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Umstrittenes Amprion-Projekt
Trassengegner bleiben unter Strom

Nach wie vor ein Schreckgespenst aus Siegerländer Sicht ist die Möglichkeit, dass auf einer grünen Wiese im Naherholungsgebiet Heestal ein großes Umspannwerk entstehen könnte.
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  • Nach wie vor ein Schreckgespenst aus Siegerländer Sicht ist die Möglichkeit, dass auf einer grünen Wiese im Naherholungsgebiet Heestal ein großes Umspannwerk entstehen könnte.
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js Junkernhees/Attendorn. Quadratisch, praktisch, gut? Ganz so euphemistisch lässt es sich nicht beschreiben, was die Firma Amprion am Dienstag per Pressemitteilung verkündete. Das Netzbauunternehmen, das seit Jahren an der umstrittenen Planung einer 380-kV-Höchstpannungsleitung durch die Region feilt, möchte bei den noch nicht genehmigten Abschnitten auf der Strecke zwischen Kruckel bei Dortmund und Dauersberg im Kreis Altenkirchen auf eine andere Mastform setzen. Damit reagiert es auf Stellungnahmen und Einwendungen, die im Rahmen des Genehmigungsverfahrens eingegangen waren.

„Nach intensiver Prüfung wurde der Wechsel der Mastform geprüft und als umsetzbar bewertet“, so Projektsprecherin Marielle Raulf.

js Junkernhees/Attendorn. Quadratisch, praktisch, gut? Ganz so euphemistisch lässt es sich nicht beschreiben, was die Firma Amprion am Dienstag per Pressemitteilung verkündete. Das Netzbauunternehmen, das seit Jahren an der umstrittenen Planung einer 380-kV-Höchstpannungsleitung durch die Region feilt, möchte bei den noch nicht genehmigten Abschnitten auf der Strecke zwischen Kruckel bei Dortmund und Dauersberg im Kreis Altenkirchen auf eine andere Mastform setzen. Damit reagiert es auf Stellungnahmen und Einwendungen, die im Rahmen des Genehmigungsverfahrens eingegangen waren.

„Nach intensiver Prüfung wurde der Wechsel der Mastform geprüft und als umsetzbar bewertet“, so Projektsprecherin Marielle Raulf. Die neue Bauweise hat fünf statt drei Querträger, soll rund 5 Prozent höhere Konstruktionen als bislang geplant erforderlich machen, dafür aber weniger in die Breite gehen. Amprion verspricht sich eine Reduzierung bei den Waldeingriffen (rund 10 Prozent) und ein Fünftel weniger Grundstücksbedarf. Außen vor bei dieser Umplanung ist der südliche Trassenabschnitt auf rheinland-pfälzischer Seite, der sich bereits im Bau befindet.

Was hat sich sonst noch getan seit dem Erörterungstermin, bei dem die Bezirksregierung Arnsberg als Genehmigungsbehörde Amprion, Kommunen, Verbände und Einwender im Planfeststellungsverfahren für den Streckenabschnitt C (Attendorn bis Landesgrenze) in der Attendorner Stadthalle zusammengebracht hatte? Immerhin sind nun beinahe anderthalb Jahre vergangen, seitdem dem Dortmunder Netzbetreiber 34 Anträge zur Bearbeitung mitgegeben worden waren.

Bis Ende 2020 möchte Amprion seine Hausaufgaben machen, so die Unternehmenssprecherin im SZ-Gespräch. Mitte Februar hat die Firma die im Erörterungstermin zugesagten ergänzenden Untersuchungen für eine Trassenvariante im Bereich Junkernhees/Meiswinkel vorgelegt, wie der zuständige Dezernent Werner Isermann bestätigt. „Die Untersuchung liegt derzeit den zuständigen Fachbehörden, dem Landesbüro der Naturschutzverbände und den betroffenen Städten Kreuztal und Siegen zur Stellungnahme vor.“ Nach SZ-Informationen soll es sich bei dieser Alternativtrasse um diejenige handeln, die von den Siegerländer Bürgerinitiativen (BI) vorgeschlagen worden war. Diese verlagert Masten und Kabel bergaufwärts in den Wald, sodass weniger Wohnhäuser im Heestal und in Meiswinkel betroffen wären. Auch sollen keine weiteren Betroffenheiten in anderen Ortsteilen damit verbunden sein.

Ob die von vielen Bürgern befürchtete gasisolierte – in einem Gebäude eingefasste – Umspannanlage in der Nachbarschaft des Schlosses Junkernhees gebaut wird, werde ebenfalls noch geprüft, berichtete Marielle Raulf auf Nachfrage. Die Alternativtrasse, mit der sich derzeit die BIs und die Rathäuser in Kreuztal und Siegen beschäftigen, gibt es einmal ohne Anbindung an ein neues Umspannwerk und einmal mit einer solchen – in letzterem Fall mit Zusatzmast für den dann benötigten Abzweig.

Ende vergangener Woche erreichte die Bezirksregierung zudem eine gutachterliche Bewertung zum kulturellen Erbe und zum Denkmalschutz im Heestal. Gleich mehrere Baudenkmäler befinden sich genau in dem Bereich, durch den Amprion seine Strippen ziehen möchte. Über diese Studie werden in Kürze die Fachbehörden und Kommunen sowie die BIs informiert. Sie soll dem Vernehmen nach auch die geforderten Visualisierungen der Masten im Heestal beinhalten.

Keine Rolle spielt im Planfeststellungsverfahren übrigens das Gutachten, das Wirtschaftswissenschaftler und Energieforscher Prof. Dr. Lorenz Jarass im Herbst als Auftragsarbeit für die Prozessgemeinschaft „Herdecke unter Strom“ und die Bürgerinitiative Semberg vorgelegt hat. Zentrale Aussage seiner Expertise: Die 380-kV-Leitung würde nicht der für die Energiewende benötigten Netzstabilität dienen, sie würde höchstens für den Stromexport in südliche Nachbarländer gebraucht. Schließlich werde der Beschluss zum Kohleausstieg völlig außer Acht gelassen im Netzentwicklungsplan.

Amprion sieht das erwartungsgemäß anders. „Der Bedarf ist auch ohne den Kohlestrom mehr als gegeben“, findet die Sprecherin. Das Gutachten selbst liege ihr nicht vor; die gleiche Aussage nimmt Verfahrensleiter Werner Isermann bei der Bezirksregierung für sich in Anspruch. Den 23. April dürften dennoch beide im Kalender vermerkt haben: Dann nämlich steht vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig die mündliche Verhandlung im Verfahren der Herdecker gegen den Leitungsbau an. Diese hatte eigentlich bereits im Dezember stattfinden sollen, war dann aber vertagt worden. Der gespannten Erwartungshaltung auf die Sicht der Richter tat die Verschiebung keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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