Tabu des Schweigens brechen

»Aids reißt Lücken«: Solidarischer Abend in der Stadthalle / Wieczorek-Zeul zu Gast

nja Kreuztal. »Aids« – das ist sicherlich kein Thema, das einen entspannten Einstieg ins Wochenende verspricht. Vielleicht hielt sich deshalb das Interesse an der gestrigen Veranstaltung in der Kreuztaler Stadthalle, die unter dem Motto »Aids reißt Lücken« stand, zugleich aber im Untertitel einen »Abend der Hoffnung« versprach, in Grenzen: Viele Stühle blieben leer, als eine Initiative der ev. und kath. Kirchengemeinden sowie des Deutschen Gewerkschaftsbunds Siegen-Wittgenstein-Olpe dazu eingeladen hatte, ein Zeichen der Solidarität zu setzen, die Immunschwäche wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken.

Das Thema Aids sei offenbar für viele Menschen zu weit weg, bedauerte Ferndorfs Pastor Volker Bäumer die enttäuschende Resonanz. All jene, die den lauen Frühlingsabend in der Stadthalle verbrachten, erwarteten dafür aber einige informative und zugleich unterhaltsame Stunden. So berichtete z.B. die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul, über ihre Arbeit.

42 Millionen Menschen, so wusste sie, lebten mit dem HIV-Virus. Fast die Hälfte davon seien Frauen; vor allem ihnen müsse der Rücken gestärkt werden, denn noch immer seien z.B. Kondome für viele Männer tabu. Allein 2002 hätten sich weltweit 5 Millionen Menschen neu infiziert, 3 Millionen seien am Virus gestorben. Öffentlichkeitsarbeit sei sehr wichtig. Das Beispiel Uganda zeige, wie mit einer breiten Aufklärungsarbeit die Ansteckungszahlen drastisch verringert werden könnten. Die Ministerin: »Es gibt nichts Wichtigeres, als durch Aufklärung Menschen vor dem Tod zu retten.«

Ihr Ministerium helfe bei dieser Aufklärung, u.a. aber auch beim Aufbau von Gesundheitssystemen in den Partnerländern und wolle dazu beitragen, »dass Entwicklungsländern verbilligte Medikamente zur Verfügung stehen«. Jeder könne, z.B. mit Geldspenden für Aids-Projekte, ein Stück Hoffnung vermitteln. Die knappen Finanzmittel der Welt, so das Credo der Ministerin, sollte für die Bekämpfung der Armut verwendet werden – und nicht für Kriege.

»Aids zerreißt Städte und Länder«, mahnte Dr. Ulrich Möller, Oberkirchenrat der ev. Kirche von Westfalen, an. Die Partnerkirchen in Afrika hätten entdeckt: Auch die Kirche habe Aids, sei selbst Teil des Problems: »Da hilft kein Vertuschen und Tabuisieren, sondern die befreiende Kraft des Evangeliums.« Es gelte, die Betroffenen in die Gemeinschaft zu integrieren.

Die Kirche wolle die Augen nicht verschließen und bleibe nicht tatenlos. Waisenprogramme, Seelsorge, Beratungen, Ausbildungsprojekte, aber auch internationale Kontakte zwischen Asien und Afrika, um in Asien für eine verstärkte Prävention zu werben – dies seien Beispiele kirchlichen Engagements. Dr. Möller: »Unsere Aufgabe ist es auch, Mut zu machen, damit das Tabu des Schweigens gebrochen wird.« Wer sich engagieren wolle, finde im Aktionsbündnis gegen Aids ein breites Feld der Handlungsmöglichkeiten.

»Auch Wirtschaft hat Aids«, so laute ein Projekt im Landes-Agenda-Prozess der ev. Kirche. Hiesigen Wirtschaftsunternehmen, die in Afrika vertreten seien, würden dabei Partnerschaften angeboten. Sinn und Zweck: Mit Hilfe der Partnerkirchen vor Ort könnte die Gesundheitsvorsorge der Mitarbeiter verbessert werden. Dr. Möller: »Aids schafft neue Koalitionen und mobilisiert Kräfte.«

Musikalische Akzente setzten gestern die Trommlergruppe »Hakuna Matata« und »Les Chérubins«, Band und Chor der christlichen afrikanischen Gemeinde in Siegen. Frauen aus Sri Lanka und dem Kongo berichteten über die Probleme in ihrer Heimat, über den Kreislauf von Armut und Infizierung. Thomas Wüst vom Kreis-Gesundheitsamt erzählte von seiner präventiven Arbeit. Nach wie vor sei Aufklärung auch hier vor Ort nötig, befand er. Jeder könne Solidarität zeigen, indem Stigmatisierung und Ausgrenzung der Infizierten überwunden würden. Einige Hilfs-Initiativen stellten sich gestern in der Stadthalle vor. Im Foyer konnten sich die Besucher stärken: wahlweise mit afrikanischen Spezialitäten – oder belegten Brötchen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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