Westfalia Trailer Group hat Insolvenz beantragt

Keine Lohnrückstände / Initiative will weiterarbeiten

avb Krombach. Die Westfalia Trailer Group steht vor dem Aus: Geschäftsführer Detlef Block musste gestern einen Insolvenzantrag beim Siegener Amtsgericht stellen. Einer Mitteilung der Industriegewerkschaft Metall nach zog er damit die Konsequenz aus dem Rückzug der privaten Gesellschafter aus dem Unternehmen, das sie 1994 vor der drohenden Pleite bewahrt hatten. Rund 110 Mitarbeiter sind nun von der Insolvenz betroffen.

Marc Wössner (ehem. Vorstandschef der Bertelsmann AG), Werner Gehring (Geschäftsführender Gesellschafter der Gehring-Bunte-Gruppe – Christinen Brunnen) und Gunter Berg (ehem. Berg-Gruppe Gütersloh) haben ihr Engagement bei Westfalia mit sofortiger Wirkung eingestellt. »Das ist ein Rückzug zur Unzeit«, urteilt Detlef Wetzel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall. Noch im September hatte das Unternehmen die Hoffnung geäußert, die angeschlagene Firma über ein so genanntes »Management-buy-out« bis März in eine Gesellschaftsstruktur zu überführen, die sie von Schulden und Altlasten befreien sollte.

Weichen wurden gerade gestellt

»Gerade jetzt wurden die Weichen gestellt, um das Unternehmen in verkleinerter Form mit neuer Ausrichtung fortzuführen«, so Wetzel. 60 Arbeitsplätze seien gestrichen worden, daher habe man mit den Gesellschaftern einen Interessenausgleich und Sozialplan vereinbart. Über eine dafür gegründete Transfergesellschaft sollten die Mitarbeiter qualifiziert und schnellstmöglich wieder in den Arbeitsmarkt vermittelt werden, statt sie zu entlassen. »Das ist jetzt alles Makulatur«, so Wetzel.

Verluste höher als erwartet

IG Metall und Betriebsräte reagierten verärgert auf das Verhalten der Gesellschafter. »Wir hatten uns von den hoch gelobten Managern um den ehemaligen Bertelsmann-Vorstand und Manager des Jahres, Marc Wössner, mehr versprochen«, so stellv. Betriebsratsvorsitzender Jürgen Braas. Geschäftsführer Block begründete die Entscheidung der Gesellschafter mit den Verlusten der Firma, die deutlich höher als geplant ausgefallen seien. Auch für das »Management-buy-out« hätten die Gesellschafter noch einmal eine größere Summe »nachschießen« müssen, und dazu habe man sich nach einigen Tagen Verhandlung nicht in der Lage gesehen.

IG Metall beklagt fehlende Linie

Die Westfalia Trailer Group hatte vor vier Jahren die Heinemann Anhänger GmbH übernommen und den Krombacher Standort zunächst gesichert, indem sie ihren Stammsitz von Rheda-Wiedenbrück ins Siegerland verlegte. Erst im März dieses Jahres war der Umzug abgeschlossen. Die IG Metall beklagt das Fehlen einer klaren Linie in der Firmenpolitik. Mit der Benennung von Detlef Block, Schwiegersohn von Werner Gehring, zum Geschäftsführer »waren Hoffnungen auf ein langfristiges Engagement der Gesellschafter geweckt«, so die Gewerkschaft. Statt dessen habe es in diesem Jahr jedoch ein mehrfaches Hin und Her gegeben um liquide Mittel (sie flossen nicht), eine Kooperation mit dem ostdeutschen Anhänger-Hersteller Stema (man rückte wieder davon ab) und schließlich um die Management-buy-out-Lösung, deren »Motor«, den Prokuristen, man beurlaubt und »erst nach massivem Protest von Betriebsrat und IG Metall« wieder eingesetzt habe.

Konzept braucht Unterstützung

Auf einer Betriebsversammlung hat die IG Metall gestern mit den Arbeitern und Angestellten eine Belegschaftsinitiative gegründet. »Wir werden ein Konzept für eine Weiterführung entwickeln und brauchen dazu die Unterstützung der Kunden und Lieferanten«, so Gewerkschaftssekretär Jörg Weigand. Lohnrückstände seien noch nicht entstanden, daher könne mit dem Insolvenzgeld des Arbeitsamtes in den nächsten zweieinhalb Monaten weitergearbeitet werden. Die Belegschaft baue gute Hänger, und die hätten am Markt ihren Platz. Das sei bereits bewiesen. Insofern zeige man sich entschlossen, für den Erhalt der Firma zu kämpfen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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