Tradition und Fairness prägen Rot-Weiß

75 Jahre Handball beim TuS Ferndorf

Idealismus und Zusammenhalt wurden über Generationen weitergegeben

jb Ferndorf. Handball im Siegerland ist zumindest seit der Zeit nach dem 2. Weltkrieg ganz eng mit dem nunmehr 75 Jahre »jungen« TuS Ferndorf verbunden. Und bis zum heutigen Tag haben die Handballer in den rot-weißen Trikots nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.

Bevölkerten einst mehrere Tausend Zuschauer zu Feldhandballzeiten die Heimspiele auf dem Rosenkamm-Sportplatz, so kommt auch heute die Enkel- und Urenkel-Generation in Scharen zum Hallenhandball. Damals wie heute ist der TuS Ferndorf eines der wenigen sportlichen Aushängeschilder des Siegerlandes. Der Verein genießt mit seinen Vertretern (Spieler und Offizielle) bei den Handballern im Lande einen guten Ruf. Dieser ohnehin exzellente Ruf ist vor drei Wochen durch das erstklassige Turnier u.a. mit den Topteams aus Kiel und Gummersbach zweifellos noch einmal kräftig aufpoliert worden. Der TuS Ferndorf ist wegen seiner Gastfreundschaft, perfekter Organisation, Idealismus und Fairness gegenüber seinen Gegnern eine »Hausnummer« Das sieht man auch beim Deutschen Handball-Bund so, der sich immer gerne an die Nordsiegerländer erinnert, wenn es um die Ausrichtung internationaler Spiele geht.

Auch eine Tugend: Verschwiegenheit

Diese außerordentlich positiven sportlichen Tugenden stellten bereits die Ferndorfer Handballpioniere zur Schau. So schrieb der langjährige Abteilungsleiter Fritz Hein, der auch heute noch aufgeregt alle Spiele verfolgt, zum 50-jährigen Vereinsbestehen, dass die Ferndorfer Manschaften jedes Jahr für ihre mustergültige, faire Spielweise mit dem damaligen Fairnesspreis ausgezeichnet wurden. Diese Tugenden sind in jede neue Spielergeneration übertragen worden. Auch Verschwiegenheit prägt seit Jahrzehnten die Ferndorfer Handballer. Wenn mannschaftsintern besprochene Dinge nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollen, dann bleiben diese auch in der Kabine.

Legendärer Sieg über Dankersen

So richtig entstand der Zusammenhalt der Ferndorfer, als 1945 die ersten Rückkehrer aus der Kriegsgefangenschaft (24 ehemalige TuS-Spieler ließen ihr Leben) wieder Handball spielen wollten. 1946 wurde der Spielbetrieb aufgenommen. Nach vier vergeblichen Anläufen stieg der kleine Dorfverein 1951 in die Oberliga auf, damals die höchste Spielklasse. Pünktlich zum 25jährigen Bestehen wurden die Ferndorfer bereits in der zweiten Saison 1953 erstmals Westfalenmeister. Das entscheidende Spiel gegen Eintracht Minden verfolgten 6000 Zuschauer auf dem Rosenkamm. Diese legendäre TuS-Mannschaft mit den herausragenden Spielern Hermann Geisweid (Tor), dem wurfgewaltigen Linkshänder Dietmar Münker und Theo Schweisfurth hatte damit den sportlichen Zenit erreicht. Ein Teil dieser Mannschaft hörte aus Altersgründen auf. Schon zwei Jahre später stieg die verjüngte Mannschaft in die Landesliga ab und wurde dann bis 1960 zur »Fahrstuhlmannschaft«. Ab 1961 etablierte sie sich wieder in der Oberliga Westfalen. Jetzt prägten Rolf Becker, Werner Schlag, Rudolf Krämer und Rudolf Flender die Mannschaft. Unvergessen ist bis heute, wie die Ferndorfer 1964 den Deutschen Vizemeister Grün-Weiß Dankersen mit dem jungen Nationalspieler Herbert Lübking mit 13:8 vorführten.

1968 wurde pünktlich zu den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen zum zweiten Mal die Westfalenmeisterschaft gefeiert. Die Ferndorfer lagen punktgleich mit Polizei SV Dortmund an 1. Stelle und gewannen das Entscheidungsspiel in Werdohl mit 9:8. Das war allerdings nicht automatisch mit einem Aufstieg verbunden. Aber 1969 wiederholten die Ferndorfer diesen Titelgewinn. Danach stiegen sie in die neu gegründete Regionaliga West - Staffel Süd auf. Auch gegen die Konkurrenz aus dem Rheinland und vom Mittelrhein wurden die Ferndorfer Meister und stießen zum dritten Mal in Folge in die Endrunde um die Westdeutsche Meisterschaft vor. 1970 feierten sie vor 6000 Zuschauern im Hagener Ischeland-Stadion den Titel, nachdem TuSEM Essen und VfL Eintracht Hagen geschlagen waren. Dann ging es weiter mit Aufstiegsspielen gegen TSV Siemensstadt Berlin und Eintracht Hohn aus Schleswig-Holstein. Nach klaren Siegen stiegen die Ferndorfer in die Bundesliga auf.

Bundesliga prägte Spielergeneration

Die herausragenden Spieler dieser Ära waren der legendäre Siegfried »Sippi« Klein, der einige Jahre zuvor vom Siegener Turnverein (heute TSG Siegen) gekommen war, Uli Münker, Rolf Becker und Torhüter Henning Schliebs. Die meisten dieser erfolgreichen Mannschaft blieben lange Jahre, teilweise bis zum heutigen Tag, in irgendeiner Form dem Handball erhalten. Rolf Becker war später viele Jahre Trainer. Harald Münker und Horst Lütz stehen heute an der Führungsspitze der Ferndorfer Handball-Abteilung. Der damals blutjunge Torhüter Manfred Hambloch war später erfolgreicher Trainer in seinem Stammverein TV Littfeld und Abteilungsleiter in Ferndorf. Günter Henrich, der auch ein exzellenter Leichtathlet war, gab seine Erfahrung als Trainer verschiedener Vereine von der Verbandsliga bis zur Bezirksliga weiter, davon viele Jahre ebenfalls in seinem Littfelder Heimatverein.

Leider dauerte die Bundesliga-Zugehörigkeit nur ein Jahr. Verletzungspech verhinderte den einen oder anderen Punkt zum Klassenerhalt. Trotzdem gaben die Ferndorfer in dieser Saison alles. Volle Zuschauerränge bei allen Heimspielen waren die Anerkennung. Bis zum Ende der Feldhandball-Ära 1976 wurde weiterhin erfolgreich gespielt. Von 1973 bis 1976 standen die Ferndorfer in den Endspielen um die Westdeutsche Meisterschaft. 1974 gelang gegen OSC Dortmund ein letztes Mal der Titelgewinn.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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