„Von guten Mächten . . .“

Rund 100 Sängerinnen und Sänger trafen sich bei den Kreuztaler Singtagen, die mit einem Konzert in der Kreuzkirche ihren Abschluss fanden.  Foto: sz
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uha Kreuztal. Die Kreuztaler Singtage, seit über 20 Jahren aus dem kulturellen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken, fanden am vergangenen Wochenende mit einem Konzert in der gut besuchten Kreuzkirche ihren Abschluss. Vier Abende lang hatten sich um die 100 Sängerinnen und Sänger aus den Kreuztaler und auch benachbarten evangelischen Chören in der Fellinghausener Friedenskirche getroffen, um unter der Leitung von KMD Matthias Nagel, seit kurzem auch Landesposaunenwart in der ev. Kirche Rheinland mit Arbeitssitz in Wuppertal, unbekannte größere und auch ungewohnte Chorsätze und Kantaten zu erarbeiten. Erschwerend wirkte sich die Wetterlage aus, so dass zu einigen Probeterminen manche Teilnehmer nicht pünktlich erscheinen konnten.

Die diesjährigen Singtage waren für alle Sängerinnen, Sänger und Instrumentalisten ein eindrückliches Erlebnis, das durch fachlich gekonnte Regie des Singleiters möglich wurde. Die Tage entwickelten sich nicht nur zu einem musikalischen, sondern auch zu einem tiefgreifenden inhaltlichen Erlebnis. Möglich wurde dies besonders, weil mit wenigen Ausnahmen alle einstudierten Werke aus der Feder von Matthias Nagel stammten, also von ihm ausgewählt waren und seine Handschrift trugen. Der Kirchenmusiker beherrscht nicht nur das erlernte Metier der Herforder Schule, sondern bedient auch benachbarte Szenen wie Gospel und Bläsermusik, betätigt sich als Arrangeur und als Komponist, der für nicht wenige Stile offen ist. Dass er beim Konzert selbst am Klavier saß, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Sängerinnen und Sänger lernten ihn lieben und schätzen.

„Von guten Mächten“ war das Thema der Singtage. Dieses bekannte Lied von Dietrich Bonhoeffer hat Matthias Nagel in meisterlicher Weise in Töne gesetzt, und zwar im frühbarocken Stil in der Art der doppelchörigen Motetten von Heinrich Schütz. Den Teilnehmern erschloss sich in der Singwoche die Glaubenstiefe Bonhoeffers: „Doch willst du uns noch einmal Freude schenken an dieser Sonne Glanz, … und dann gehört dir unser Leben ganz.“ Glaubenszuversicht und zugleich Klage hinterließen bei Sängern und Zuhörern einen tiefen Eindruck. Zugleich war der zeitweise festliche Glanz, verstärkt durch die Colla-parte-Begleitung der Blechbläser von Pian e Forte, für alle Beteiligten ein unvergessliches Erlebnis.

Matthias Nagel war es wichtig, den teilnehmenden Chören auch Musizierformen zu vermitteln, die im späteren Chor-Alltag Geltung behalten. Mit dem Taizé-Magnificat zog die große Sängerschar zu Beginn in das Kirchenschiff ein. Drei neue Lieder mit einfacher und sehr lebendiger Satzführung gehörten dazu, auch drei Spirituals und das Vaterunser von Christian Heinrich Rink. Nicht selten beteiligte der Singleiter auch die Gemeinde spontan an der Ausgestaltung der Sätze. Beeindruckend waren die konzertanten Beiträge der Blechbläser Pian e Forte unter Leitung von Ingo Gieseler, die spontanen Beifall fanden. Beteiligt am guten Gelingen waren auch die jungen Flötistinnen Katja Stücher und Sarah Bednorz sowie Ralf Stiebig am Keyboard.

Zweiter und letzter Höhepunkt des Programms war die Motette „Ein Herz ohne Hass und Neid“, vom Texter Klaus Bastian dem Psalm 51 nachempfunden. Inhaltlich beschäftigt sich dieses von Nagel in Töne gesetzte Werk mit der Spannung eines Christenlebens, das sich an den göttlichen Maßstäben orientiert, aber immer wieder scheitert und zu Schuld führt. „Oft funktioniert das nicht, leider!“ – in herben stereotypen Wiederholungen wurde das deutlich, auch die ständige Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit, nicht selten die Suche nach Kompromissen. „Gott, dein Geist in allem, was ich tue“, im Widerpart aber „ich denke ja dann nur an mich“. Erlösend und befreiend nach all den enttäuschenden chromatischen Linien immer wieder: Ich weiß, dass du vergibst, wie mit gutem Öl öffnest du mir die eingerosteten Türen.“ Pastor i. R. Jürgen Thiemann fand erklärende und klare Worte, um Mut zu machen: „Und ich kann es neu versuchen.“ Matthias Nagel hatte dieses Meisterstück gezielt für die Kreuztaler Singtage komponiert.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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