SZ

Der kleine Pavel kommt auf dem Rücksitz des Familien-Pkw zur Welt
Sturzgeburt an der Zapfsäule in Kreuztal

Kassiererin Traudel Becker leistete im Auto Geburtshilfe, wickelte das Neugeborene in eine schnell herbeigeholte Arbeitsjacke der Tankstelle.
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  • Kassiererin Traudel Becker leistete im Auto Geburtshilfe, wickelte das Neugeborene in eine schnell herbeigeholte Arbeitsjacke der Tankstelle.
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

bjö Kreuztal. Es dürfte die absolute Ausnahme sein, dass sich ein Geburtsdatum an der ausgedruckten Zeit eines Tankbelegs festmachen lässt. Bei Pavel ist es aber so: Der sechs Tage alte Kreuztaler erblickte am vergangenen Mittwoch um 3.33 Uhr das Licht der Welt – genau zu jener Zeit, als Papa Boris Angelov an der Kreuztaler Aral-Tankstelle die Benzinrechnung beglich.

Das Kuriose dabei: Die Geburt fand derweil auf dem Rücksitz des an der Zapfsäule stehenden Fahrzeugs statt. Die Fruchtblase der 25-jährigen Bulgarin Elena Angelova war bereits geplatzt, als sie und ihr Mann wenige Minuten vorher ins Auto gestiegen waren, um es noch rechtzeitig in den Kreißsaal des Marien-Krankenhauses zu schaffen. Eigentlich recht früh: Der errechnete Geburtstermin sollte erst am 30. Oktober sein.

bjö Kreuztal. Es dürfte die absolute Ausnahme sein, dass sich ein Geburtsdatum an der ausgedruckten Zeit eines Tankbelegs festmachen lässt. Bei Pavel ist es aber so: Der sechs Tage alte Kreuztaler erblickte am vergangenen Mittwoch um 3.33 Uhr das Licht der Welt – genau zu jener Zeit, als Papa Boris Angelov an der Kreuztaler Aral-Tankstelle die Benzinrechnung beglich.

Das Kuriose dabei: Die Geburt fand derweil auf dem Rücksitz des an der Zapfsäule stehenden Fahrzeugs statt. Die Fruchtblase der 25-jährigen Bulgarin Elena Angelova war bereits geplatzt, als sie und ihr Mann wenige Minuten vorher ins Auto gestiegen waren, um es noch rechtzeitig in den Kreißsaal des Marien-Krankenhauses zu schaffen. Eigentlich recht früh: Der errechnete Geburtstermin sollte erst am 30. Oktober sein.

Boris Angelov steht aufregt im Kassenraum der Tankstelle in Kreuztal

Der werdende Vater war sich nicht sicher, ob er mit der vorhandenen Tankfüllung noch bis nach Siegen kommen würde. Und so fuhr er, ohne es zu ahnen, geradewegs in Richtung einer rührigen Geburtshelferin in Gestalt der Tankstellenkassiererin Traudel Becker. Es war gegen 3.30 Uhr vor Tagesanbruch, als Boris Angelov aufgeregt im Kassenraum der Tankstelle an der Hagener Straße seine Tankrechnung bezahlen wollte, mit dem Handy hantierte und Traudel Becker bat, den Notarzt zu rufen. An die Bahnhofstraße solle der kommen, dort wohne er mit seiner Familie, seine Frau erwarte ein Kind.
Die Kassiererin reagierte richtig, als sie zu verstehen begann, dass sich die werdende Mutter just zu dem Zeitpunkt im Wagen befand – sie bestellte den Rettungsdienst wohlweislich direkt an die Tankstelle und eilte nach draußen, um zu schauen, ob sie helfen könnte, während ihre Kollegin im Laden blieb.

