelder Schulkrieg“ in die Annalen einging: Die Frage Ende der 1980er-Jahre, ob die kath. Grundschule vom Dörnberg an den Littfelder Standort der damaligen Sonderschule umziehen solle. Die Sozialdemokraten waren dafür, die kath. Kirchengemeinde protestierte dagegen, die Bezirksregierung legte urplötzlich ein Veto ein. Auch eine politisch spannende Zeit: Vor der Gründung der Gesamtschule habe es den einen oder anderen heftigen Schlagabtausch gegeben – „die Zeiten waren deutlich konfrontativer als sie es heute sind“, erinnert sich Schleifenbaum insbesondere an die CDU-Ära Jochen Billich.

Südumgehung Kreuztal

In den vergangenen 45 Jahren habe Kreuztal ein neues Gesicht bekommen, richtet er den Blick auf die Innenstadtentwicklung. Gib es ein Projekt, an dessen Verwirklichung er gescheitert ist? Schleifenbaum lässt sich Zeit beim Nachdenken, schüttelt den Kopf und drückt dann doch noch ein Bedauern aus: Darüber, dass er die Eröffnung der Südumgehung Kreuztals nicht mehr als aktives Ratsmitglied miterleben wird. Jahrzehnte lang sei debattiert worden, ruft er u. a. „die unseligen Phantomdebatten rund um den Lückenschluss der A 4“ in Erinnerung.

Gegenseitiger Respekt

„Ich war all die Jahre immer mehr an Sachpolitik interessiert als an ideologischen Überzeugungen“, beschreibt sich das Kreuztaler Urgestein selbst. Daher freue er sich auch, dass in den vergangenen Jahren über Fraktionsgrenzen hinweg der Wille bestanden habe, gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Gegenseitiger Respekt und Empathie sind ihm wichtig.
Ende des Jahres wird er auch beruflich in den Ruhestand treten. Er werde Freiheit und Zeit gewinnen für die Familie, zu der nun auch schon drei Enkelkinder zählen, freut sich der 75-Jährige. Zum Buch möchte er vermehrt greifen und sich wieder mehr bewegen – im TV Hoffnung Littfeld, dem er 40 Jahre vorstand. Handball, Volleyball und Tennis bereiteten dem Mannschaftssportler früher schon Freude: „Das ist in den letzten Jahren deutlich zu kurz gekommen.“

Er saß gestern nach 45 Jahren ein letztes Mal im Kreuztaler Rat: Karl-Heinz Schleifenbaum.
Karl-Heinz Schleifenbaum anno 1986.
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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