"Akuter Alarm" bei Thyssen-Krupp (Update 16 Uhr)
Stahlarbeiter fordern staatliche Hilfe

Die Beschäftigten von Thyssen-Krupp Steel in Eichen und Ferndorf  kennen  den Zustand zwischen Hoffen und Bangen. Am Freitag  zeigten sie Flagge vor dem NRW-Landtag.
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  • Die Beschäftigten von Thyssen-Krupp Steel in Eichen und Ferndorf kennen den Zustand zwischen Hoffen und Bangen. Am Freitag zeigten sie Flagge vor dem NRW-Landtag.
  • Foto: Archivfoto: Anja Bieler-Barth
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nja Eichen/Ferndorf/Düsseldorf. „Die Politik darf nicht mehr lange warten. Entweder sie steigt jetzt zügig finanziell bei Thyssen-Krupp ein oder sie schaut zu wie wir kaputtgehen.“ Helmut Renk, Betriebsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp Steel in Kreuztal (TKS), fand am Freitag klare Worte mit Blick auf die Situation seines Unternehmens. Während des SZ-Gesprächs befand er sich gerade auf der Heimreise aus Düsseldorf, wo er zuvor mit knapp 100 Beschäftigten der Siegerländer TKS-Standorte Eichen und Ferndorf sowie gemeinsam mit etwa 3000 Kollegen aus der Stahlbranche in der Nähe des nordrhein-westfälischen Landtags für einen Staatseinstieg demonstriert hatte.

Liberty Steel möchte Stahlsparte kaufen

Die IG Metall hofft, dass so eine Zerschlagung des Konzerns und ein massiver Arbeitsplatzabbau verhindert werden können. Gewissermaßen während sich die Demo formierte, flatterte Thyssen-Krupp ein Kaufangebot für das Stahlsegment auf den Tisch. Absender: der britische Konzern Liberty Steel.
Überraschend, so Renk, habe sich während der Demo Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) blicken lassen. Dieser hatte sich jüngst erst gegen einen Staatseinstieg ausgesprochen. Vor den tausenden Demonstranten „hat er sich zwar klar zum Stahlstandort NRW bekannt, aber hinsichtlich klarer Aussagen zu einer Beteiligung von Bund und Land zurückgehalten“. Laschet habe die Bereitschaft der öffentlichen Hand signalisiert, den Konzern beim Übergang zu „grünem Stahl“ finanziell zu unterstützen. Er sagte aber auch: „Ich glaube nicht, dass Politiker die besseren Unternehmer sind.“

"Uns bleibt nicht mehr viel Zeit"

„Uns bleibt nicht mehr viel Zeit. Thyssen-Krupp kann sich nicht alleine helfen. Staatliche Hilfen sind zwingend notwendig. Das müsste doch allen klar sein“, so Renk: Eine staatliche Beteiligung könne ja auch befristet greifen. Die TKS-„Strategie 20-30“, die erst im März beschlossen worden war und Investitionen in die Siegerländer Standorte mit sich bringen sollte, gerate stark ins Wanken. Thyssen-Krupp sei nach wie vor ein Premium-Stahlhersteller – einer, der sich in einer Krise befinde, die von der Pandemie weiter befördert werde. „Corona bringt uns in große Schwierigkeiten. Das Geld fließt uns weg, der Markt verhält sich völlig unnormal“, so der Betriebsratsvorsitzende u. a. angesichts von Nachfrageeinbrüchen in der Automobilbranche.Was sagt er zum Kaufangebot der Briten? „Ob der Interessent nun Liberty Steel heißt oder anders, ändert nichts an der Situation: Auch er wird zum Staat gehen und Geld einfordern. Kein Unternehmen kann alleine den Wandel hin zum grünen Stahl finanzieren.“ Jobs aber würden gefährdet, bei einem Firmensitz im Ausland gingen Steuergelder verloren.

IG Metall hält nichts von Kaufangeboten

„Es ist akuter Alarm“, bestätigt der heimische IG-Metall-Bevollmächtigte Andree Jorgella. In jüngster Vergangenheit habe es immer wieder Gerüchte um Übernahmeangebote für die Stahlsparte von TKS gegeben: „Dabei handelt es sich unserer Einschätzung nach nicht um Investoren, die das Unternehmen strategisch nach vorne bringen wollen. Die Gefahr besteht vielmehr, dass sie möglichst viel heraussaugen wollen.“

Die Beschäftigten von Thyssen-Krupp Steel in Eichen und Ferndorf  kennen  den Zustand zwischen Hoffen und Bangen. Am Freitag  zeigten sie Flagge vor dem NRW-Landtag.
Rund 100 IG-Metaller demonstrieren in Düsseldorf für eine staatliche Unterstützung der Thyssen-Krupp-Stahlsparte.
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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