Sterben wieder ins Leben integrieren

Elsbeth Rickers und Dr. Robert Volk warben beim VdK für die Hospizbewegung

Kreuztal. Zu einem offenen Vortrag mit der ehemaligen Olper Landtagsabgeordneten Elsbeth Rickers und dem ehemaligen Chefarzt Dr. Robert Volk zum Thema „Hospizbewegung und Schmerztherapie” hatten die VdK-Ortsverbände in die Stadthalle nach Kreuztal eingeladen. Dieser Abend war die erste gemeinsame Veranstaltung der sechs VdK-Ortsverbände Littfeld, Kreuztal, Krombach, Eichen, Ferndorf und Buschhütten mit dem Ziel, verstärkte Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. VdK-Kreisvorsitzender Karl-Heinz Fries betonte, Ziel der Veranstaltung sei, die Furcht vor Alter, Schmerz und Tod zu nehmen und mit mehr Zuversicht in die Zukunft zu blicken.

Monika Seppelt, die Eichener VdK-Ortsvorsitzende stellte die beiden Referenten des Abends vor. Elsbeth Rickers, die zum Thema „Hospizbewegung” referierte, ist neben ihrer langjährigen Tätigkeit als CDU-Landtagsabgeordnete in mehreren karitativen Organisationen engagiert. Dr. Robert Volk war Chefarzt der Inneren Medizin und von 1976 bis 1999 ärztlicher Direktor des St.-Josef-Hospitals in Lennestadt. Sein Vortrag war dem Thema „Schmerztherapie” gewidmet. Beide Referenten sind Initiatoren des ersten stationären Hospizes in Westfalen, dem St.-Elisabeth-Hospiz in Lennestadt.

Hospiz bedeutet ursprünglich „Rast auf dem Wege”, meint aber heute einen Ort, an dem Sterbenskranke auf ihrem letzten Weg betreut und begleitet werden. In einem Hospiz ist man nicht Patient, sondern Gast, dem alle erfüllbaren Wünsche möglich gemacht werden. Das erste Hospiz dieser Art war das Christophorus-Hospiz in London, das 1968 gegründet wurde. Grundgedanke der Hospizbewegung ist, dem Sterbenden ein schmerzfreies, würdevolles Ende zu ermöglichen.

Daher engagiert sich die Hospizbewegung nicht nur im Bereich stationärer Häuser, sondern bietet auch ambulante Hilfe. Sterbenskranke werden betreut, deren Angehörige informiert und unterstützt. „Es ist unsere Aufgabe, das Sterben ins Leben zurückzuholen, denn jeder sterbende Mensch ist in erster Linie ein lebender Mensch”, appellierte Rickers und wies darauf hin, dass nur zehn Prozent der Menschen zu Hause sterben.

Die Säulen der Hospizbewegung sind Betreuung, Begleitung und Schmerztherapie. Dr. Volk erläuterte in seinen Ausführungen die Prinzipien der Schmerztherapie, um den weit verbreiteten Einwänden gegenüber der Vergabe von Morphin-Präparaten entgegenzuwirken. Starke Schmerzmittel sollten nicht nach Bedarf, sondern nach Zeitplan verordnet und individuell dosiert werden, um eine vermeintliche Suchtgefahr auszuschließen bzw. um den Patienten ein schmerzfreies Dasein zu gewährleisten.

Leider aber würden in Deutschland Morphin-Präparate nicht in dem Maße eingesetzt, wie sie von den ca. 250000 schwerstkranken Krebspatienten benötigt werden. Gründe dafür seien u. a. der unzureichende Kenntnisstand vieler Ärzte sowie die Scheu vor der sehr komplizierten Verordnungsweise solcher Medikamente, die in Deutschland das Betäubungsmittelgesetz vorschreibe. Dr. Volk betonte daher nachdrücklich, dass das Betäubungsmittelgesetz nur für zugelassene Medikamente gelte und nicht die Drogenszene betreffe. Kein Drogentoter sei infolge eines für ihn auf Rezept verordneten Morphin-Präparats gestorben. Aber nicht nur die Ärzte scheuen die Vergabe von starken Schmerzmitteln, auch die Patienten haben oft Vorurteile. Es sei die Angst vor dem sogenannten „Giftrezept”, das angeblich mehr schade als nutze. Dem aber hielt Volk entgegen, dass die Schmerztherapie bzw. die Hospizbewegung eine Lebenshilfe darstelle, die das Leben schmerzfrei und damit wieder lebenswert machen solle und somit eine sinnvolle Alternative zur Sterbehilfe darstelle. Dr. Volk: „Der Mensch sollte nicht durch die Hand, sondern an der Hand eines anderen Menschen sterben.”

Im Anschluss an die Vorträge hatten die Zuhörer die Gelegenheit, Fragen zu stellen oder eigene Erfahrungen zu äußern. So kam es zu einer lebhaften Diskussion, in der sich Betroffene vehement für die von Volk beschriebene Schmerztherapie einsetzten. Abschließend dankte Monika Seppelt für das rege Interesse an dieser Veranstaltung und gab den Besuchern mit auf den Weg, das Gehörte weiterzugeben. Auch der Stadt Kreuztal galt es zu danken, die die Stadthalle den VdK-Ortsverbänden kostenlos zur Verfügung gestellt hatte.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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