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Unter erschwerten Bedingungen

Im Garten sind Philip, Marco, Nick und Mika (v. l.) fündig geworden. Golden-Retriever-Hündin Mia schnuppert noch. Die Eltern Stephanie und Jan Gödert beobachten die österliche Suche nach bunten Eiern und Naschereien.  Fotos: Peter Helmes
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  • Im Garten sind Philip, Marco, Nick und Mika (v. l.) fündig geworden. Golden-Retriever-Hündin Mia schnuppert noch. Die Eltern Stephanie und Jan Gödert beobachten die österliche Suche nach bunten Eiern und Naschereien. Fotos: Peter Helmes
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ph ■ Ticken die Uhren in Kredenbach tatsächlich langsamer als in der Umgebung, wie böse Zungen behaupten? Selbstverständlich nicht. Es handelt sich lediglich um ein albernes Vorurteil – eine Mär, die sich hartnäckig im oberen Ferndorftal hält. Solche Frotzeleien kommen wohl in jedem Landstrich vor. Träfe das Gerücht indes zu, gebührte dem Kreuztaler Stadtteil die Ehre einer globalen Vorreiter-Rolle. Verlangt doch die momentane Corona-Krise weltweit nach Entschleunigung.

Am Siegerberg hält sich die sprichwörtliche Kredenbacher Gemächlichkeit...

ph  Ticken die Uhren in Kredenbach tatsächlich langsamer als in der Umgebung, wie böse Zungen behaupten? Selbstverständlich nicht. Es handelt sich lediglich um ein albernes Vorurteil – eine Mär, die sich hartnäckig im oberen Ferndorftal hält. Solche Frotzeleien kommen wohl in jedem Landstrich vor. Träfe das Gerücht indes zu, gebührte dem Kreuztaler Stadtteil die Ehre einer globalen Vorreiter-Rolle. Verlangt doch die momentane Corona-Krise weltweit nach Entschleunigung.

Am Siegerberg hält sich die sprichwörtliche Kredenbacher Gemächlichkeit in Grenzen, hauen dort doch vier Lausejungs kräftig auf die Pauke, die ihr Vater Jan als Stabführer des Spielmannszugs Müsen/Littfeld wie im Schlaf beherrscht: Marco (8) und die Drillinge Mika, Nick und Philip Gödert, über deren Geburt vor sechs Jahren die SZ ausführlich berichtete und am Osterwochenende erneut besuchte.

Anlass war die Frage: Wie feiert eine Familie ein Osterfest, das ganz im Zeichen der tückischen Infektionskrankheit steht? Die Antwort vorweg: unter erschwerten Rahmenbedingungen zwar, aber dennoch weitgehend normal – was auf dem Lande ohnehin leichter fallen dürfte als in einer Mietwohnung im Großstadt-Dschungel. Doch beginnen wir von vorn.

Gründonnerstag: Punkt 15 Uhr verteilen sich die vier Knirpse in freudiger Erwartung rund um den Küchentisch, den Mutter Stephanie mit Gläsern, Schalen und Eiern deckt. Färben und verzieren lautet die Hausaufgabe in der schulfreien Zeit. Kaum ist der Startschuss gefallen, heißt es Feuer frei. „Mama, da ist ein Ei geplatzt.“ „Ist nicht schlimm, das passiert schon mal.“ „Darf ich auch mehrfarbig?“ „Nein, rumgesaut wird nicht!“ Nach dem eher hektischen Auftakt kehren nach wenigen Minuten eine gewisse Entspanntheit und Lockerheit ein – eine Art Kredenbacher Gemächlichkeit, möchte man beinahe meinen.