Elena und Boris Angelov freuen sich auf ein Leben mit Pavel, der wohl als erster Kreuztaler überhaupt an der Tankstelle zur Welt gekommen sein dürfte.
  • Elena und Boris Angelov freuen sich auf ein Leben mit Pavel, der wohl als erster Kreuztaler überhaupt an der Tankstelle zur Welt gekommen sein dürfte.
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Vor dem Wagen traf Traudel Becker auf die werdende Oma, die ihr zu verstehen gab: „Das Kind ist schon da.“ Und in der Tat: Auf der Rücksitzbank des Kleinwagens hatte soeben Pavel das Licht der Welt erblickt. Die Nabelschnur war noch mit der Mutter verbunden, die bei nur 5 Grad mit den wenig komfortablen Umständen der Spontangeburt zu kämpfen hatte.

Traudel Becker massiert die Beine der frischgebackenen Mutter

Angst bereitete den Eltern die Tatsache, dass Pavels Hautfarbe schon einen bläulichen Ton anzunehmen begann. Traudel Becker beugte sich in den Wagen, stupste das Kind an, um es zu den ersten Schreien seines Erdendaseins zu animieren. Erleichterung bei allen, als sich das Baby lautstark zu Wort meldete. Trotz aller Angst war Elena Angelova dankbar für Traudel Beckers Hilfe: „Es war ein schönes Gefühl, Traudel da zu haben.“

„Der Wagen war Gott sei Dank viertürig“, schildert die unfreiwillige Geburtshelferin die Umstände der ebenso kuriosen wie dramatischen Situation: „Ich hatte nicht viel Ahnung, was jetzt zu tun sei – aber immerhin war ich damals bei der Geburt meines Enkels dabei“, erklärt Traudel Becker weiter. Mit ihren Händen massierte sie sanft die durchfrorenen Beine der Mutter, um sie etwas aufzuwärmen. Den neuen Erdenbürger wickelte sie kurzerhand in eine schnell herbeigeholte Arbeitsjacke der Tankstelle. Die Angestellte blickt zurück: „Ich habe zwar die Souveräne gespielt, aber ich hatte in Wirklichkeit viel Angst.“

Das Geburtsbändchen ist für die Familie eine bleibende Erinnerung: Angelova, Pavel. Die Bedeutung der Nummer müsste noch geklärt werden.
  • Das Geburtsbändchen ist für die Familie eine bleibende Erinnerung: Angelova, Pavel. Die Bedeutung der Nummer müsste noch geklärt werden.
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Der schlimmste Stress war vorbei, als Traudel Becker Mutter und Kind in die Hände des Rettungsdienstes übergeben konnte. Der fuhr die beiden unter deutlich angenehmeren Bedingungen ins Siegener Marienkrankenhaus. Mutter und Sohn konnten die Klinik am Freitag verlassen – bei erfreuen sich bester Gesundheit. Auch im Kreißsaal machte die spektakuläre Geschichte von der „spontanen Spontangeburt“ an einer Zapfsäule die Runde. Kreißsaal-Leiterin Helen Dreesbach ließ ausrichten, dass sie sich mit der Familie darüber freue, „dass die stürmische Geschichte an der Tankstelle ein Happy End gefunden“ habe.

Traudel Becker gönnt sich einen Whisky-Likör - auf den kleinen Pavel

Nach Ende dieser spektakulären Nachtschicht gönnte sich Traudel Becker daheim um 6.15 Uhr morgens nicht weniger als einen Whisky-Likör mit Zimt – im Geiste auf den kleinen Pavel anstoßend. „Eine Geburt ist für mich das Berührendste, was es gibt“, sagt die Kreuztalerin rückblickend. Berührend war auch, als Vater Boris Tage nach der Geburt mit einem Strauß Blumen und Pralinen im Kassenraum der Tankstelle aufkreuzte, um sich bei ihr zu bedanken. Als die SZ sich am Montag mit den Beteiligten zum Fototermin an der Tankstelle traf, interessierte das einen herzlich wenig: Pavel, 3060 Gramm schwer und 50 Zentimeter groß, verschlief das Shooting in den Armen seiner Mutter komplett. Vielleicht träumte er von einem lebenslang gültigen Tankgutschein als nette Geste von Aral.

Autor:

Björn Hadem aus Siegen

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