Unbekanntes über eine beliebte Ferienregion

Ischia und Golf von Neapel:

Prof. Dr. Mathias Döring gab Einblick in seine Feldforschung

sz Ferndorf. Ischia und den Golf von Neapel stellte Prof. Dr. Mathias Döring (Darmstadt) in einer gut besuchten Vortragsveranstaltung des SGV Ferndorf nicht nur als beliebte Ferienregion vor. Vielmehr machte er laut Pressemitteilung des SGV mit der reichen Geschichte seit dem Erscheinen griechischer Kolonisten im 9. Jahrhundert vor Christus bekannt, zeigte antike Bäder, Theater, Tunnelbauten und gewaltige Zisternen wie Kathedralen sowie die Auswirkungen von Vulkanismus und Bradisismus in dem Teil Campaniens, in dessen unterirdischen Magmakammern die Erde brodelt und kocht.

Mit seinen Studenten arbeitet Prof. Döring, der in Ferndorf aufgewachsen ist und nach wie vor engen Kontakt mit seiner Heimat hat, seit drei Jahren auf den »Phlegräischen Feldern« (»Brennende Erde«), wie die Landschaft vulkanischen Ursprungs seit der Antike heißt. In der von zahlreichen Kratern geprägten Gegend um Pozzuoli, Baia, Misenum und Cuma, eines der bedeutenden Zentren griechischer und römischer Siedlungsgeschichte, finden sich vor allem aus der römischen Kaiserzeit bemerkenswerte Zeugnisse antiker Baukunst.

Von Cuma, der ersten Siedlung griechischer Auswanderer auf dem italienischen Festland, ging die Gründung Neapels aus. Pozzuoli war seit dem 2. vorchristlichen Jahrhundert der wichtigste zivile Hafen Italiens, über den der gesamte Orienthandel Roms, u.a. mit dem nabatäischen Petra, dem ägyptischen Alexandria und dem nordafrikanischen Karthago, abgewickelt wurde. Baia galt in der römischen Kaiserzeit als mondänster Badeort des Landes, in Misenum lag eine der beiden Mittelmeerflotten des römischen Imperiums. Eine solche Region mit den Bedürfnissen einer Großstadt war ohne eine ausgereifte und leistungsfähige Infrastruktur nicht lebensfähig.

So finden sich hier auf engstem Raum ein überregionales Wasserversorgungssystem mit zahlreichen Reservoirs aller Größen, darunter die von Petrarca bestaunte »Piscina Mirabilis«, in der 25 Schwimmbecken unterzubringen wären, mehrere Thermen, Handels- und Marinehäfen sowie ein dichtes und gut erhaltenes Straßennetz mit bemerkenswerten Tunnelbauten. Die auf den Vulkanismus zurückzuführende langsame Hebung und Senkung des Landes um bis zu 12 m ließ zwar zahlreiche Baudenkmäler unter die Meeresoberfläche absinken, gestattet jedoch auch interessante Rückschlüsse auf die antike Wasserwirtschaft.

Während die Phlegräischen Felder als »geistige Landschaft« jahrhundertelang das Ziel europäischer Bildungsreisender waren, gibt es bis heute noch keine zusammenhängende Untersuchung der infrastrukturellen Voraussetzungen. Prof. Döring hat mit seinen Studenten bei bisher fünf Arbeitskampagnen zahlreiche der oft schwer zugänglichen Bauwerke detailliert aufgemessen, dokumentiert und darüber in deutscher und italienischer Sprache publiziert.

Für seine Arbeiten wurde Prof. Döring im vergangenen Herbst in Neapel mit dem Theodor-Mommsen-Preis 2002 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich von der Mommsen-Gesellschaft »Archeologico Flegreo«, der Universität Federico II., Napoli und dem Goethe-Institut Neapel für herausragende Arbeiten zur Archäologie und Erforschung der antiken Kultur vergeben.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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