Golden-Retriever-Dame Mia buhlt derweil vergebens um ein paar Streicheleinheiten. Einen ausgelatschten Turnschuh in der Schnauze, fordert sie unentwegt per Nasenstupser zum Spielen auf. Doch die Aufmerksamkeit, die man ihr während des Färbevorgangs entgegen bringt, tendiert stark gegen Null. Schmollend verzieht sie sich alsbald ebenso ins Nebenzimmer wie drei der vier Kätzchen. Bloß Luke, der erfahrene Kater, wagt sich in das Auge des Orkans, verliert dabei um ein Haar sein Gleichgewicht und hält sich nur dank äußerster Kraftanstrengung und artistischer Fähigkeiten an der Stuhlkante fest. Vom Loher Wald aus verfolgt der Osterhase mit gespitzten Löffeln den „Eiertanz“ auf dem gegenüberliegenden Hang und wagt es nicht, sein schützendes Dickicht zu verlassen.

Ostersonntag: Eine leichte Aufregung während des Frühstücks ist zu spüren. Die schräg stehende Morgensonne wirft lange Schatten auf die Wiese hinterm Haus, als die Suche nach versteckten Ostereiern und Naschereien startet. Eine halbe Stunde später hat der Nachwuchs die Beute fest im Griff und rückt sie nicht mehr heraus. Dabei ist zumindest dem achtjährigen Marco der Hintergrund des höchsten Fests im Kirchenjahr durchaus bewusst: „Karfreitag wurde Jesus hingerichtet, am Ostersonntag ist er auferstanden“, bringt er den Sinn in kindlicher Knappheit auf den Punkt.

Wie reagieren die Jungen auf Corona, was wissen sie darüber? „Philip hat richtig Angst gehabt“, berichten die Eltern. Marco, der die zweite Grundschulklasse besucht, beschäftigt sich durchaus mit dem Thema, Mika und Nick lässt es mehr oder weniger kalt. Aber auch sie spüren natürlich die Einschränkungen. Sie dürfen nicht mit einkaufen fahren, der Kontakt zu den Großeltern vollzieht sich überwiegend per Whatsapp und Telefon.

Im Sommer verlassen die Drillinge ihren Kindergarten, danach beginnt für sie als „i-Männchen“ in der Müsener Stahlberg-Grundschule der Ernst des Lebens. Auch Marco wechselt dann nach dem zweiten Schuljahr dorthin. Vermisst er in den verlängerten Ferien das quirlige Schulleben? „Warum?“ Na ja, einen oder anderen Klassenkameraden schon, räumt er nach kurzer Pause ein.

Mittags kommen Rouladen mit Klößen und Rotkohl auf den Tisch – klassische Kost regional angerichtet. Der Verdauungsspaziergang am Nachmittag läutet ganz langsam das Ende des Osterfestes ein. Obgleich es unter veränderten Voraussetzungen stattfindet, verläuft es im Hause Gödert in relativ gewohnten Bahnen. Diesbezüglich hat Corona also keinen tiefgreifenden Wandel hinterlassen – sieht man etwa von den entfallenen Familienbesuchen ab. Ein bisschen ruhiger als in den Vorjahren ist es. Die Bremswirkung des gefährlichen Erregers auf das Alltagsleben spiegelt sich auch hier wider. Weihnachten war hektischer.

Drüben im Loher Wald spitzt der Osterhase samt Kiepe abermals seine langen Lauscher und denkt sich im Stillen: Echt jetzt – diesem mickrigen Virus-Teufelchen namens Covid-19 darf es niemals gelingen, Grundpfeiler des Lebens wie Glaube, Liebe, Hoffnung oder Zuversicht zu erschüttern. Peter Helmes

Im Garten sind Philip, Marco, Nick und Mika (v. l.) fündig geworden. Golden-Retriever-Hündin Mia schnuppert noch. Die Eltern Stephanie und Jan Gödert beobachten die österliche Suche nach bunten Eiern und Naschereien.  Fotos: Peter Helmes
Bereits am Gründonnerstag geht es rund: Eier färben und verzieren ist angesagt.
Autor:

Peter Helmes (Redakteur) aus Siegen

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