Von der Gier nach schnellen Toren

Meisterschaft rückt in weite Ferne:

TuS Ferndorf kassierte beim 30:32 gegen HC Dortmund-Süd zweite Heimpleite in Folge

jb Kreuztal. Beim TuS Ferndorf gibt es keinen schöneren und länger anhaltenden Traum als den von der Meisterschaft in der Handball-Oberliga Westfalen. Nach dem Stand der Dinge dürfte er seit Samstag über den 1. Mai 2004 bis ins Jahr 2005 hineinreichen. Denn der vor 14 Tagen von der Tabellenspitze gestürzte bisherige Topfavorit kassierte beim 30:32 (15:12) gegen HC Dortmund-Süd prompt seine zweite Heim- und Saisonniederlage in Folge. Damit haben die mit einem Spiel in Rückstand liegenden Ferndorfer auf den weiterhin unbesiegten VfL Gladbeck drei Minuspunkte und fünf Pluszähler aufzuholen.

Im Gegensatz zur (noch) verzeihlichen Packung gegen Schalksmühle vor 14 Tagen muss den Ferndorfern vorgeworfen werden, dass sie sich diese neue Pleite einzig und allein selbst eingebrockt hatten. Wenn man gut und gerne ein Dutzend »Elfmeter« nicht versenkt und wenn man nicht in der Lage ist, während des Spiels seine Taktik zu ändern, wird man kein Champion, auch nicht in der Oberliga.

Alles lief bereits auf ein Unentschieden zur Pause hinaus, weil es bis zur 28. Minute völlig ausgeglichen 12:12 stand. Es hätte auch gut und gerne 20:20 stehen können, und genauso gut hätte eine der beiden Teams 20:12 führen können. Da war einerseits TuS-Torhüter David Wellen der auffälligste Spieler in der Halle, der einen möglichen Rückstand verhinderte. Und auf der anderen Seite war Ferndorfs Abschlussschwäche mal wieder signifikant. So bedauerten im Nachhinein die Trainer Libor Hrabal und Axel Gerhard, dass die zwangsläufig umgestellte Abwehr nicht abgestimmt war. Klar, sie lagen mit ihrer Einschätzung richtig. Aber was kann man mehr verlangen als gut und gerne zwei Dutzend eroberte Bälle. Bis zum 12:12 hatten die Ferndorfer bereits fünf TempoGegenstöße kläglich vor dem Dortmunder Kasten »versemmelt« und mindestens die gleiche Anzahl war von den Dortmundern abgefangen worden, weil die Ferndorfer Pässe viel zu riskant gespielt worden waren. Zur allgemeinen Verblüffung waren urplötzlich doch drei Konter hintereinander drin. Ferndorf ging also mit 15:12 in die Pause.

Und als es sofort nach Wiederbeginn das 16:12 nachlegte, begann so etwas wie die Gier nach schnellen Toren. Statt den Gewinn - sprich den Vorsprung - zu sichern, wurde nun munter weiter gekontert, obwohl man hätte wissen müssen, dass dies eben ein großer Unsicherheitsfaktor war. Dabei hatten es die Ferndorfer nicht zum ersten Mal in dieser Saison viel zu eilig. Das Ergebnis der ins Spiel gebrachten völlig unnötigen Hektik waren Ballverluste, unvorbereitete Torwürfe und Schüsse, die Dortmunds Keeper Matthias Massat abwehrte. In dieser zerfahrenen Angelegenheit behielten die Gäste einen kühlen Kopf. Sie versenkten postwendend die Gegenkonter. Über 17:18 lag Ferndorf mit 19:22 in der 43. Minute hinten. Unverständlich, dass von der Trainerbank kaum eine Reaktion kam. Eine Auszeit zur Taktikänderung hätte frühzeitig genommen werden müssen. So lief Ferndorf ins offene Messer.

Es fehlte wie so oft einer, der in kritischen Situationen das Kommando übernimmt, einer der alles gibt, um zu gewinnen und zugleich seine Mitspieler mitzieht. Man wünschte sich eine Situation wie einst bei Udo Bölts, der im wenig freundlichen aber markanten Ton Jan Ullrich die Berggipfel hinauftrieb »Quäl Dich, Du Sau«). Der angeschlagene Libor Hrabal wechselte sich dann beim Stand von 20:23 ein. Er tat seiner Gesundheit sicherlich damit keinen Gefallen. Kurzfristig stellte sich der Erfolg ein. Denn bis zum Anschluss auf 22:23, 23:24 und 24:25 kam Ferndorf heran. Mehr war allerdings nicht drin. Es war ein halbherziges, eher verzweifeltes Aufbäumen gegen euphorische Dortmunder, die nun alles gaben und nach dem Schlusspfiff lautstark den Karneval von Dortmund eröffneten. In den letzten zehn Minuten liefen die Gastgeber mit hängenden Köpfen immer zwei bis drei Toren hinterher.

TuS Ferndorf: Becker, Wellen; Krawitz, Stadel (1 Tor), Orlov (5), Münker (1), Pfaffenbach (4), Feldmann (5), Hrabal (1), Schierbaum (2), Schäfer (10/3), Stenske (1).

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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