»Wahl unter schlechten Alternativen«

Kreuztal bleibt bei »Nein« zu späterem Schulbeginn/Günter Padt informierte im Ausschuss

nja Kreuztal. Selbst wenn Kreuztal alsbald einem um 25 Minuten späteren Schulbeginn zustimmen sollte, wäre dies wohl zum nächsten Schuljahr nicht mehr umsetzbar. Das meinte gestern Abend Günter Padt, Geschäftsführer des Zweckverbands Personennahverkehr Westfalen-Süd (ZWS), im Schulausschuss. Doch Kreuztal blieb auch bei seinem Veto. Wie berichtet, möchte bzw. muss der ZWS mit seiner »Busnetzoptimierung« 83000 e in Kreuztal einsparen. Mit einem späteren Schulbeginn im Schulzentrum, so heißt es, würden weniger Busse zur gleichen Zeit benötigt, könne also entsprechend gespart werden. Eltern, Lehrer und Stadt hatten dagegen protestiert.

In einem Schreiben an den Zweckverband hatte Bürgermeister Rudolf Biermann jüngst nochmals die Kreuztaler Position klargestellt: Weder stimme man der Schulzeitstaffelung zu, noch einer Reduzierung im Linienangebot R10 und L140 oder der Zahlung eines Ausgleichsbeitrags als »Kompensierung«. Mit dem neuen Schulgesetz gebe es wesentliche Veränderungen im Schulalltag. NachmittagsUnterricht schon ab Klasse 5 werde »zum Regelfall«.

Auch werde von Elternseite zu bedenken gegeben, »dass die Familien- und Beschäftigungssituationen überwiegend so strukturiert sind, dass ein früherer und nicht der spätere Unterrichtsbeginn den Wünschen und Bedürfnissen entgegen komme«. Fazit: Nach wie vor stünden die wirtschaftlichen Gesichtspunkte des Verkehrsträgers einerseits und die schulorganisatorischen und pädagogischen Vorbehalte von Eltern und Schulen andererseits im Raum.

Günter Padt machte gestern nochmals deutlich: Alternative Möglichkeiten zu einem späteren Schulbeginn seien die Zahlung der 83000 e oder aber Angebotshalbierungen im Jedermannverkehr der Linien nach Burgholdinghausen, Geisweid und in die Fritz-Erler-Siedlung. Von der Taktreduzierung, so gab er zu bedenken, seien insgesamt 5800 Personen betroffen – darunter auch die Heranwachsenden. Nicht nur in der Freizeit, sondern z.B. auch bei der Heimfahrt nach der Schule. Weil dann nämlich Anschlussbusse nicht mehr führen, weil sie gestrichen worden seien.

Günter Padt: »Ich appelliere an sie: Wägen sie ab.« Den Vorwurf der Erpressung wies er weit von sich. »Wir haben ihnen nur aufgezeigt was es kostet, auf die Zeitstaffelung zu verzichten.« Eine der drei Varianten werde wohl auf Kreuztal zukommen. »Wir haben keinen Bewegungsspielraum mehr.« Natürlich könne und wolle der ZWS die Stadt nicht zur Zahlung verpflichten, sagte Padt, nachdem Biermann nach der Rechtsgrundlage gefragt hatte. Doch, so erklärte er sinngemäß, werde der »Schutzmantel des Nahverkehrsplans« weggezogen, könne das Verkehrsunternehmen die Taktzeiten verändern.

»Wir haben die Wahl unter schlechten Alternativen, können den Teufel mit dem Belzebub austreiben«, monierte Ingrid Walder (SPD). »Ist es zwingend erforderlich und sinnvoll, eine fahrgastreiche Linie wie die 10 auszudünnen, oder will man Kreuztal damit einfach nur wehtun? Es gibt doch Linien im Kreisgebiet, die am Tag von drei Leuten genutzt werden, mit deren Schließung sich sparen ließe«, merkte Andreas Nelson (Grüne) kritisch an. Padt erinnerte daran, dass die Wittgensteiner z.B. »massiv Leistungen verloren« hätten. Er persönlich würde die »R10« nicht kürzen. Doch diskutiert werde jetzt nun mal über das »Linien-Bündel Mitte«; ein »Solidar-Ansatz« sei gefragt.

In Hilchenbach, so führte Padt weiter aus, könnten die Schulanfangszeiten mit Blick auf die Rothaarbahn nicht geändert werden. Werner Müller (CDU) sah nicht die Stadt, sondern den Kreis in der Verantwortung; Kreuztal entstünden gravierende Nachteile. Er gab aber auch zu bedenken: »Wir sind dem Wohl der ganzen Stadt verpflichtet.« »Wir wollen, dass sich für unsere Schulen nichts ändert«, konstatierte Christian Ganseuer (SPD). »Busfahren ist kaum noch bezahlbar«, machte Tillmann Berk (CDU) seinem Unmut Luft.

Keine »Manövriermasse« mehr da

Bürgermeister Rudolf Biermann wollte von Günter Padt noch wissen, ob Stadt, Ausschuss und die Schulleitungen noch gemeinsam »gestalterische Möglichkeiten« hätten, ein Angebot ausarbeiten könnten. Padt wurde noch einmal deutlich: »Die Manövriermasse haben wir schon freiwillig zur Verfügung gestellt. Wir hätten auch von einem Schulbeginn um 8.30 Uhr reden können.«

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