Zimmerseifen soll neu beplant werden
Stadt Kreuztal möchte Wohnraum schaffen

Der Bebauungsplan „Zimmerseifen“ soll neu aufgestellt werden. Erst nach dem Ratsbeschluss wird die Stadt Kontakt zu betroffenen Landwirten aufnehmen.
  • Der Bebauungsplan „Zimmerseifen“ soll neu aufgestellt werden. Erst nach dem Ratsbeschluss wird die Stadt Kontakt zu betroffenen Landwirten aufnehmen.
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js Ferndorf/Kreuztal. Der Kreuztaler Rat soll am 11. Juli einen neuen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Zimmerseifen“ fassen und dafür den bestehenden von 1998 aufheben. Dafür sprach sich am Montag der Infrastrukturausschuss einstimmig aus; lediglich die Grünen enthielten sich der Stimme.

Erste Pläne versandeten in den 1990ern

Stadtplanerin Petra Kramer rief die Historie der Planungen für das Gebiet im Grenzbereich von Ferndorf und Kreuztal in Erinnerung: Mitte der 1990er-Jahre habe die Stadt aufgrund der Wohnraumknappheit viele Areale entsprechend im Flächennutzungsplan (FNP) deklariert, einige davon seien bereits zu Wohngebieten umgewandelt worden. Im Falle des Zimmerseifens habe es seinerzeit Probleme gegeben, da die Stadt selbst nicht genügend Anteil der Fläche besaß, um zu steuern, dass Bauland auch wirklich dem Wohnungsmarkt zur Verfügung gestellt würde. „Das hat die Wohnbauentwicklung blockiert“, sagte Kramer. Damit habe sich die Stadt keinen Gefallen getan.

"Ausreichender" Flächenanteil

Im FNP ist der Zimmerseifen entsprechend ausgewiesen, und inzwischen habe die Stadt einen „ausreichenden“ Flächenanteil in ihren Besitz übernommen. 25 Prozent des Plangebiets seien nun in kommunaler Hand. Bei den reinen für weiteren Wohnungsbau relevanten Flächen sei das Verhältnis günstiger: Da besitze Kreuztal rund ein Drittel. Formalrechtlich müsse ein neuer Aufstellungsbeschluss erfolgen, um sicherer und auf aktueller Rechtslage planen zu können.

Landwirte brauchen die Nutzfläche

Derzeit würden die Flächen größtenteils landwirtschaftlich genutzt, wandte Dieter Gebauer (Grüne) ein. Er habe mit den im Zimmerseifen aktiven Landwirten gesprochen und erfahren, dass sie jede verlorene Fläche schmerzen würde. „Haben Sie mit den Betroffenen gesprochen?“, fragte er die Verwaltung. Dieser Kontakt werde erst nach einer positiven Beschlussfassung des Rates aufgenommen, erklärte Bürgermeister Walter Kiß die Vorgehensweise. „Das ist wichtig, die Landwirte kämpfen um jeden Quadratmeter!“ Genau das gelte aber auch für Wohnungsuchende, erwiderte Kiß. Es müsse nach Lösungen gesucht werden, klar sei aber: Wo das Eine sei, könne das Andere nicht sein.

Mehrfamilien- und Einfamilienhäuser

Gebauer hakte weiter nach: Die Einwohnerzahl der Stadt sei konstant, beim aktuellen Wohnungsbau gehe es vor allem darum, bei günstigen Zinsen Renditeobjekte zu schaffen. Daher wollte der Grünen-Fraktionschef wissen, wie viele Mehrfamilien- und wie viele Einfamilienhäuser dort entstehen könnten. Das könne im jetzigen frühen Planungsstadium noch nicht bis auf die letzte Fläche gesagt werden, entgegnete der Bürgermeister. „Ein Trend zu Geschosswohnungsbau ist erkennbar.“ Aber auch die Nachfrage nach Grundstücken für Einfamilienhäuser sei noch immer groß. Baulücken gebe es zwar, die aber stünden dem Markt nicht zur Verfügung. Die Stadt könne niemanden zwingen, diese Grundstücke zu verkaufen.

"Nicht das Wasser abgraben"

„Es war ja bekannt, dass da auch mal gebaut werden könnte“, wehrte Jochen Schreiber (SPD) den Grünen-Einwand ab. Er habe vollstes Vertrauen zur Verwaltung, dass dort die richtige Abwägung zwischen den unterschiedlichen Sichtweisen erfolgen werde. Arne Siebel (CDU) fand Gebauers Kritik indes durchaus angemessen. „Wir dürfen die landwirtschaftlichen Betriebe nicht aus den Augen verlieren.“ Schließlich sei die Stadt stolz auf sie. „Wir dürfen ihnen das Wasser nicht komplett abgraben.“ Die Stadt müsse peinlichst genau darauf achten, so Harald Görnig (CDU), dass Mehrfamilienhäuser nicht so integriert würden, dass Einfamilienhausbesitzer plötzlich gegen riesige Fassaden blicken müssten. Genau in dieser Hinsicht sei der neue Anlauf für einen Bebauungsplan hilfreich, erklärte Bürgermeister Walter Kiß: Heute werde nicht mehr allein die Anzahl von möglichen Geschossen festgelegt, sondern auch Höhenbegrenzungen für Gebäude. Damit lasse sich besser steuern.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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