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Ein Lichtblick für einsame Menschen
Weihnachten klopft an die Tür

Für das SZ-Foto wurde der Mund-Nase-Schutz kurzfristig abgelegt, als Elisabeth Kramer (Mittagstisch), Astrid Kotlan (AWo-Stiftung), Adrian Stötzel (Stadtteilbüro) und Golnaz Talimi (DRK-Besuchsdienst, v. l.) die Tüten packten. Hinzu kommt ein Drei-Gänge-Menü, das am Abend des 2. Weihnachtstags an einsame Menschen überreicht wird.
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  • Für das SZ-Foto wurde der Mund-Nase-Schutz kurzfristig abgelegt, als Elisabeth Kramer (Mittagstisch), Astrid Kotlan (AWo-Stiftung), Adrian Stötzel (Stadtteilbüro) und Golnaz Talimi (DRK-Besuchsdienst, v. l.) die Tüten packten. Hinzu kommt ein Drei-Gänge-Menü, das am Abend des 2. Weihnachtstags an einsame Menschen überreicht wird.
  • Foto: nja
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nja Kreuztal. Die Festtage im Krankenhaus zu verbringen, das wünscht sich niemand? Falsch. „Ich hätte hier mehr Weihnachten als zu Hause. Dort bin ich ganz alleine. Ich habe niemanden mehr“, sagt Herr G. aus Kreuztal, der anonym bleiben möchte, aber bereitwillig von seiner Einsamkeit erzählt. Eine chronische Krankheit – Akne Inversa – hat ihm ein Zimmer im Freudenberger Bethesda-Krankenhaus beschert. Es ist der 22. Dezember, und der 58-Jährige hofft, dass er vor den Feiertagen nicht entlassen wird. „Hier habe ich Menschen um mich herum, mit denen ich reden kann, die sich kümmern. Und hier gibt es Weihnachtsbäume.“
Im Krankenhaus habe ich mehr Weihnachten als zu Hause.
Herr G.

nja Kreuztal. Die Festtage im Krankenhaus zu verbringen, das wünscht sich niemand? Falsch. „Ich hätte hier mehr Weihnachten als zu Hause. Dort bin ich ganz alleine. Ich habe niemanden mehr“, sagt Herr G. aus Kreuztal, der anonym bleiben möchte, aber bereitwillig von seiner Einsamkeit erzählt. Eine chronische Krankheit – Akne Inversa – hat ihm ein Zimmer im Freudenberger Bethesda-Krankenhaus beschert. Es ist der 22. Dezember, und der 58-Jährige hofft, dass er vor den Feiertagen nicht entlassen wird. „Hier habe ich Menschen um mich herum, mit denen ich reden kann, die sich kümmern. Und hier gibt es Weihnachtsbäume.“

Im Krankenhaus habe ich mehr Weihnachten als zu Hause.
Herr G. aus Kreuztal,
der unter seiner Einsamkeit leidet

Stadtteilbüro organisiert erstmals Besuchsdienst

Seit 44 Jahren hebelt ihn die Krankheit – neben einem doppelten Bandscheibenvorfall – körperlich aus, bindet ihn an den Rollstuhl. Selten verlässt er seine Wohnung. Der Pflegedienst morgens und abends sowie zweimal pro Woche Unterstützung vom Inklusions-Verein Invema – das seien die regelmäßigen Sozialkontakten, die ihm geblieben seien. Herr G. nimmt daher dankbar ein neues Angebot des Stadtteilbüros/Mehrgenerationenhauses Fritz-Erler-Siedlung an. Dessen Name ist nahezu selbsterklärend und lautet: „Weihnachten klopft an die Tür“. Bei Menschen wie Herrn G., die ansonsten ganz allein sind.

,,Es muss leider bei Haustürbesuchen bleiben''

„Am Abend des 2. Weihnachtstags werden wir mit einem Team aus Ehrenamtlichen bis zu zehn einsame Kreuztalerinnen und Kreuztaler besuchen“, erzählt Projektinitiator Adrian Stötzel. Im Gepäck: ein leckeres Drei-Gänge-Menü und eine Geschenktüte mit kleinen, aber feinen Überraschungen. Der Inhalt wird natürlich noch nicht verraten. „Wir übergeben dies mit warmen Worten“, sagt Stötzel, der bedauert, dass das Coronavirus die ursprüngliche Planung eines längeren Miteinanders ausbremst: „Es muss leider bei Haustürbesuchen bleiben.“ Beim Hauptgang konnte im Vorfeld ausgewählt werden zwischen Rinderbraten mit Kartoffeln, Gänsekeule mit Klößen und vegetarischem Auflauf.

Festtage können eine emotionale Herausforderung sein

Initiiert und koordiniert wird die Aktion vom Stadtteilbüro, mit im Boot aber sind auch freiwillige Helferinnen und Helfer des ehrenamtlichen Besuchsdiensts des DRK-Kreisverbands sowie des Kreuztaler Mittagstischs. Finanziell unterstützt wird die Premiere dieser weihnachtlichen Aktion vom Lions-Club Kreuztal und von der AWo-Stiftung „Chancen geben“, vom Kreuztaler Kutscherhaus, von der Metzgerei Bingener und Toschs Genusshütte. Insbesondere das Team des Mittagstischs vermittelte Kontakte zu einsamen Mitbürgern, für die drei Festtage in Folge eine emotionale Herausforderung werden können. „Einsamkeit ist keine Frage des Alters“, sagt Adrian Stötzel. Der Jüngste, an dessen Tür geklopft wird, ist 50.

Sollte Herr G. über die Feiertage im Krankenhaus bleiben, versucht das ehrenamtliche Team auch dort eine Übergabe. Einen geschmückten Tannenbaum, den stellt der Kreuztaler zu Hause seit Jahren nicht mehr auf. „Das weckt zu viele Erinnerungen an schöne Jahre“, sagt der 58-Jährige traurig am SZ-Telefon. Und wünscht frohe Weihnachten.

Für das SZ-Foto wurde der Mund-Nase-Schutz kurzfristig abgelegt, als Elisabeth Kramer (Mittagstisch), Astrid Kotlan (AWo-Stiftung), Adrian Stötzel (Stadtteilbüro) und Golnaz Talimi (DRK-Besuchsdienst, v. l.) die Tüten packten. Hinzu kommt ein Drei-Gänge-Menü, das am Abend des 2. Weihnachtstags an einsame Menschen überreicht wird.
Weihnachten klopft es  an manche Türen -  in Kreuztal und auch andernorts, z.B. in Achenbach.
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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