Storchenfans sahen plötzlich doppelt

Kurt verließ »Plastikdame« für einen echten Weißstorch und verabschiedete sich aus Littfeld

dima Littfeld. Gestern Nachmittag in Littfeld: Bärbel Klug blickt in den Himmel, sucht im Storchennest, auf den Dächern und sondiert die frisch gemähten Wiesen. Ohne Erfolg. Weißstorch Kurt, der seit seiner Zwischenlandung im verschneiten Littfeld seit mittlerweile fast vier Monaten zum Dorfbild gehörte, bleibt verschwunden. Keine Spur von Meister Adebar, der von den Littfeldern mit Hackfleischbällchen und frischen Forellen gefüttert wurde, der sich schließlich zu Beginn des Frühlings unter den Blicken der Dorfbewohner in die Plastikstorchenattrappe einer Gartenbesitzerin verliebte und nach allen Regeln der Storchenkunst, aber dennoch erfolglos, balzte.

Am Sonntag schwang sich der populärste Vogel des Kreisgebietes aus seinem Nest, schraubte sich in den Himmel, immer höher und höher, bis er schließlich nicht mehr zu sehen war. Das berichtete Bärbel Klug, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kurts Nest an der Limbachstraße wohnt und die durch den seltenen Gast zu einem bekennenden Storchenfan wurde. Der Grund für Adebars Abschied, da sind sich die Littfelder Storchenfreunde sicher, dürfte ein zweiter Storch sein, der am vergangenen Samstag wenige Meter neben Kurts Nest landete.

Bärbel Klug arbeitete im Garten, als der Storch über der Limbachstraße kreiste, was seit Januar kein ungewöhnlicher Anblick für die Littfelderin mehr war. »Warum landet Kurt nicht?«, überlegte die Littfelderin. Und blickte zum Storchennest im Nachbargarten. Hier balzte Kurt immer noch mit seiner Plastikdame. Zwei echte Weißstörche mit echten Federn und roten Schnäbeln. Bärbel Klug: »Man denkt, man sieht doppelt.« Zielstrebig habe der zweite Storch das Nest anvisiert. »Er wollte landen, traute sich aber nicht«, wertete Bärbel Klug die Annäherungsversuche des zweiten Storchs. Schließlich setzte der »Neue« zur Landung auf den frisch gemähten Wiesen an der Limbachstraße an. »Sehr scheu« habe sich der Storch verhalten, ganz im Gegensatz zu Kurt, der als Jungvogel in einer Vogelstation bei Hannover von Menschenhand aufgezogen wurde und den Littfeldern sogar aus der Hand fraß.

Obwohl die Littfelder seit der »Ära Kurt« längst kein Storch mehr vom Hocker haut, habe sich die Limbachstraße sofort mit Menschen gefüllt, berichtete Bärbel Klug. »Wir konnten das nicht fassen.« Die Besitzerin des Plastikstorchs habe die Attrappe aus dem Nest genommen, denn die Storchenfans waren sich sofort sicher, obwohl selbst erfahrene Ornithologen Herr und Frau Storch am Gefieder kaum unterscheiden können: Der »Neue« ist eine Storchendame. Der von einigen Littfeldern insgeheim gehegte Wunsch nach einem eigenen Storchendorf mit vielen kleinen Kurtis war in diesem Moment greifbar nah.

Und Kurt reagierte, wie ein echter Storchenmann reagieren muss: Nachdem er bisher treu im Nest seiner Plastikfrau geklappert hatte, flog er jetzt auf ein benachbartes Dach und startete eine wahre Klapperarie. Kurts Liebeslied verfehlte seine Wirkung nicht, denn, so beobachteten die Littfelder, anschließend stolzierten die frisch Verliebten Seite an Seite über Littlfelds Wiesen. Spätestens jetzt muss die ornithologische Fachliteratur des Siegerlandes umgeschrieben werden. Bisher nur als seltener Gast während des Vogelzugs notiert, hatten sich in Littfeld zwei Störche zur besten Brutzeit gefunden. Alles schien möglich, zumindest für einen Nachmittag.

Tags darauf, am vergangenen Sonntag, platzten die Träume vom Storchendorf, denn gegen 13 Uhr wurde Kurt nur noch als kleiner Punkt am Himmel beobachtet. Von der »Neuen« war zu diesem Zeitpunkt schon keine Feder mehr zu sehen. Seither wartet man in Littfeld auf Kurts Wiederkehr. Andererseits sind die Storchenfreunde froh, dass »ihr« Vogel den Weg in ein »normales« Storchenleben gefunden hat. Und vielleicht, so hoffen einige Littfelder seither, schaut er irgendwann mitsamt Familie wieder vorbei.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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